Deutsch - Innerer Monolog
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Innerer Monolog: Definition, Aufbau und Beispiele
Der innere Monolog ist eine besondere Form der Figurenrede, die direkte Einblicke in die Gefühle und Gedanken eines Charakters gewährt. Es handelt sich um eine Art gedankliches Selbstgespräch, um innere Vorgänge in der Ich-Form zu vermitteln, ohne dass andere Figuren davon etwas mitbekommen.
Einen inneren Monolog in einem literarischen Text zu erkennen, ist manchmal gar nicht so einfach, denn nicht jeder Gedanke eines Charakters ist ein Selbstgespräch. Wir zeigen dir, an welchen Merkmalen du den inneren Monolog erkennen kannst und wie ein innerer Monolog aufgebaut sein sollte.
Innerer Monolog: Merkmale
Mit dem inneren Monolog wird eine literarische Technik bezeichnet, mit der die Gedanken und Gefühle eines Charakters wiedergeben werden. Es gibt spezifische Merkmale, an denen du den inneren Monolog erkennen kannst.
Gedankliches Selbstgespräch
Monologe beschreiben in der Regel Gesprächssituationen, bei denen nur eine Person spricht. Die Gedanken und das Gesagte werden hörbar für andere mitgeteilt. Beim inneren Monolog hingegen findet das Gespräch nur in den Gedanken eines Charakters statt.
Andere Figuren oder die Außenwelt bekommen davon nichts mit.
Direkte Rede ohne Anführungszeichen
Beim inneren Monolog werden die Gedanken eines Charakters direkt wiedergeben. Obwohl sich der Charakter in der Geschichte selbst anspricht, werden keine Anführungszeichen gesetzt, wie es in Dialogen der Fall ist. Dadurch grenzt sich der innere Monolog von der gesprochenen Rede ab.
Die Gedanken können fließend wiedergegeben werden, was das Gefühl vermittelt, unmittelbar in die Gedankenwelt der Figur einzutauchen.
Keine Kommentare
In der Erzählform des inneren Monologs fehlen die Kommentare des/der Erzähler*in. Es gibt keine Erzählinstanz, die präsent ist. Auf diese Weise erhalten die Leser*innen die Möglichkeit, sich ohne äußerliche Beeinflussung mit den Gedanken und Gefühlen der Figur auseinanderzusetzen.
Innerer Monolog Beispiel: Morton Rhue „Die Welle“
Ich weiß, dass ich einen großen Fehler gemacht habe und nicht an die Konsequenzen, die dieses Experiment mit sich bringen könnte, gedacht habe … Doch was ist mit den Schülern, haben sie das gelernt, was ich beabsichtigt hatte?
Der Charakter (der Lehrer Ben Ross) führt mit seinen Schüler*innen ein Experiment durch. In diesem Beispiel spricht er sich selbst direkt mit einer Frage an. Es kommen keine Anführungszeichen vor, was den natürlichen Gedankenfluss widerspiegelt.
Dadurch können die Leser*innen die Sorgen der Figur direkt nachvollziehen.
Innerer Monolog: Themen
Auch inhaltlich gibt es Schwerpunkte, die in einem inneren Monolog häufig zum Ausdruck gebracht werden.
Ängste
Im inneren Monolog können die Sorgen und Ängste von Figuren gut dargestellt werden, da Gedanken und Gefühle direkt und authentisch beschrieben werden können.
Selbstreflexion
Im inneren Monolog richtet sich die Figur direkt an sich selbst. Dies ermöglicht eine persönliche Reflexion und fördert die Auseinandersetzung mit inneren Konflikten, da die Figur ihre eigenen Gedanken formulieren und hinterfragen muss.
Probleme und Beziehungen und Beziehungen zu anderen Menschen
Der innere Monolog eignet sich besonders gut, um zwischenmenschliche Beziehungen zu thematisieren. Probleme und innere Konflikte können verarbeitet werden.
Entscheidungsfindung und Zukunftsplanung
In einem inneren Monolog kann die Figur sich persönliche Fragen stellen, Pläne schmieden oder schwierige Entscheidungen über die eigene Zukunft treffen.
Innerer Monolog Beispiel: Arthur Schnitzler „Leutnant Gustl“
Was soll ich tun? Was soll ich tun? Ich kann doch nicht hingehen und mich entschuldigen! Das wäre ja noch schöner! Und wenn er mich verklagt? Dann ist alles aus! Dann bin ich erledigt! Dann ist mein Name ruiniert! Aber das kann er ja nicht! Das wird er ja nicht wagen! Und wenn doch? Was dann? Was dann?
