Deutsch – Konjunktiv

Wenn du wissen willst, wie man den Konjunktiv richtig bildet, dann bist du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.

Was ist Konjunktiv 1 und 2? Unterschied, Beispiele, Übungen

Du hast etwas gehört oder gelesen, du weißt aber nicht, ob die Information wirklich stimmt. In der heutigen Zeit ist ein gewisses Maß an Misstrauen oft angebracht. Wenn du dennoch über die Erkenntnisse reden oder schreiben willst, dann wirst du sie – schon aus Selbstschutz – nur im Konjunktiv wiedergeben – also in Form der „indirekten Rede”. Du schaffst damit eine sogenannte „kritische Distanz” und drückst aus, dass die Informationen unter Umständen nicht der Wahrheit entsprechen. Diese Lektion zeigt dir genau, was das bedeutet und wie das geht.

Damit du es gleich in der Einleitung liest: Es gibt zwei Arten des Konjunktivs (I & II). Sie sind im Deutschen jeweils untergliedert in Gegenwart (Präsens), Vergangenheit (Präteritum) und Zukunft (Futur). Hier findest du die ersten Beispiele:

Konjunktiv I

  • Präsens: Mike erzählt in der Schule, dass er ein Auto zum 18. Geburtstag bekomme.
  • Präteritum: Sie fragten sich oft, ob Silke gelogen habe.
  • Futur I: Wenn Freunde kämen, würden wir gemeinsam einen Film sehen.

Konjunktiv II:

  • Präsens: Nach ihrer Ausbildung möchte Lisa ein Fernstudium machen.
  • Präteritum: Frauke wäre gern mitgekommen, aber sie musste noch arbeiten.

Futur I: 

  • Was würde Susi dafür geben, zum Geburtstag einen frisch gebackenen Schokokuchen zu bekommen.
icon
Merke

Der Konjunktiv I ist mehrheitlich in der „indirekten Rede” zu finden.

Der Konjunktiv II kommt zumeist in Konditionalsätze zum Einsatz.


Übrigens, damit du diesen Hinweis schon mal gelesen hast: Der Konjunktiv ist nur eine von drei Verbformen. Da er für sprachliche Optionen genutzt wird, heißt er auch Möglichkeitsform. Die beiden anderen sind der Indikativ (Wirklichkeitsform) und der Imperativ (Befehlsform).

icon
10 Stunden gratis: Testen Sie die Nachhilfe Nr. 1!*
img-746ddab8-ecac-4075-956c-2d8473424b9d.jpg

Testen Sie den Testsieger*

  • Flexibler Einsatz der 10 gratis Nachhilfestunden, z. B. vor Klassenarbeiten  
  • Individuelle Profi-Nachhilfe vor Ort oder online
  • Für alle Klassenstufen und Schulformen
  • 94 % Kundenzufriedenheit*

Bildung von Konjunktiv I

Du weißt mittlerweile, dass der Konjunktiv ein sehr hilfreiches Mittel ist, um einem Leser oder Zuhörer zu vermitteln, dass du nicht ganz sicher bist, ob eine Aussage wirklich stimmt. Das ist sehr hilfreich. Der Konjunktiv I eignet sich hierfür bestens. Er zeigt klar an, dass die Urheberschaft der Information nicht deine ist – und dass du möglicherweise gar nicht mit der wiedergegebenen Aussage übereinstimmst. 

Aber wie bildest du den Konjunktiv I? Das ist gar nicht so schwer. Du nutzt eine Konjugationsform des Verbs und schreibst den Satz darüber hinaus in der „indirekten Rede”.

Beispiele:

  • „Ich tue alles für meine Wähler.”
    Bedeutung: Der Politiker spricht über sein (angebliches) Verhalten.

  • "In der Zeitung hieß es, dass der Politiker alles für seine Wähler tue."
    Bedeutung: Hier wird die Urheberschaft der Aussage klar der Zeitung zugeordnet, über den Wahrheitsgehalt sagt diese Struktur nichts.

  • "Der Politiker sagte, dass er alles für seine Wähler täte."
    Bedeutung: Durch die indirekte Rede wird klargestellt, dass die Aussage allein von dem Politiker kommt und es völlig unklar ist, ob sie stimmt. 

  

Diese Personalendungen werden für den Konjunktiv I genutzt:

Person
Endung
ich
-e
du
-(e)st
er/sie/es
-e
wir
-en
ihr
-et
sie
-en


Um also den Konjunktiv I bilden zu können, hängst du die zuvor erwähnten Personalendungen an den Verbstamm im Indikativ (Grundform) Präsens an:


stehen (Indikativ)
machen (Indikativ)
ich
stehe
mache
du
stehst
machst
er/sie/es
steht
macht
wir
stehen
machen
ihr
steht
macht
sie
stehen
machen



haben (Indikativ)
gehen (Indikativ)
ich
habe
gehe
du
hast
gehst
er/sie/es
hat
geht
wir
haben
gehen
ihr
habt
geht
sie
haben
gehen



können (Indikativ)
ich
kann
du
kannst
er/sie/es
kann
wir
können
ihr
könnt
sie
können


Wenn du dir die Liste ansiehst, wirst du erkennen, dass nur die 3. Person Singular in der deutschen Sprache wirklich Anwendung findet.


