Deutsch – Perfekt
Wenn Du wissen willst, wie Du das Perfekt bildest und benutzt, dann bist Du hier genau richtig. Steig direkt mit dem Video ins Thema ein.
Perfekt einfach erklärt: Was ist es und wie wendest Du es an?
Wetten, dass Du das Perfekt schon seit Langem ziemlich problemlos benutzt? Für den Deutschunterricht willst Du nun aber vielleicht ganz genau wissen, wie das Perfekt gebildet wird und wie Du es richtig anwendest. Kein Problem – hier findest Du Übungen und Beispiele zum Perfekt, dank der Du im Unterricht glänzen kannst.
Warum das Perfekt Perfekt heißt
Wie so viele Begriffe aus der deutschen Grammatik hat auch das Wort „Perfekt“ seinen Ursprung im Lateinischen. Das Verb „perficere“ (im Partizip II „perfectum“) bedeutet „vollenden“, und genau dafür ist das Perfekt da: Wir erzählen damit von einer vollendeten, also abgeschlossenen, Handlung oder einem abgeschlossenen Ereignis. Es handelt sich also um eine der drei Zeitformen für die Vergangenheit im Deutschen: Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt.
Nun sagst Du vielleicht: Gut, aber wenn ich im Präteritum erzähle („Am Samstag regnete es.“), ist das Ereignis doch auch vorbei? Stimmt! Während andere Sprachen – zum Beispiel Latein und Französisch – zwischen Präteritum und Perfekt einen strengen Unterschied machen, gehen wir im Deutschen sehr viel lockerer mit diesen zwei Zeitformen um.
Das bedeutet:
- In der Theorie benutzen wir das Perfekt für abgeschlossene Handlungen oder Ereignisse, die noch eine Auswirkung auf die Gegenwart haben.
- In der Praxis hat es sich durchgesetzt, dass wir in der Umgangssprache fast nur das Perfekt nutzen und für formellere Anlässe das Präteritum.
Bestimmt spürst Du den Unterschied, wenn Du die folgenden beiden Beispiele vergleichst:
„Ich schrieb ihm im letzten August, danach hörte ich nichts mehr von ihm.” (Präteritum)
„Ich habe ihm letzten August geschrieben, seitdem habe ich nichts mehr gehört.” (Perfekt)
Und was ist mit dem Plusquamperfekt? Das nutzt Du für die Vorvergangenheit – wenn Du Dinge erzählst, die noch vor der Handlung im Präteritum oder Perfekt passiert sind:
„Ich war gerade nach Hause gekommen, als das Telefon klingelte.“
Das Perfekt wird auch „vollendete Gegenwart“ genannt, doch das ist eher für das Lernen von Fremdsprachen wichtig. Im Deutschen nutzen wir das Perfekt hauptsächlich für umgangssprachliche Situationen, in denen eine informelle Sprache angebracht ist.
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Die Bildung des Perfekts Schritt für Schritt
Du brauchst zwei Teile, um das Perfekt zu bilden:
- eine Form (im Präsens) der Hilfsverben haben oder sein und
- das Partizip II des Vollverbs.
Hier siehst Du die beiden Teile in Aktion:
Ich bin gestern zum Schwimmen gegangen.
Heute hat es die ganze Zeit geregnet.
Schauen wir uns zunächst die Konjugation der Hilfsverben haben und sein an.
Auf einen Blick: das Präsens von haben und sein
| Konjugation von haben | Konjugation von sein | ||
| ich | habe | ich | bin |
| du | hast | du | bist |
| er/sie/es | hat | er/sie/es | ist |
| wir | haben | wir | sind |
| ihr | habt | ihr | seid |
| sie | haben | sie | sind |
Vielleicht fragst Du jetzt schon neugierig: Woher weiß ich denn nun aber, ob ich haben oder sein nutzen muss? Gute Frage! Hier die Antwort:
- Du benutzt das Hilfsverb sein, um das Perfekt von Verben der Bewegung (laufen, schwimmen, fliegen, rennen etc.) und der Zustandsveränderung (einschlafen, aufwachen, sterben etc.) zu bilden.
- Auch die Verben bleiben, gelingen, geschehen, passieren, sein und werden bilden das Perfekt mit sein:
🡪 Es ist mir gelungen.
🡪 Wir sind zu Hause geblieben.
🡪 Ich bin in Berlin gewesen. - Für die meisten anderen Verben benutzt Du das Hilfsverb haben, um das Perfekt zu bilden. Das sind meist Verben der Handlung wie tun, schreiben, kaufen, suchen etc.
🡪 Ich habe dich gesucht.
