Deutsch – Substantivierte Verben
Wenn du wissen willst, wie man substantivierte Verben erkennt und bestimmt, dann bist du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.
Substantivierte Verben: Erklärung, Beispiele & Übungen
Die deutsche Sprache bietet die wunderbare Möglichkeit, mit einem kleinen Trick aus einem Verb ein Substantiv zu bilden. So wird aus „lernen” (Verb) ein „das Lernen” (Substantiv) oder aus „arbeiten” ein „das Arbeiten”. Diese Wandelung begegnet dir immer wieder, sei es im täglichen Sprachgebrauch, vor allem aber auch in Texten. Hier verraten wir dir alles, was du über sogenannte „substantivierte Verben” wissen musst. Vor allem: die wichtigsten Signalwörter für Substantivierungen. Keine Sorge: Besonders kniffelig ist das zumeist nicht. Im Prinzip musst du nur den Artikel „das” vor den Infinitiv (also die Grundform) des Verbs setzen. Das ist nun natürlich verkürzt, hilft dir aber für das grundsätzliche Verständnis. Im Folgenden erfährst du detailliert, wie du die Substantivierung von Verben fehlerfrei durchführst.
Substantivierte Verben: Was sind nominalisierte Verben?
Es ist möglich, dass deine Lehrerinnen oder Lehrer im Unterricht auch über „nominalisierte Verben” sprechen. „Nomen” steht hier als Synonym für „Substantiv”, also als Wort mit gleicher Bedeutung. Vielleicht erinnerst du dich noch an den Beginn deiner Schulzeit. Damals hast du als erstes den Begriff „Nomen” für ein sogenanntes Hauptwort (oder auch Sachwort) gelernt – und erst später dann „Substantiv”. Wenn du also zu Regeln der Nominalisierung befragt wirst, dann sind diese identisch zu den Regeln der Substantivierung.
Bildung von substantivierten Verben: Beispiele und Erklärungen
Du hast ja jetzt schon gelernt, dass die Wandlung von Verben in Substantive durch den Artikel „das” recht leicht ist. Du musst sie nur großschreiben – und sie stehen immer im Singular. Hier einige Beispiele für substantivierte Verben und die konkrete Anwendung:
Verb: laufen - Ich laufe gerne und viel.
Substantiviertes Verb: das Laufen - Ich liebe das Laufen am Morgen.
Verb: malen - Wir malen zusammen jeden Tag.
Substantiviertes Verb: das Malen - Das Malen bereitet uns jeden Tag viel Spaß.
Verb: kochen - Sie kochen für das Abendessen.
Substantiviertes Verb: das Kochen - Ihr Hobby ist das Kochen am Abend.
Verb: putzen - Wir putzen zweimal die Woche.
Substantiviertes Verb: das Putzen - Zweimal in der Woche ist das Putzen Pflicht.
Verb: lachen - Lass uns doch mal wieder lachen.
Substantiviertes Verb: das Lachen - Das Lachen ist bei uns selten geworden.
Verb: suchen - Ich suche nach einem Job.
Substantiviertes Verb: das Suchen - Das Suchen nach Arbeit ist schwer geworden.
Verb: arbeiten - Wir arbeiten den ganzen Tag.
Substantiviertes Verb: das Arbeiten - In Team ist das Arbeiten immer effektiver.
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Erkennung von substantivierten Verben
Gehen wir nun ein bisschen in die Tiefe des Themas – du wirst merken, dass auch Verben bei der Substantivierung ihre Tücken haben. In diesem Kapitel helfen wir dir, substantivierte Verben zu erkennen. Es gibt eine Vielzahl an Signalwörtern, die dir das Finden (ja, auch das ist ein substantiviertes Verb) ermöglichen.
Substantivierte Verben mit Artikel
Der Artikel „das” ist die verlässlichste Angabe über die Substantivierung eines Verbs. Doch auch „dieses” oder „ein” verrät dir mit Sicherheit, dass ein Verb großgeschrieben werden muss.