Beispiele: 

  • Michi sagt, sie habe heute keine Zeit.
  • Sie behauptet, sie stehe derzeit sehr unter Stress. 


Nur das Verb „sein” wird im Konjunktiv I tatsächlich in allen Formen konjugiert:

Person
Endung
ich
sei
du
seiest
er/sie/es
sei
wir
seien
ihr
seiet
sie
seien


Beispiele:

  • Er sagte, seine Freunde seien im Club.
  • Deine Mutter sagte, du seiest zu beschäftigt.


Zusammengefasst musst du noch beachten, dass der Konjunktiv I in 4 verschiedenen Zeitformen zum Einsatz kommt

Präsens:

  • Lisa behauptet, sie hätte dieses Jahr die besten Noten in ihrer Klasse. 

Perfekt:

  • Susi sagte, ihr seiet einkaufen gegangen.


Futur I 

  • Ihr neues Appartement werde immer aufgeräumt sein.


Futur II

  • Michi hat festgestellt, morgen zu dieser Zeit werde ihre Bahn angekommen sein.


Bei vielen Verben wird in der deutschen Sprache im Konjunktiv I nur noch die 3. Person Singular (er, sie, es) benutzt. Merk dir einfach, dass dann das „-n” vom Infinitiv (Grundform) entfällt. 


Präsens


sollen
ich
solle
du
sollest
er/sie/es
solle
wirsollen
ihr
sollet
sie
sollen



können
ich
könne
du
könnest
er/sie/es
könne
wir
können
ihr
könnet
sie
können



gehen
ich
gehe
du
gehest
er/sie/es
gehe
wirgehen
ihr
gehet
sie
gehen


Abschließend noch die Information, dass es auch einen Standard gibt, bei dem der Konjunktiv fast immer Anwendung findet: Wünsche und Redewendungen nutzen ihn häufig.


Beispiele: 

  • So sei es…
  • Man nehme…
  • Gott stehe uns allen bei…

Bildung von Konjunktiv II

Der Konjunktiv II ist ein noch größeres Misstrauensvotum gegen den Wahrheitsgehalt einer Aussage. Du bringst damit zum Ausdruck, dass etwas unwahrscheinlich ist oder dass eine Aussage möglicherweise nicht den Tatsachen entspricht. Er ist auch in Sätzen zu finden, die hypothetische, oft unrealistische Bedingungen beschreiben. Zudem nutzt du ihn zur Formulierung höflicher Bitten. Abschließend kann er aber auch den Konjunktiv I ersetzen – so werden Verwechslungen mit dem Indikativ (Grundform) vermieden. 

Beispiele:

Zweifel:

  • Die Gelehrten halten es für möglich, dass die Forschungsergebnisse nicht überprüft seien.

Hypothese:

  • Sollte sich die Aussage als wahr erweisen, ergäben sich neue Ansätze.

Unwahrscheinlichkeit:

  • Sie behaupten, Frank gehöre zu den besten Spielern.

Aufforderung:

  • Wärst du so lieb und würdest mir bitte dabei helfen?


Den Konjunktiv II bildest du übrigens in ähnlicher Weise wie den Konjunktiv I, jedoch unterscheidest du beim verwendeten Wortstamm. Für den Konjunktiv II leitest du den Stamm von der 1. Person Plural im Präteritum ab, wobei du am Ende „-(e)n” weglässt. Wenn in dieser Form ein „a”, „o” oder „u” vorkommt, änderst du den Vokal in seinen entsprechenden Umlaut. Sprich: Aus „a” wird „ä”, aus „o” wird „ö” und aus „u” wird „ü”. Eine Ausnahme sind die Verben „sollen” und „wollen” – bei denen bleibt das „o” unverändert.


Hier einige Beispiele, damit du dich besser in den Konjunktiv II einfinden kannst:

Präsens


haben
sein
ich
hätte
wäre
du
hättest
wär(e)st
er/sie/es
hätte
wäre
wir
hätten
wären
ihr
hättet
wär(e)t
sie
hätten
wären



finden
würde...
ich
fände
würde...
du
fändest
würdest...
er/sie/es
fände
würde...
wir
fänden
würden...
ihr
fändet
würdet...
sie
fänden
würden...


Beispiel:

  • Wäre ich an deiner Stelle, würde ich das nicht mehr essen.
  • Mein Sohn hätte gern einen Kaffee.