Nach einer Auseinandersetzung mit einem Bäckermeister durchlebt die Figur Leutnant Gustl diesen inneren Konflikt. Das Beispiel zeigt, wie Gustl im inneren Monolog seine Ängste schildert und die möglichen Konsequenzen der Auseinandersetzung reflektiert.
Aufbau des inneren Monologs
Wenn du einen inneren Monolog schreibst, kannst du dich an diesen Hilfestellungen orientieren:
1. Ausgangssituation
Setze dich in die Geschichte oder das Ereignis hinein, das für den inneren Monolog auslösend ist. Dabei helfen diese Fragen:
- Was ist in der Geschichte passiert?
- In welcher Situation befindet sich der Charakter und was und warum fühlt er/sie auf eine bestimmte Weise?
- Welche Charakterzüge hat die Figur?
- Welches Verhältnis hat die Figur zu anderen Personen in der Geschichte?
- Wie könnte sich die Figur ausdrücken? Wirkt sie ängstlich oder mutig? Dann kannst du auch über die Angst oder ihren Mut sprechen.
Beispiel: Nach dem Streit mit meiner besten Freundin saß ich allein in meinem Zimmer und dachte über die Worte nach. Warum hatte ich meine Freundin nur so verletzt?
2. Schilderung der Gedanken und Gefühle
Die Gedanken und Gefühle des Charakters werden detailliert beschrieben. Konzentriere dich auf die wesentlichen und für die Situation wichtigen Aspekte. Um Tiefe zu erzeugen, kannst du dich an dem Stil des Charakters orientieren.
- Wie spricht er/sie? Werden viele Metaphern verwendet?
- Wie nimmt die Figur ihre Umgebung wahr und wie beeinflusst diese ihre Gedanken und Gefühle?
- Welche Handlungen oder Entscheidungen werden von der Figur hinterfragt?
Beispiel: Ich wollte nicht, dass meine Freundin mich falsch versteht … Jetzt ist unsere Freundschaft kaputt und ich fühle mich schuldig. Aber auch wütend! Warum ist sie immer nur so stur?
3. Schlussfolgerung
Zuletzt wird eine Schlussfolgerung gezogen oder die Veränderung in den Gedanken oder Gefühlen des Charakters aufgezeigt.
- Was nimmt er/sie aus dem gedanklichen Selbstgespräch mit?
- Wurde eine bestimmte Entscheidung, ein Plan oder eine Erkenntnis getroffen?
- Welche Hoffnungen und Befürchtungen bestehen weiterhin?
Beispiel: Oder hätte ich vielleicht einfach ruhig bleiben sollen? Ich muss mich bei ihr entschuldigen. Das ist die einzige Möglichkeit, damit wir unsere Freundschaft retten können. Ob sie mir verzeiht?
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Form eines inneren Monologs
Ich-Form
Um die unmittelbaren Gefühle einer Person wiederzugeben, wird beim inneren Monolog die Ich-Form verwendet. Dies ermöglicht eine authentische Wiedergabe der Gedanken. Die subjektive Sichtweise erzeugt zugleich Intimität, da sie direkt eine Verbindung zwischen der Figur und den Leser*innen herstellt.
Beispiel: Ich frage mich, ob ich das Richtige getan habe. Warum habe ich meine Freundin nur so verletzt?
Gefühle im Präsens
Die Formulierung von Gedanken und Gefühlen geschieht in der 1. und 2. Person Präsens (Gegenwart). Die Verben bleiben in ihrer Grundform. Wird über Erinnerungen oder Ereignisse aus der Vergangenheit gesprochen, erfolgt die Gedankenwiedergabe im Präteritum (1. Vergangenheit).
Beispiel: Ich erinnere mich, wie meine Freundin und ich uns gestern gestritten haben. Ich hatte nur zu ihr gesagt, dass ich ihren neuen Freund nicht mag. Sie hatte sich sofort angegriffen gefühlt. Ich wollte doch nur ehrlich sein.
Stilmittel und Formulierungen
Um die innere Welt einer Figur lebendig und nachvollziehbar zu beschreiben, gibt es einige wichtige Stilmittel und Formulierungen, die du beim Schreiben anwenden kannst:
Unvollständige Sätze und Gedankensprünge
Um den natürlichen Gedankenfluss nachzuahmen, werden oft unvollständige Sätze verwendet. Zudem hat der innere Monolog keine Gliederung, denn die Gedanken „fliegen“ ungefiltert durcheinander oder bauen aufeinander auf. Gedankensprünge und unvollständige Sätze sind daher für den inneren Monolog typisch.
Beispiel: Ich fühle mich schuldig. Ich wollte doch nicht … Meine Freundin hat mich falsch verstanden! Oder bin ich zu empfindlich? Wenn ich doch nur …
Rhetorische Fragen
Rhetorische Fragen kommen im inneren Monolog oft vor. Sie helfen dabei, Unsicherheit oder den inneren Konflikt einer Figur wiederzugeben.