- Das Lachen ist der wichtigste Aspekt der Comedy.
- Dieses Lachen ist doch absolut unglaubwürdig.
- Ein Lachen lässt alle Sorgen vergehen.
- Das Essen ist das Wichtigste am Tag.
- Dieses Essen schmeckt doch großartig
- Ein Essen hat uns nähergebracht.
- Das Rauschen ist ständig in meinem Ohr.
- Dieses Rauschen erinnert mich an den letzten Besuch am Meer.
- Ein Rauschen kündigt die nächste Welle an.
Substantivierung: Präpositionen (zum, beim) mit Verben
Nun mal zur Frage, ob sich Verben nach einem „zum” ebenfalls zum Substantiv wandeln. Die Antwort ist ein deutliches „Ja”. Denn „zum” ist eine Zusammensetzung (beziehungsweise eine Verkürzung) von Präposition und Artikel: „zu” und „dem”. Das gleiche gilt natürlich auch für „beim” („bei” und „dem”), „vom” („von” und dem”) oder „im” („in” und „dem”). Etwas anders verhält es sich bei Präpositionen wie „ohne” und „durch”. Hier entfällt der Artikel zwar vollständig, könnte aber grammatikalisch korrekt mit einen „das” hinzugefügt werden.
Hier die Beispiele:
Verb: rasieren
Substantiviertes Verb: Beim Rasieren habe ich mich geschnitten.
Verb: warten
Substantiviertes Verb: Vom Warten bekomme ich immer schlechte Laune.
Verb: reisen
Substantiviertes Verb: Beim Reisen geht es mir wirklich immer gut.
Verb: fliegen
Substantiviertes Verb: Vom Fliegen wird mir schlecht.
Verb: arbeiten
Substantiviertes Verb: Ohne Arbeiten kann ich nicht leben.
Verb: warten
Substantiviertes Verb: Durch Warten habe ich mehr Demut gelernt.
Wenn es keinen Artikel bei der Präposition gibt – beispielsweise bei „zu” – dann wird das Verb nicht substantiviert. Es bleibt ein Verb. Beispiel: Zum Fliegen braucht man einen Reisepass. Beim „zu” lautet der Satz dann korrekt: „Zu fliegen ist für mich immer eine Freude.”
Substantivierung: Pronomen (mein, dein, dieses) mit Verben
Wenn du auf Fürwörter – also auf sogenannte Pronomen – stößt, dann tritt auch wieder die Regelung der Substantivierung ein. Possessivpronomen (mein, dein, ihr) und Demonstrativpronomen (dieses, jenes, welches) klären gesichert über die Großschreibung eines Verbs auf.
Possessivpronomen
- Mein Lachen war noch im nächsten Raum zu hören.
- Dein Arbeiten wird von allen Team-Mitgliedern geschätzt.
- Ihr Suchen ist noch längst nicht am Ende.
Demonstrativpronomen
- Dieses Warten kostet mich den letzten Nerv.
- Dein Essen ist wirklich köstlich.
- Ihr Reisen gehört zu ihrem Leben.
Wenn du dich hinterfragst, ob ein Pronomen zu einer Substantivierung führt, dann ersetze es doch einfach durch ein „das”. „Artikelprobe” wird das in der Fachsprache genannt. Wenn der Satz weiterhin richtig ist, dann muss das Verb großgeschrieben werden.
Substantivierte Verben mit Adjektiven
Konntest du dir mit der Artikelprobe bislang immer die Substantivierung ableiten, machen es Adjektive oder Adverbien nicht immer ganz so leicht. Hier eine Erklärung am Wort „essen”. Substantiviert wäre es „das Essen”. Aber was passiert bei: „Leckeres ESSEN ist gut für die Laune” oder „Lecker ESSEN ist gut für die Laune”. Du musst nun entscheiden, ob das Wort „lecker” als Adjektiv oder als Adverb genutzt wird. Denn eine Substantivierung findet nur nach einem Adjektiv statt. Die Antwort ist: Adjektive werden an das zu substantivierende Verb angeglichen. Die Endungen „-es”, „-en” oder „-em” sagen dir, ob das Verb zum Substantiv wird. Am zuvor erwähnten Beispiel bedeutet das: Es kommt ein „leckeres” vor – und damit muss Essen großgeschrieben werden.
