Deutsch: Gedichtinterpretation schreiben
Wenn Du wissen willst, wie man eine Gedichtinterpration schreibt oder generell Gedichte interpretiert, dann bist Du hier genau richtig. Steig direkt in den Text ein.
Was ist eine Gedichtinterpretation?
Mit einer Gedichtinterpretation wird ein Blick „zwischen die Zeilen“ eines Gedichts geworfen. Welche Absicht verfolgt der Dichter bzw. die Dichterin damit? Was genau soll mit dem Gedicht ausgesagt werden? Um ein Gedicht interpretieren zu können, muss es zunächst analysiert werden. Die Gedichtinterpretation basiert quasi auf der Gedichtanalyse, in der das Gedicht in seine Einzelteile zerlegt, also auf Form, Sprache und Inhalt untersucht wird. Anschließend wird die Wirkung des Analysierten untersucht und gedeutet und das Gedicht zeitgeschichtlich eingeordnet.
Eine Gedichtanalyse ist der Grundbaustein für eine Gedichtinterpretation. Um die Absicht des Autors bzw. der Autorin zu erkennen, reicht es nicht aus, den Inhalt zu kennen und auseinanderzunehmen. Sprache und Form sind ebenso wichtig, da sie eine bestimmte Wirkung auf die Leser*innen erzielen – und die gilt es herauszufinden und zu hinterfragen.
Die Lyrikinterpretation geht anschließend über die Klärung des Inhalts hinaus und offenbart, welche Botschaft in dem Gedicht steckt. Du stellst also zu Beginn deiner Interpretation eine Deutungshypothese auf, die du im weiteren Verlauf deines Textes belegst und zum Schluss wieder aufgreifst.
Gedichtanalyse und Gedichtinterpretation teilen sich eine Deutungshypothese. Wenn du beide in einem Text kombinierst, brauchst du nur eine Hypothese auszuformulieren.
Wie baue ich eine Gedichtinterpretation auf?
Achte im Deutschunterricht auf die genaue Aufgabenstellung. Oft gehen Gedichtanalyse und Gedichtinterpretation Hand in Hand. Dann lautet die Aufgabe beispielsweise: Analysiere und interpretiere das Gedicht … In dem Fall hast du zwei Möglichkeiten, wie du vorgehen kannst. Entscheide dich also zunächst für den Aufbau deiner Gedichtinterpretation.
Aufbau Gedichtinterpretation: Variante 1
Wie fast jede Textart folgst du auch bei einer Gedichtinterpretation dem Aufbau Einleitung, Hauptteil und Schluss. Eine Möglichkeit ist es nun, das Gedicht zunächst zu analysieren und eine eigenständige Analyse zu schreiben. Im Anschluss interpretierst du das Gedicht anhand deiner Ergebnisse und schreibst deine Interpretation in einem separaten Kapitel. Schau dir dazu das folgende Schema an:
- 1. Einleitung
- 2. Hauptteil
- 2.1. Analyse
- 2.1.1. Inhalt
- 2.1.2. Form
- 2.1.3. Sprache
- 2.2. Interpretation
- 2.2.1. Inhalt
- 2.2.2. Form
- 2.2.3. Sprache
- 2.1. Analyse
- 3. Schluss
Analyse und Interpretation teilen sich also Einleitung und Schluss, aber bekommen im Hauptteil jeweils ein eigenes Unterkapitel. Der Vorteil dieser Variante ist, dass du dich zuerst ganz auf die Analyse und anschließend allein auf die Interpretation konzentrieren kannst. Du musst also während des Schreibens nicht zwischen beiden Ergebnissen hin- und herspringen. Allerdings lässt es sich hierbei kaum vermeiden, Aspekte der Analyse im Kapitel Interpretation wiederaufzugreifen. Dadurch kommst du um Wiederholungen nicht herum.
