Deutsch: Erich Kästner
Wenn Du alles über Erich Kästner wissen willst, dann bist Du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.
Erich Kästner: Literatur aus zwei gegensätzlichen Welten
Erich Kästner kennst Du wahrscheinlich hauptsächlich als Kinderbuchautor. Aus seiner Feder stammen zum Beispiel die Bücher „Emil und die Detektive“ und „Das doppelte Lottchen“. Erich Kästner hat aber nicht nur Literatur für Kinder, sondern auch für Erwachsene geschrieben – und die sieht ganz anders aus als seine Geschichten für die jüngere Generation. Er war Schriftsteller, Drehbuchautor und schrieb für das Kabarett, diverse Zeitungen und andere Publikationen.
Außerdem hat Erich Kästner ein spannendes Leben gehabt und – unter anderem – Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet. 1933 wurden sogar seine Bücher verbrannt. Tauche mit uns ein in seine zwei Welten, die sich stärker kaum unterscheiden könnten.
So hat Erich Kästner gelebt: seine Biografie und sein Steckbrief
Der Einfluss von Kästner auf die Literatur war so groß, dass Du heute ganze Bücher und Biografien über ihn lesen kannst. Eine komplette Biografie von Erich Kästner brauchst Du für den Deutschunterricht nicht, aber wir stellen Dir hier die wichtigsten Stationen seines Lebens vor.
Der junge Erich: einfach aufgewachsen und eng mit seiner Mutter verbunden
Erich Kästner, geboren am 23. Februar 1899 in Dresden, wuchs als Einzelkind in recht einfachen Verhältnissen auf. Von Beginn an und für den größten Teil seines Lebens hatte er ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter, die sich auch in mehreren seiner Werke widerspiegelt. Während seine Mutter als Dienstmädchen und Friseurin tätig war, arbeitete Kästners Vater als Sattlermeister.
Nach der Schule begann Erich Kästner eine Ausbildung zum Volksschullehrer, die er aber abbrach. Schon 1917 – mitten im Ersten Weltkrieg – wurde er zum Militärdienst eingezogen. Da war er gerade einmal 17 Jahre alt und hatte bereits erlebt, wie Jungen in den Klassen über ihm im Krieg gestorben waren. Er selbst erlebte im Krieg eine brutale Behandlung, die ihn tief prägte und in ihm eine große Wut auf den Krieg und das Militär entfachte. Viele seiner späteren Werke behandeln dieses Thema, und sicher waren seine Erlebnisse auch der Grund dafür, dass er zum Pazifisten wurde.
Nach dem Krieg: Studium und erste Versuche als Autor
Nach dem Ersten Weltkrieg begann Erich Kästner ein Studium in Leipzig. Seine Studienfächer waren Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaften. Da er sich zu seinem Studium etwas hinzuverdienen musste, arbeitete er unter anderem als Parfümverkäufer und in anderen Nebenjobs. Außerdem begann er, als Journalist und Theaterkritiker für die Neue Leipziger Zeitung zu schreiben. 1925 promovierte er sogar und wurde damit zum Doktor der Philosophie.
Erich Kästner fiel sein Leben lang wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der Gesellschaft und der Politik auf. Das brachte ihn mehrfach in Schwierigkeiten. 1927 erhielt er für ein freizügiges Gedicht die Kündigung von der Neuen Leipziger Zeitung – was ihn aber nicht davon abhielt, nach seinem Umzug nach Berlin unter einem Pseudonym weiterhin für die Zeitung zu schreiben.
Erich Kästners erste Werke als Autor für Kinder
Kinderbücher wollte Erich Kästner ursprünglich nicht schreiben – und doch sind sie heute die bekanntesten Werke Kästners. Den Grundstein dafür legte er 1926. Ab diesem Jahr erschienen nämlich Rätsel, Gedichte und kleine Geschichten für Kinder in der Zeitschrift Beyers für alle, von denen die Forschung sich heute sicher ist, dass die meisten von Erich Kästner stammen. Veröffentlicht wurden sie wieder unter Pseudonymen, nämlich unter „Klaus“ und „Kläre“.
Es war die Verlegerin Edith Jacobsohn, die Erich Kästner dazu drängte, sich Kinderbüchern zu widmen. Auf ihr Anraten hin soll Kästner die ersten Kapitel für „Das fliegende Klassenzimmer“ geschrieben haben.