Präteritum


sagen
gehen
ich
hätte gesagt
wäre gegangen
du
hättest gesagt
wär(e)st gegangen
er/sie/es
hätte gesagt
wäre gegangen
wir
hätten gesagt
wären gegangen
ihr
hättet gesagt
wär(e)t gegangen
sie
hätten gesagt
wären gegangen



sein
ich
wäre gewesen
du
wär(e)st gewesen
er/sie/es
wäre gewesen
wir
wären gewesen
ihr
wär(e)t gewesen
sie
wären gewesen


Beispiele:

  • Frank behauptete, er hätte mich nicht gesehen.
  • Sie sagten, sie hätten nicht mit ihm geredet.
  • Lizzi meinte, ich wäre mit dem Auto vorgefahren.


Plusquamperfekt

ich
hätte gespielt
wäre gelaufen
du
hättest gespielt
wär(e)st gelaufen
er/sie/es
hätte gespielt
wäre gelaufen
wir
hätten gespielt
wären gelaufen
ihr
hättet gespielt
wär(e)t gelaufen
sie
hätten gespielt
wären gelaufen


Beispiele:

  • Allein hättest du das nie geschafft.
  • Wenn ich mehr geschlafen hätte, wäre ich ausgeruhter gewesen.
  • Wäre ich schneller gewesen, ich hätte das Rennen locker gewonnen.


Unterschied zwischen Konjunktiv 1 und 2:

Du hast es sicher schon selbst gemerkt: Die Bildung von Konjunktiv I und Konjunktiv II ähnelt sich sehr – beide verwenden dieselben Endungen. Der wesentliche Unterschied zwischen ihnen liegt in der Herkunft der Stämme: Während du den Konjunktiv I mit dem Präsensstamm bildest, nutzt du für den Konjunktiv II den Präteritumstamm. Diese beiden Arten unterscheiden sich zudem in ihrer Verwendung. Konjunktiv I nutzt du hauptsächlich in der indirekten Rede. Du gibst also wieder, was jemand anderes gesagt hat. Den Konjunktiv II hingegen setzt du ein, wenn du über eher unwahrscheinliche Szenarien oder auch Wünsche sprichst – oder wenn du eine Aussage infrage stellen möchtest. In der indirekten Rede greifst du also auf den Konjunktiv II zurück, wenn die Form des Konjunktiv I zu unklar wäre. 

Zusammenfassung:

Was ist ein Konjunktiv? Der Konjunktiv I und II unterscheiden sich im Deutschen sowohl in Bildung als auch in Verwendung. Der Konjunktiv I wird hauptsächlich verwendet, um indirekte Rede wiederzugeben. Sprich: Du nutzt ihn, wenn du informieren willst, was jemand gesagt, gedacht oder gefühlt hat – ohne die direkte Rede zu verwenden. Dies hilft dabei, eine gewisse Distanz zum Gesagten zu wahren und klarzustellen, dass es sich um die Wiedergabe der Worte einer anderen Person handelt.

Zur Bildung des Konjunktivs I nimmst du in der Regel die Form der 3. Person Singular oder Plural des Präsens und fügst spezielle Konjunktivendungen hinzu. Zum Beispiel wird aus dem Indikativ „sagen“ im Konjunktiv I „ich sage, du sagest… etc). Du musst jedoch beachten, dass bei vielen Hilfs- und Modalverben die Bildung abweicht und dem Indikativ ähnlich sieht. Beispiele sind „sein“ (ich sei, du seist) oder „haben“ (ich habe, du habest).


Konjunktiv II:

Den Konjunktiv II nutzt du zumeist für irreale Wünsche, Bedingungen und Möglichkeiten. Er ist der „Modus der Unwirklichkeit” und kommt oft in Bedingungssätzen (Konditionalsätze) oder in Wünschen zum Einsatz. Ein Beispiel lautet hier: „Wenn ich reich wäre, würde ich eine Weltreise machen.“

Um den Konjunktiv II zu bilden, verwendest du den Stamm der 1. Person Plural im Präteritum und streichst die Endung „-(e)n”. An diesen Stamm hängst du die Konjunktivendungen „-e”, „-est”, „-e”, „-en”, „-et” oder „-en” an. Sollte das Verb im Präteritum einen Vokal enthalten, musst du auf „ä”, „ö”, „ü” ändern. 

Diese unterschiedlichen Formen und Verwendungen des Konjunktivs I und II erlauben es dir, sehr nuanciert und präzise in deinem Ausdruck zu sein. Du kannst dann genau differenzieren, ob du von realen Möglichkeiten, Hypothesen oder der Wiedergabe fremder Gedanken sprichst.

Teste dein Wissen

Welches der folgenden Beispiele ist das Plusquamperfekt im Konjunktiv II?

Verwandte Themen
Teste unser LernCenter einen Monat lang komplett gratis