🡪 Warum hast du mir nicht geschrieben?
🡪 Heute haben wir zwei Bücher gekauft. - Auch reflexive Verben wie sich waschen, sich anschauen, sich verändern etc. bilden das Perfekt mit haben:
🡪 Er hat sich sehr verändert.
🡪 Ich habe mich im Spiegel angeschaut.
Alles klar so weit? Als Zweites brauchst Du jetzt noch das Partizip II.
Das Partizip II bei schwachen und starken Verben
Für die Zeitform Perfekt brauchst Du das Partizip II. Hier siehst Du einige Beispiele:
- gegessen
- verstanden
- anvertraut
- ferngesehen
Um das Partizip II zu bilden, musst Du zuerst wissen, ob Du ein schwaches oder ein starkes Verb vor Dir hast:
- Schwache Verben erkennst Du daran, dass sie ihren Stammvokal (aus der Grundform oder dem Präsens) im Präteritum und auch im Partizip II behalten.
Zum Beispiel:
wandern – wanderte – gewandert
lieben – liebte – geliebt
malen – malte – gemalt - Starke Verben verändern ihren Stammvokal hingegen, und zwar entweder nur im Präteritum oder auch im Partizip II.
Zum Beispiel:
lesen – las – gelesen
finden – fand – gefunden
Es gibt auch eine Reihe von Mischformen und ganz unregelmäßigen Verben (zum Beispiel sein – war – gewesen). Die einfachste Variante lautet daher: Wenn Du das Partizip II nicht intuitiv bilden kannst, schau am besten in den Duden. Dort kannst Du jedes Verb nachschlagen und findest im Eintrag auch das Partizip II.
Einige grundlegende Regeln für die Bildung stellen wir Dir hier dennoch vor.
Das Partizip II von schwachen Verben
Bei schwachen Verben bildest Du das Partizip II, indem Du ge- vor das Verb setzt und an den Stamm entweder -t oder -et hängst:
arbeiten 🡪 ge- + arbeit + -et = gearbeitet
kaufen 🡪 ge- + kauf + -t = gekauft
Ziemlich einfach, oder?
Das Partizip II von starken Verben
Bei starken Verben gibt es mehrere Möglichkeiten.
Oft setzt Du ebenfalls die Vorsilbe ge- vor das Verb und hängst dann an den Stamm die Endung -en. Beachte außerdem, dass der Stammvokal sich verändern kann, aber nicht muss:
Stammvokal ändert sich:
schwimmen 🡪 ge- + schwomm + -en = geschwommen
Stammvokal ändert sich nicht:
halten 🡪 ge- + halt + -en = gehalten
Andere Verben stellen Mischformen dar. Sie übernehmen zur Vorsilbe ge- auch die Endung -t von den schwachen Verben, weisen aber eine Änderung des Stammvokals oder andere Besonderheiten auf:
denken 🡪 ge- + dach + -t = gedacht
Ausnahmen bei der Bildung des Partizip II
- Manche starke Verben sind untrennbar: Sie haben eine Vorsilbe, die sie auch in anderen Zeitformen nicht loslassen. Beispiel: verstehen – ich verstand – ich habe verstanden. Sie benötigen keine zusätzliche Vorsilbe wie das ge- und sehen daher im Perfekt so aus:
vergessen 🡪 vergess + -en = ich habe vergessen
- Die Modalverben müssen, können, dürfen, sollen, wollen und mögen kommen im Perfekt nicht so häufig vor. Meist sagen wir eher „ich konnte“ (im Präteritum) statt „ich habe gekonnt“ (im Perfekt). Dennoch solltest Du ihre Partizipformen kennen:
müssen 🡪 (ich habe) gemusst
können 🡪 (ich habe) gekonnt
dürfen 🡪 (ich habe) gedurft
sollen 🡪 (ich habe) gesollt
wollen 🡪 (ich habe) gewollt
mögen 🡪 (ich habe) gemocht
- Verben, die auf -ieren enden, bilden das Partizip II ohne die Vorsilbe ge-:
studieren 🡪 studier + -t = studiert
faszinieren 🡪 faszinier + t = fasziniert
All diese Besonderheiten zum Partizip II auswendig zu lernen, ist eher schwierig. Daher hier noch einmal der Tipp: Nutze im Zweifel den Duden, um das Partizip II nachzuschlagen.
Richtige Verwendung beim Perfekt leichtgemacht
Das Perfekt zu verstehen, ist nicht schwierig, denn vermutlich benutzt Du es schon häufig in deiner Alltagssprache. Wenn Du mit Familie oder Freund:innen sprichst, lockere E-Mails schreibst oder informell von einem Erlebnis erzählst, tust Du das fast immer im Perfekt.
