Deutsch - Finite Verben
Wenn du wissen willst, was finite Verben sind, dann bist du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.
Finite Verben einfach erklärt: Definition und viele Beispiele
Wusstest du, dass finite Verben die wahrscheinlich wichtigsten Bausteine der deutschen Sprache sind? Ohne sie könntest du keine Sätze formen!
Was sind finite Verben? Finite Verbformen werden nach Person, Numerus, Tempus, Genus Verbi und Modus gebeugt (konjugiert). Das sind viele Fachbegriffe? Keine Sorge, wir erklären sie dir Stück für Stück in leicht verständlicher Sprache.
Was ist ein finites Verb? Beispiele und Erklärungen
Definition
Ein finites Verb wird nach Person, Numerus, Tempus, Genus Verbi und Modus gebeugt. Es ändert also seine Form, damit wir genau verstehen, was das Verb ausdrückt.
Du kennst bestimmt den Infinitiv – die Grundform des Verbs? Infinitive sind zum Beispiel schwimmen, lesen, gehen oder leben. Du erkennst daran, dass sie fast immer auf -en enden.
Die Vorsilbe „in-“ bedeutet „un-“. Ein Infinitiv ist ein ungebeugtes Verb. Daraus kannst du vielleicht schon ableiten, was ein finites Verb ist – nämlich ein gebeugtes. In diesem Text geht es um finite Verben. Wir schauen uns trotzdem kurz die infiniten Verbformen an, damit du beide Verbformen unterscheiden kannst.
Es gibt im Deutschen hauptsächlich drei infinite (unveränderliche) Verbformen:
1. den Infinitiv (die Grundform), z. B. reiten, singen, spielen
2. das Partizip I, z. B. schreibend, hoffend, laufend
3. das Partizip II, z. B. (ich habe/hatte) gehabt, (ich habe/hatte) gesehen, (ich habe/hatte) verstanden
Die infiniten Verbformen können unter bestimmten Umständen ebenfalls ein wenig verändert werden, aber nicht nach Person, Numerus, Tempus, Genus Verbi und Modus – das gilt nur für die finiten Verben.
Jeder vollständige deutsche Satz hat mindestens ein finites Verb (als Satzglied: das Prädikat) und fast immer noch ein passendes Subjekt dazu.
Beispiele:
- Lauf! (nur ein finites Verb)
- Er läuft. (Subjekt „er“ und ein finites Verb)
- Heute gehen meine Freundin und ich ins Kino.
Aufgepasst: Im letzten Satz ist „gehen“ kein Infinitiv (die ungebeugte Grundform), sondern die gebeugte Form „(wir) gehen“. Sie sehen nur zufällig genau gleich aus.
Finite Verbformen tauchen in der deutschen Sprache ständig auf und können sehr unterschiedlich aussehen. Oft kommen finite und infinite Verbformen im selben Satz vor. Hier noch ein paar Beispiele:
- Gestern hat es die ganze Zeit geregnet.
- Anne trifft sich heute Nachmittag mit ihm.
- Morgen werdet ihr schon früh abreisen, oder?
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Grammatikregeln für finite Verben einfach erklärt
Wir haben jetzt schon mehrfach von Person, Numerus, Tempus, Genus Verbi und Modus gesprochen. Du kennst alle diese Grammatikregeln für finite Verben bereits und verwendest sie dauernd, wenn du schreibst und sprichst – wetten? Schauen wir sie uns nacheinander an.
1. Person und Numerus
Die Personalform in Deutsch ist sehr wichtig, denn sie zeigt uns, welche Person handelt. Es gibt drei Personen, jeweils in der Einzahl (Singular) und in der Mehrzahl (Plural). Einzahl und Mehrzahl werden zusammen als „Numerus“ bezeichnet. Du kennst die Personen und den Numerus bestimmt und findest sie in dieser Übersicht wieder:
1. Person Singular: ich (sehe)
2. Person Singular: du (siehst)
3. Person SIngular: er/sie/es (sieht)
1. Person Plural: wir (sehen)
2. Person Plural: ihr (seht)
3. Person Plural: sie (sehen)
Hier kannst du schon gut erkennen, wie die finite Verbform sich in der nach Person und Numerus in der Konjugation verändert.