Aufbau Gedichtinterpretation: Variante 2
Die andere Möglichkeit ist es, Gedichtanalyse und -interpretation in einem Kapitel zu kombinieren. In dem Fall schreibst du deine Analyse und interpretierst das Analysierte im Anschluss im selben Abschnitt. Sieh dir dazu den folgenden Aufbau an:
- 1. Einleitung
- 2. Hauptteil
- 2.1. Inhalt (Analyse + Interpretation)
- 2.2. Form (Analyse + Interpretation)
- 2.3 Sprache (Analyse + Interpretation)
- Schluss
Da du auf deine Ergebnisse sogleich Bezug nimmst, vermeidest du Wiederholungen. Um das Analysierte aber direkt zu interpretieren, wirst du im Schreibprozess zwischen deinen Ergebnissen hin- und herspringen müssen.
Ganz gleich, für welche Variante du dich entscheidest, gehören folgende Informationen in die Einleitung:
Name des Dichters bzw. der Dichterin
Titel
Erscheinungsjahr
Art des Gedichts
die literarische Epoche, in der es entstand
das behandelte Thema
Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Entscheide also entweder nach deinem Bauchgefühl, welche dir mehr liegt, oder bespreche mit deiner Lehrkraft, wie du bei der Aufgabe am besten vorgehst.
Testen Sie den Testsieger*
- Flexibler Einsatz der 10 gratis Nachhilfestunden, z. B. vor Klassenarbeiten
- Individuelle Profi-Nachhilfe vor Ort oder online
- Für alle Klassenstufen und Schulformen
- 94 % Kundenzufriedenheit*
Wie schreibe ich eine Gedichtinterpretation?
Der erste Schritt bei einer Gedichtinterpretation ist, wie gesagt, eine Analyse des Gedichts. Lies das Gedicht dazu mehrmals aufmerksam durch und markiere dir unklare Stellen. Anschließend untersuchst du Inhalt, Form und Sprache des Gedichts. Hast du alle Unklarheiten beseitigt, die äußere Form analysiert und sprachliche Mittel herausgearbeitet, kannst du mit der Interpretation beginnen. Schau dir dazu deine Erkenntnisse genauer an und stelle dir folgende Fragen:
- Welche Wirkung erzielen die sprachlichen Mittel? Soll damit etwas betont werden? Rufen sie bestimmte Emotionen hervor? Werden bestimmte Bilder oder Vorstellungen erzeugt? (Wiederholungen dienen beispielsweise oft der Betonung und Metaphern verleihen einem Gedicht Lebendigkeit.)
- Wer spricht? Gibt es in lyrisches Ich oder mehrere Sprecher? Welche Bedeutung kommt dem zu? (Zwei Sprecher können beispielsweise ein Gespräch simulieren oder einen Gegensatz darstellen.)
- Welche Absicht steckt hinter dem Aufbau des Gedichts? Ist das Gedicht in Strophen unterteilt? Werden einzelne Versen oder gar Strophen wiederholt? (Dadurch prägen sie sich besser ein.) Welches Reimschema, Versmaß und Metrum liegen vor? Wird dadurch vielleicht ein Gegensatz erzeugt oder ein Themenwechsel? Ein Kreuzreim eröffnet beispielsweise einen größeren Raum, sodass sich dort ein Blick auf die sich jeweils reimenden Verse lohnt.
- Verwendet der Dichter bzw. die Dichterin kurze oder lange Sätze? Wiederholt sich der Satzbau? (Durch kurze Sätze kann beispielsweise Spannung erzeugt werden. Lange hingegen, wenn sie sich vielleicht sogar über mehrere Zeilen hinwegziehen, signalisieren Zusammengehörigkeit.)
Generell geht es bei einer Gedichtinterpretation darum, einen Zusammenhang zwischen dem Inhalt und der erzielten Wirkung herzustellen. Ein Paarreim prägt sich beispielsweise leicht ein und kommt vor allem in Kinder- und Volksliedern zum Einsatz, wo er durch seinen Rhythmus eine positive Stimmung erzeugt. Achte aber darauf, ob eine solche zum Thema passt. Möglicherweise hat sich der oder die Verfasser*in dies auch bewusst zu Nutze gemacht, um Tragik zu verdeutlichen.