Testen Sie den Testsieger*
- Flexibler Einsatz der 10 gratis Nachhilfestunden, z. B. vor Klassenarbeiten
- Individuelle Profi-Nachhilfe vor Ort oder online
- Für alle Klassenstufen und Schulformen
- 94 % Kundenzufriedenheit*
Der Weg bis zur Bücherverbrennung 1933
Ein wichtiger Teil von Kästners Werken entstand in der Zeit der Weimarer Republik, also in der Zeit von 1919 bis 1933. Besonders produktiv war Kästner hier als Mitarbeiter für verschiedene Tageszeitungen (z. B. das Berliner Tageblatt und Die Weltbühne). Mehr als 350 Artikel hat er verfasst, außerdem schrieb er als Werbetexter und Theaterautor. Mehrere seiner bekanntesten Werke entstanden in dieser Zeit.
Doch dann kam 1933 die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – und Kästners Werke standen auf der Liste der Literatur „wider den deutschen Geist“. So wurden sie in Deutschland verboten und verbrannt. Kästner selbst war bei der Bücherverbrennung anwesend: Er wollte auf stille Weise seinen Widerstand zum Ausdruck bringen.
Erich Kästners heimliches Kriegstagebuch
Erich Kästners Werke für Erwachsene gehören zum großen Teil der „Neuen Sachlichkeit“ an. Diese literarische Epoche hatte es sich zum Ziel gemacht, die Dinge darzustellen, „wie sie sind“: sachlich, echt, unbeschönigt und daher auch nicht unbedingt positiv. Diese Art zu schreiben setzte Kästner auch nach der Machtübernahme 1933 fort. Er wollte als eine Art Chronist die Zeit des Nationalsozialismus und das Tagesgeschehen in Deutschland festhalten.
Deshalb verließ Erich Kästner Deutschland nicht, wie viele andere Autor:innen und Künstler:innen es taten. Leicht war das nicht, denn er musste seine Aufzeichnungen verstecken, bei jedem Bombenalarm mit sich tragen, und außerdem wurde ihm ein Schreibverbot ausgesprochen. Sogar von der Gestapo wurde er ein paar Mal verhört.
Doch wieder gelang Erich Kästner, teilweise mit einer Ausnahmegenehmigung, unter Pseudonym die Veröffentlichung weiterer Schriften. So entstanden zum Beispiel „Das lebenslängliche Kind“ (später als Buch und Film „Drei Männer im Schnee“) und das Drehbuch zu „Münchhausen“, das 1943 als Kinofilm präsentiert wurde. 1944 wurde Erich Kästners Wohnung von Bomben getroffen und brannte komplett aus – viele seiner Schriften gingen dadurch verloren.
Die „Neue Sachlichkeit“ ist eine literarische Epoche zwischen 1919 und 1933 (Zeit der Weimarer Republik). Sie legt den Fokus darauf, das Weltgeschehen nüchtern, frei von Illusionen und echt wiederzugeben. Gesellschaft und Technik, aber auch Erotik und die Weltwirtschaftskrise stehen im Vordergrund. Die Autoren wollten die Alltagssorgen der Menschen authentisch zeigen und dadurch auch Menschen wachrütteln, auf Missstände aufmerksam machen und die Gesellschaft positiv verändern.
So ging es für Erich Kästner nach dem Zweiten Weltkrieg weiter
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs machte sich Erich Kästner unter Vorwand mit anderen Mitgliedern des Filmteams auf nach Österreich, um sich in Sicherheit zu bringen. Kurz darauf endete der Krieg und Erich Kästner zog nach München. Nun durfte er wieder schreiben und veröffentlichen und tat das fleißig: Er schrieb für die Neue Zeitung, war Herausgeber einer Kinder- und Jugendzeitschrift, widmete sich dem Kabarett, arbeitete als Dramatiker und Dichter und war für den Hörfunk tätig.
Sein Fokus lag darauf, die Realität des Krieges aufzuzeigen, Menschen dafür zu sensibilisieren und außerdem die Pressefreiheit zu schützen. Doch Kästners Ansicht nach hatten die Menschen den Krieg allzu bald vergessen – was ihn sehr frustrierte und deprimierte. So wandte er sich dem Alkohol zu und wurde mit der Zeit immer verbitterter. Bekannt war und blieb er trotz all seiner vielen Schriften vor allem für seine Kinderbücher.
Erich Kästners Familie und sein Tod
Am 29. Juli 1974 starb Erich Kästner in München an Krebs. Seine längste weibliche Bekanntschaft während seines Lebens war Luiselotte Enderle, Journalistin und Autorin und lange Zeit seine Kollegin und Mitarbeiterin. Fast vier Jahrzehnte lang kannten sie einander. Verheiratet waren sie nie, dennoch war sie eine Lebensgefährtin für ihn. Erich Kästner wählte sie als Vorbild für die Figur der Mutter in „Das doppelte Lottchen“.