Beispiel: Ich fühle mich schuldig. Was habe ich mir nur gedacht, meiner Freundin das zu sagen? Vielleicht bin ich zu voreilig gewesen. Aber was soll ich tun?
Verwendung von Satzzeichen
Um den Gedankenfluss und die Emotionen einer Figur wiederzugeben, werden Satzzeichen wie Gedankenstriche, Fragezeichen oder Ausrufezeichen verwendet.
| Fragezeichen (?): | Kennzeichnen Fragen, die sich die Figur stellt. |
| Ausrufezeichen (!): | Verleihen Emotionen und Gedanken (Wut, Überraschung, Angst) Ausdruck. |
| Bindestriche (–): | Werden zum Beispiel für Gedankenpausen oder unvollständige Gedanken genutzt. |
| Ellipsen (…): | Markieren Pausen, unvollständige Gedanken oder den Übergang zu einem neuen Gedanken. |
Beispiel: Gestern … der Streit mit meiner Freundin. Warum habe ich das gesagt? Ich wollte doch nur – es macht keinen Sinn.
Beispiel aus der Literatur
Der innere Monolog kommt in vielen bekannten Büchern vor, wie etwa in dem Roman „Homo faber“ von Max Frisch:
Der Protagonist Walter Faber führt während einer kritischen Situation (einer Notlandung mit einem Flugzeug in der Wüste) einen inneren Monolog:
Ich kann mir keinen Unsinn einbilden, bloß um etwas zu erleben. Ich sehe den Sand-Horizont … und ich sehe nicht ein, wieso dort, Richtung Tampico, das Jenseits beginnen soll … Ich weigere mich, Angst zu haben aus bloßer Fantasie.
Der innere Monolog ist in der Ich-Form verfasst und gibt die Gedanken des Charakters wieder. Faber reflektiert seine eigene Situation und den Kampf gegen seine Ängste.
Der innere Monolog enthält zudem viele unvollständige Sätze, was die stressvolle Situation realistischer erscheinen lässt. Max Frisch setzt die Technik gezielt ein, um die Komplexität der menschlichen Psyche zu unterstreichen.
Zusammenfassung
Definition und Merkmale
- Der innere Monolog ist eine besondere Form der Figurenrede, die direkte Einblicke in die Gefühle und Gedanken eines Charakters gewährt.
- Innere Vorgänge werden in der Ich-Form vermittelt, ohne dass andere Figuren oder die Außenwelt etwas davon mitbekommen.
- Es werden keine Anführungszeichen gesetzt, wie es in Dialogen der Fall ist.
- In der Erzählform des inneren Monologs fehlen die Kommentare des/der Erzähler*in. Es gibt keine Erzählinstanz, die präsent ist.
- Die Erzähltechnik eignet sich besonders gut dafür, den Leser*innen persönliche Gedanken, Gefühle, Sorgen, Zweifel oder andere Entscheidungsprozesse einer Figur näher zu bringen.
Aufbau
- Ausgangssituation: Setze dich in die Geschichte oder das Ereignis hinein, das für den inneren Monolog auslösend ist.
- Schilderung der Gedanken und Gefühle: Die Gedanken und Gefühle des Charakters werden detailliert beschrieben.
- Schlussfolgerung: Zuletzt wird eine Schlussfolgerung gezogen oder die Veränderung in den Gedanken oder Gefühlen des Charakters aufgezeigt.
Form
- Ich-Form
- Ermöglicht eine authentische Wiedergabe der Gedanken.
- Gefühle im Präsens
Die Formulierung von Gedanken und Gefühlen geschieht der 1. und 2. Person Präsens (Gegenwart). Wird über Erinnerungen oder Ereignisse aus der Vergangenheit gesprochen, erfolgt die Gedankenwiedergabe im Präteritum (1. Vergangenheit). - Stilmittel und Formulierungen:
- Unvollständige Sätze und Gedankensprünge
Um den natürlichen Gedankenfluss nachzuahmen, werden oft unvollständige Sätze verwendet. Zudem hat der innere Monolog keine Gliederung, denn die Gedanken „fliegen“ ungefiltert durcheinander oder bauen aufeinander auf. - Rhetorische Fragen
Rhetorische Fragen helfen dabei, Unsicherheit oder den inneren Konflikt einer Figur wiederzugeben. - Verwendung von Satzzeichen
Um den Gedankenfluss und Emotionen einer Figur wiederzugeben, werden Satzzeichen wie Gedankenstriche, Fragezeichen oder Ausrufezeichen verwendet.
- Unvollständige Sätze und Gedankensprünge
Was ist ein innerer Monolog?