Weitere Beispiele:
Verb: schreien
Adjektiv: lautes Schreien
Averb: laut schreien
Verb: handeln
Adjektiv: schnelles Handeln
Adverb: schnell handeln
Verb: singen
Adjektiv: schönes Singen
Adverb: schön singen
Verb: putzen
Adjektiv: akribisches Putzen
Adverb: akribisch putzen
Verb: lesen
Adjektiv: schnelles Lesen
Adverb: schnell lesen
Mehrteilige Verben substantivieren
Stell dir vor, zu einem substantivierten Verb kommt noch ein weiteres Wort hinzu. Fangen wir erstmal beim Beispiel mit zwei zusammenstehenden Worten an.
Beispiel: verliebt sein. Hier steht oft die Frage, wie diese Koppelworte in der Substantivierung geschrieben werden. Als Faustregel gilt: Wenn die Kombination kurz und übersichtlich ist, dann werden die Worte zusammengeschrieben: das Verliebtsein.
Hier einige weitere Beispiel:
Verb aus zwei Worten: dabei sein
Substantiviertes Verb: das Dabeisein
Verb aus zwei Worten: mit kochen
Substantiviertes Verb: das Mitkochen
Verb aus zwei Worten: laufen gehen
Substantiviertes Verb: das Laufengehen
Verb aus zwei Worten: baden gehen
Substantiviertes Verb: das Badengehen
Verb aus zwei Worten: stecken bleiben
Substantiviertes Verb: das Steckenbleiben
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, dass mehr als zwei Wörter zusammenstehen. Zum Beispiel bei der Formulierung „kein Blatt vor den Mund nehmen”. Hier muss die korrekte Substantivierung dann mit Koppelstrichen durchgeführt werden: „Politiker sollten das „Kein-Blatt-vor-den-Mund-Nehmen” als Vorbild leben.” Zugegeben kein leichter Satz. Hier nun einige weitere Beispiele. Wie zuvor werden alle Verben in der Formulierung großgeschrieben:
Verb aus mehreren Worten: Stein und Bein schwören
Substantiviertes Verb: das Stein-und-Bein-Schwören
Verb aus mehreren Worten: durch die Blume sagen
Substantiviertes Verb: das Durch-die-Blume-Sagen
Verb aus mehreren Worten: um den heißen Brei herum reden
Substantiviertes Verb: das Um-den-heißen-Brei-herum-Reden
Verb aus mehreren Worten: sich gehen lassen
Substantiviertes Verb: das Sich-gehen-Lassen
Verb aus mehreren Worten: wir müssen draußen bleiben
Substantiviertes Verb: das Wir-müssen-draußen-Bleiben
Sonderfall Nominalisierung von Verben
1. Indefinitpronomen
Indefinitpronomen (nichts, etwas, alles) sind eine Ausnahme in der deutschen Grammatik – und eine Herausforderung. Denn: Dieses spezielle Pronomen gibt nicht zwangsläufig Auskunft darüber, ob ein Verb großgeschrieben wird. Hier ein kleiner Tipp, wie du zuverlässig die Antwort findest: Wenn der Infinitiv (also die Grundform) des Verbs Teil einer Frage sein kann, dann bleibt er ein Verb und wird folglich auch kleingeschrieben. Sollte der Infinitiv in der Fragestellung jedoch keinen Sinn ergeben, handelt es sich doch wieder um eine Substantivierung. Das klingt doch eher kompliziert, erklärt sich aber durch die Beispiele:
Beispiel 1:
Sie muss sich um alles kümmern.
Die Fragestellung lautet dann:
Um was muss sie sich kümmern?
Die Antwort:
alles
Die Probe stellt klar: Das Verb kann auch Teil einer Frage sein.