Zusätzlich pflegte Erich Kästner weitere Partnerschaften. Aus einer ging ein Sohn hervor, Thomas, der 1957 geboren wurde. Für ihn schrieb Erich Kästner später zwei Kinderbücher: „Der kleine Mann“ und „Der kleine Mann und die kleine Miss“.
Erich Kästners Steckbrief im Überblick
- bekannter Schriftsteller, Dichter, Publizist und Drehbuchautor in Deutschland
- geboren 1899 in Dresden und gestorben 1974 in München
- Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaften
- literarischer Durchbruch mit dem Kinderbuch „Emil und die Detektive“
- Werke wurden während des Nationalsozialismus verboten und verbrannt
- mehrfach verhaftet, aber dennoch weiterhin in Deutschland wohnhaft
- bekannt für Kinderbücher wie „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ und „Das fliegende Klassenzimmer“, aber auch Romane für Erwachsene wie „Fabian“ sowie mehrere Gedichtbände und viele Schriften
- nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin publizistisch und schriftstellerisch tätig, mit erkennbaren pazifistischen und antimilitärischen Haltungen
Die wichtigsten Werke von Erich Kästner
Erich Kästner hat unterschiedliche Arten von Werken und Schriften verfasst:
- Kinderbücher
- Artikel, Essays, Kritiken und mehr in Zeitungen, Zeitschriften etc.
- Drehbücher
- Gedichte
- Romane für Erwachsene
Am bekanntesten ist er heute für seine Kinderbücher, aber auch seine Romane werden noch oft gelesen.
Erich Kästners Kinderbücher
Wir listen dir hier nicht alle von Kästners Kinderbücher auf, sondern stellen dir ein paar vor, die du unbedingt kennen solltest:
- Emil und die Detektive (1929): Vermutlich Kästners berühmtestes Werk und das, das ihm zum Durchbruch verhalf. Das Buch handelt von dem 12-jährigen Emil, dem auf der Fahrt nach Berlin sein Geld gestohlen wird. Daraufhin tut sich Emil mit einer Gruppe anderer Kinder zusammen, und die kleinen Detektive stellen gemeinsam einen gesuchten Bankräuber. Das Buch wurde allein in Deutschland über zwei Millionen Mal verkauft und in rund 60 Sprachen übersetzt.
- Pünktchen und Anton (1931): Das Mädchen Luise aus gutem Hause trifft auf Anton, der mit seiner kranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen lebt und neben der Schule bereits arbeiten muss. Die beiden werden gute Freude, werden zusammen in einen Einbruch verwickelt und finden am Ende eine gute Lösung für beide – die auch die Erwachsenen stark beeinflusst.
- Das fliegende Klassenzimmer (1933): Erich Kästner tritt in diesem Buch selbst in einer Rahmenhandlung auf: Er will eine Geschichte über einen Gymnasiasten schreiben, der gemeinsam mit anderen Internatsschülern ein Theaterstück während der Weihnachtszeit probt – und dabei eine Menge Zivilcourage zeigen muss.
- Das doppelte Lottchen (1949): Luise und Lotte, Mädchen aus unterschiedlichen Orten, treffen in einem Ferienlager zusammen. Sie finden heraus, dass sie Zwillinge sind, die durch die Trennung ihrer Eltern ebenfalls getrennt wurden. Daraufhin tauschen sie die Rollen – fahren anstelle der jeweils anderen in den falschen Haushalt zurück – und bringen dadurch schließlich ihre Eltern zur Vernunft.
Kästners Romane und Gedichte für Erwachsene
Eines von Kästners bekanntesten Werken ist „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten.“ Der arbeitslose Germanist Jakob Fabian schlägt sich in Berlin am Ende der Weimarer Republik durch. In diesem Roman hält Erich Kästner, dem Fokus der Neuen Sachlichkeit folgend, das Zeitgeschehen in Berlin realistisch und greifbar fest.
Auch Kästners „Drei Männer im Schnee. Eine Erzählung“ ist sehr bekannt geworden. Sie handelt von der Freundschaft zwischen dem Millionär Tobler, der sich als armer Schlucker ausgibt, und dem Werbefachmann Hagedorn, der fälschlicherweise für einen reichen Mann gehalten wird. Die beiden begegnen einander in einem Hotel, wo es zu vielen Verwechslungen kommt – und eine unterhaltsame Komödie voller Missverständnisse entspinnt sich.