Die Wirkung eines Stilmittels lässt sich nicht verallgemeinern und kann von Gedicht zu Gedicht, je nach Kontext, variieren.
Tipps und Tricks zur Gedichtinterpretation
Bevor du mit dem Schreiben beginnst, schau dir die nachfolgenden Tipps und Tricks zur Gedichtinterpretation an.
- Lass dich bei deinen Vorbereitungen nicht dazu verleiten, gleich mit dem Interpretieren loszulegen. Fertige erst deine Analyse an und mache dir erst im Anschluss genauere Gedanken, wie deine Ergebnisse zu interpretieren sind. Wenn du dich vorschnell ins „Innere“ des Textes stürzt, übersiehst du womöglich wichtige Faktoren.
- Auch, wenn ein Gedicht schon ein paar Jahre oder Jahrhunderte alt ist, schreibe deine Interpretation stets im Präsens. Der bzw. die Verfasser*in mag vielleicht nicht mehr leben, das Werk aber ist für die Ewigkeit gedacht und deshalb noch immer „aktuell“.
- Denke daran, bei Gedichten immer von Versen zu sprechen und nicht von Zeilen. Manche verwenden auch den Begriff „Verszeile“. Halte dich am besten daran, was eure Lehrkraft im Unterricht verwendet.
- Nutze Zitate, um deine Erkenntnisse zu stützen. So sind deine Argumente nachvollziehbar und dein Text wirkt lockerer. Achte aber darauf, dass das Verhältnis von Text und Zitaten ausgewogen ist. Zu viele Zitate können sich negativ auf die Leserlichkeit auswirken.
Schauen wir uns das mal an einem Beispiel von Georg Trakls „Winterdämmerung“ an. Eine Interpretation könnte Folgendes beinhalten:
Georg Trakl kritisiert die dominierende Industrie und veranschaulicht dies in seinem Gedicht, indem er mit Licht spielt: „Schwarze Himmel von Metall“ (Vers 1) oder „Helle im Theatersaal“ (Vers 12). Die Rauchschwaden aus den Fabrikschornsteinen färben den Himmel „schwarz“. „Hell“ ist es dagegen nur noch im „Theatersaal“. Der Mensch macht es sich also im Inneren schön und sieht – bewusst? – von dem Schaden weg, den er (draußen) anrichtet.
In unserem Beispiel könnte das so aussehen: Trakl nutzt zahlreiche negative Begriffe, um seine Kritik bildhaft zum Ausdruck zu bringen, zum Beispiel „hungertolle Krähen“ (Vers 3), „In Verfaultem süß und schal“ (Vers 9) und „Blutbefleckte Linnen“ (Vers 15).
Gedichtinterpretation – das Wichtigste in Kürze
- In einer Gedichtinterpretation baut auf eine Gedichtanalyse auf und arbeitet die Absicht des Autors bzw. der Autorin heraus.
- Zur Vorbereitung ist es wichtig, das Gedicht zunächst auf Inhalt, Form und Sprache zu analysieren.
- Eine Gedichtinterpretation besteht aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss.
- Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Gedichtinterpretation aufzubauen: Entweder schreibt man zuerst eine Analyse und anschließend eine Interpretation in einem separaten Kapitel (beides im Hauptteil). Oder man integriert Analyse und Interpretation und schließt die Interpretation an die Analyse an.
- Eine Gedichtinterpretation wird stets im Präsens geschrieben.
- Zitate lockern den Text auf und unterstützen Argumente. So sind Analyse und Interpretation stets gut nachvollziehbar.
- Letztendlich geht es in einer Interpretation immer darum, einen Zusammenhang zwischen Inhalt und Wirkung zu erstellen.
Was ist eine Gedichtinterpretation?