Beispiel 2
Dann ist alles Lernen vergebens?
Die Fragestellung lautet dann:
Was ist vergebens?
Die Antwort:
alles Lernen
Die Probe stellt klar: Das Verb kann nicht Teil einer Frage sein.
2. Infinitivkonstruktion oder Substantivierung
Jetzt wird es am Schluss doch noch etwas knifflig. Es gibt Fälle, da musst du sehr genau hinschauen und verschiedene Proben durchführen. Dabei wirst du feststellen, dass es tatsächlich zwei Möglichkeiten gibt. Nehmen wir folgendes Beispiel
Doch REITEN gefällt dir besser als SCHWIMMEN.
Hier steht weder eine Präposition, ein Pronomen noch ein Artikel. Was also tun?
Tatsächlich ist es dir überlassen, wie du dich entscheidest. Du kannst die Satz-Konstruktion um ein „dein” oder „das” erweitern. Dann würde es heißen „Doch das/dein Reiten gefällt dir besser als das/dein Schwimmen”. Im Ergebnis handelt sich hier um zwei substantivierte Verben.
Möglich ist aber auch das Hinzufügen von Adverben. „Doch langes reiten gefällt dir besser als schwimmen.” Dann bleiben die Verben was sie sind: Verben.
Zusammengefasst bedeutet das: Finden sich in einem Satz zwei Verben und bei einem davon entdeckst du einen Hinweis auf Groß- oder Kleinschreibung, dann schreibst du beide Verben gleich: entweder groß oder klein.
3. Substantivierung durch Wandlung des Wortstamms
Substantivierung wird auch durch die Wandlung des Wortstamms mit dem Hinzufügen einer Nachsilbe (Suffix genannt) wie „-ung”, „-ling” oder „-nis” und „-erei” möglich. Das sind die am häufigsten verwendeten. Am besten wird das durch konkrete Beispiele veranschaulicht:
Er meint, dass er mit seiner Geschichte die Tatsachen geschildert hat.
Er ist der Meinung, dass er mit seiner Geschichte die Tatsachen geschildert hat.
Durch die Nachsilbe -ung wurde aus dem Verb „meinen” das Nomen „Meinung”
Sie malt, weil es ihr richtig Spaß macht.
Sie hat die Malerei für sich entdeckt, weil es ihr richtig Spaß macht.
Durch die Nachsilbe -erei wurde aus dem Verb „malen” das Nomen „Malerei”
Er bekennt, dass er falsch gehandelt hat.
Er hat das Bekenntnis abgegeben, dass er falsch gehandelt hat.
Durch die Nachsilbe -nis wurde aus dem Verb „bekennen” das Nomen „Bekenntnis”
Zusammenfassung
Du hast jetzt alle Fakten zu substantivierten Verben in der deutschen Sprache erfahren. Zumeist ist es recht leicht zu erkennen, ob ein Verb zum Substantiv wird. Wenn du die Artikel „das”, „dieses” oder „ein” vorsetzen kannst, bist du immer auf der sicheren Seite. Dann wird das Verb großgeschrieben. Gleiches gilt bei Präpositionen (beim, vom, ohne, durch), Possessivpronomen (mein, dein, ihr) und Demonstrativpronomen (dieses, jenes, welches). Zudem musst du wissen, ob du ein Adjektiv oder ein Adverb im Satzbau verwenden wirst. Doch es gibt auch einige Sonderformen – da hilft am Ende nur das Auswendiglernen.
Im täglichen Sprachgebrauch kommen Substantivierungen eher selten vor. Sie lähmen den Sprachfluss, wirken oft auf das Gegenüber so, als würde man einen Text vorlesen. Doch auch in Texten führen Substantivierungen dazu, dass das geschriebene Wort unpersönlich und passiv wirkt. Verben geben Inhalten deutlich mehr Lebendigkeit.
Teste dein Wissen
Nur ein Satz ist grammatikalisch korrekt. Welcher ist es?