Außerdem sind von Kästner mehrere Gedichtbände erschienen, darunter:
- „Herz auf Taille” (1928)
- „Lärm im Spiegel” (1929)
- „Ein Mann gibt Auskunft” (1930)
- „Gesang zwischen den Stühlen” (1932)
Kästners Einfluss auf die Literatur
Erich Kästner hat die deutsche Literatur auf mehrere Arten geprägt. Dass die Bedeutung von Kästner für Schüler und Schülerinnen auch heute noch so groß ist, dass seine Werke im Deutschunterricht gelesen werden, liegt unter anderem an folgenden Aspekten:
- Kinderliteratur: Erich Kästner hat die Kinderliteratur beinahe schon revolutioniert. Er schrieb einfach, alltagsnah und vor allem aus Sicht der Kinder, die sich oft vernünftiger verhalten als seine erwachsenen Figuren. Mut, Freundschaft und soziale Gerechtigkeit sind wichtige Themen in seinen Werken.
- Neue Sachlichkeit: In seinen Werken für Erwachsene hat Erich Kästner nüchtern und realistisch die Gesellschaft der Weimarer Republik dargestellt. Politische und soziale Umwälzungen und ständige Kritik an der Gesellschaft sind große Themen.
- Kritik am Nationalsozialismus: Obwohl er selbst in Gefahr war, blieb Erich Kästner während der NS-Zeit in Deutschland und veröffentlichte weiterhin kritische Werke. Erst ganz zum Ende des Zweiten Weltkriegs flüchtete er ins Ausland. Seine Erfahrungen flossen in seine Werke ein und liefern so literarisch wertvolle Einblicke in diese Zeit.
- Sprache und Stil: Erich Kästner legte Wert darauf, einfach und verständlich zu schreiben. Über seine Lyrik sagte er selbst, es sei „keine Schande, Verse zu schreiben, die den Zeitgenossen begreiflich erscheinen“. Er nannte sich selbst einen „Gebrauchslyriker“ mit dem Ziel, das zu schreiben, was die Menschen der Zeit wirklich brauchten.
Erich Kästners zwei Welten: das Gute und das Böse
Der Journalist und Schriftsteller Andreas Drouves sagte über Erich Kästner, er präsentiere Kindern eine Welt, an die er selbst nicht glauben könne, dafür Erwachsenen eine Welt, in der innere Entwicklung nicht möglich sei. Ähnliche Zitate über Kästner sind mehrfach getroffen worden – viele Menschen bemerkten den krassen Gegensatz zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt, den Erich Kästner zeichnete.
In seinen Gedichten, Publikationen und Erwachsenenromanen zeigte Erich Kästner sich pessimistisch, fast schon zynisch. Er zeichnet eine Welt des Kriegs und der sozialen Ungerechtigkeit, des technischen Fortschritts, aber ganz ohne menschliche Entwicklung.
Seine Kinderwelten sind hingegen heil und voller Hoffnung. Die Kinder machen das Unmögliche möglich, bringen ihre Eltern zur Vernunft und erreichen positive Veränderungen in ihrem Umfeld. Immer wieder treffen in Kästners Werken solche Dualitäten aufeinander: das Gute und das Böse, die Hoffnung und das Hoffnungslose.
Über das Kinderbuch „Emil und die Detektive“ und Kästners Roman „Fabian“ sagte der Kinderbuchautor Fred Rodrian, „Emil“ sei „die Kindheit Fabians“.
Zusammenfassung: das Wichtigste über Erich Kästner auf einen Blick
Erich Kästner gehört zu den größten deutschen Schriftstellern und Publizisten der Weimarer Republik, des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Bekannt ist er vor allem für seine Kinderbücher („Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“) geworden, doch er hat auch Romane für Erwachsene („Fabian“, „Drei Männer im Schnee“), zahlreiche Gedichte, Essays, Artikel und Drehbücher geschrieben.
Erich Kästner hatte einen bewegten Lebenslauf. Er war Pazifist und leistete auf seine Art Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Unter anderem war er als einziger Autor bei der Verbrennung seiner Bücher im Jahr 1933 anwesend. Auch nach dem Krieg äußerte er sich weiterhin gesellschaftskritisch und setzte sich beispielsweise für die Pressefreiheit ein.
Erich Kästners Werke haben die Literatur nachhaltig geprägt. In der Schule werden seine Werke in Deutsch bis heute behandelt. Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter das Große Bundesverdienstkreuz (1959), den Hans Christian Andersen Preis (1960), den Lessing-Ring (1969) und weitere. Über 100 Schulen und viele Straßen in Deutschland sind nach ihm benannt.
Teste Dein Wissen!
Welches Kinderbuch hat Erich Kästner geschrieben?