Zum Beispiel so:
„Gestern bin ich viel zu spät aufgestanden und dann erstmal zu spät zur Schule gekommen. Dann hat es auch noch die ganze Zeit geregnet und wir mussten draußen Sport machen.“
Warte mal … da hat sich doch ein Präteritum eingeschlichen? Stimmt! Es gibt nämlich – wie immer – ein paar Ausnahmen. Die folgenden Verben benutzen wir auch in der lockeren Umgangssprache meist im Präteritum:
- haben und sein
- wissen, heißen, finden („Ich fand das komisch.“) und denken
- die Modalverben müssen, können, dürfen, sollen, wollen und mögen
Du würdest vermutlich eher sagen: „Ich wusste, er meint mich.“ als „Ich habe gewusst …“ Ein Gesetz ist das aber nicht – es ist nicht falsch, hier auch das Perfekt zu verwenden.
Anders sieht es nun aber aus, wenn wir formelle Texte schreiben oder uns auch sehr gewählt mündlich ausdrücken möchten, zum Beispiel weil wir bei der Polizei einen Bericht abgeben. Dann nutzen wir nämlich das Präteritum:
„Dann sah ich, dass der Verdächtige in Richtung Bahnhof flüchtete …“
Übrigens:
Im Englischen gibt es spezielle Signalwörter für das Perfekt, das dort dem Present Perfect entspricht. Im Deutschen ist das aber nicht so – Du darfst hier also selbst entscheiden, ob Dir das Präteritum oder das Perfekt angemessener erscheint. Lediglich für das Plusquamperfekt gibt es klare Regeln.
In der informellen Sprache kannst Du das Perfekt übrigens sogar verwenden, um eine Handlung in der Zukunft auszudrücken:
„Nächste Woche habe ich das aber bestimmt schon wieder vergessen.“
Wichtig ist dabei aber, dass eindeutig aus dem Satz hervorgeht, dass es sich um ein Ereignis in der Zukunft handelt. Hier passiert das durch den Zusatz „nächste Woche“. Ohne diesen könntest Du die Zukünftigkeit nicht erkennen:
„Das habe ich schon wieder vergessen.“
In diesem Fall müsstest Du stattdessen das Futur II benutzen:
„Das werde ich schon wieder vergessen haben.“
Mach Dich insbesondere beim Sprechen nicht verrückt. Du wirst intuitiv die richtige Zeitform auswählen. In Tests und Klassenarbeiten ist meist das Präteritum die richtige Wahl. Für eine lockere Ferienerzählung kann aber auch das Perfekt in Ordnung sein.
Übungen zum Perfekt
Übung 1 – haben oder sein?
Die Lösungen findest Du hier.
Welches Hilfsverb passt?
a) Gestern hat/ist es den ganzen Tag geregnet.
b) Wir haben/sind mitten in der Stunde eingeschlafen.
c) Da ist/hat wirklich nichts Wichtiges passiert.
d) Meine Freundin ist/hat sich eine halbe Stunde lang im Spiegel bewundert.
e) Dann sind/haben alle nach Hause gegangen.
Übung 2 – Perfekt bilden
Schreibe das Verb in der richtigen Personalform im Perfekt auf.
Beispiel:
lesen: er _________________ 🡪 Er hat geschrieben.
arbeiten: du _________________.
sehen: ihr _________________.
schwimmen: ich _________________.
geschehen: es _________________.
wandern: wir _________________.
Mit welchen Verben wird das Perfekt gebildet?
Lösungen
Übung 1 – haben oder sein?
a) hat
b) sind
c) ist
d) hat
e) sind
Satz b) enthält ein Verb der Zustandsveränderung („einschlafen“), daher brauchst Du hier eine Form von sein. Im Satz e) findest Du das Verb „gehen“ („gegangen“), also ein Verb der Bewegung, welches ebenfalls das Perfekt mit sein bildet. Im Satz c) steht das Verb „passieren“ – es gehört, wie Du gelernt hast, zu einigen wenigen Ausnahmeverben, die das Perfekt auch mit sein bilden.
Die restlichen Sätze a) und d) erfüllen diese Bedingungen nicht, sodass hier die Formen von haben korrekt sind. „sich bewundern“ aus Satz d) ist außerdem ein reflexives Verb.
Übung 2 – Perfekt bilden
Lösung:
a) Du hast gearbeitet.
b) Ihr habt gesehen.
c) Ich bin geschwommen.
d) Es ist geschehen.
e) Wir sind gewandert.