2. Tempus des Verbs
Nun möchten wir aber nicht nur ausdrücken, welche Person etwas tut, sondern auch, in welcher Zeit das passiert. Dazu brauchen wir das Tempus in der deutschen Grammatik. „Tempus“ heißt übersetzt „Zeitform“. Es gibt im Deutschen sechs Zeitformen:
- Präsens (Gegenwart)
- Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt (Vergangenheit)
- Futur I, Futur II (Zukunft)
Schauen wir uns zu jeder Zeitform ein Beispiel an. Das finite Verb ist blau markiert. Oft brauchen wir zum Bilden der Zeitformen in Deutsch auch noch eine infinite Verbform. Wenn solche vorkommen, haben wir sie für dich rot markiert.
- Präsens: Ich lese gerade das Buch für den Deutschunterricht.
- Präteritum: Gestern las ich das Buch für den Deutschunterricht.
- Perfekt: Gestern habe ich das Buch für den Deutschunterricht gelesen.
- Plusquamperfekt: Ich hatte das Buch für den Deutschunterricht gelesen.
- Futur I: Ich werde das Buch für den Deutschunterricht lesen.
- Futur II: Ich werde das Buch für den Deutschunterricht gelesen haben.
Unabhängig von der Zeitform steht das finite Verb im Hauptsatz an zweiter Stelle. Im Nebensatz steht es hingegen ganz am Ende des Satzes.
Beispiel:
Hauptsatz im Präsens: Ich lese gerade das Buch für den Deutschunterricht.
Hauptsatz im Futur I: Ich werde das Buch für den Deutschunterricht lesen.
Nebensatz: Du störst mich, obwohl ich gerade das Buch für den Deutschunterricht lese.
Nebensatz im Futur I: Er fragt mich, wann ich das Buch für den Deutschunterricht lesen werde.
3. Genus Verbi: Aktiv und Passiv
Mit der Konjugation von finiten Verben kannst du ausdrücken, ob jemand im Satz handelt (Aktiv) oder ob jemandem etwas geschieht (Passiv). Der „jemand“ muss dabei nicht unbedingt eine Person sein. Andere Lebewesen, aber auch Gegenstände oder sogar Konzepte („die Krankheit“) können der handelnde oder erleidende Teil eines Satzes sein.
Beispiele:
Aktiv: Ich gehe heute zum Bogenschießen. („ich“ handelt)
Aktiv: Die Pfeile werden durch die Luft fliegen. („die Pfeile“ handeln)
Passiv: Ich bin von einem Pfeil getroffen worden. („ich“ ist etwas geschehen)
Passiv: Ein Pfeil wurde zerstört. (dem „Pfeil“ ist etwas geschehen)
Um Verbformen im Aktiv und Passiv zu bilden, brauchst du ebenfalls finite Verben, im Passiv auch infinite Verbformen.
Tipp: Die Unterscheidung zwischen Aktivsatz und Passivsatz heißt „Genus Verbi“, auf Deutsch „die Handlungsrichtung des Verbs“.
4. Modus: Indikativ, Konjunktiv und Imperativ
An den Endungen von Verben kannst du häufig auch unterschiedliche Modi in der deutschen Sprache erkennen. „Modi“ ist die Mehrzahl von „Modus“ (deutsch: „Aussageweise“), und es gibt in der deutschen Grammatik drei Stück davon:
- den Indikativ (die Wirklichkeitsform)
- den Konjunktiv (die Möglichkeitsform)
- den Imperativ (die Befehlsform)
1. Indikativ
Der Indikativ drückt das aus, was wir wirklich tun, wahrnehmen oder erleben. Du nutzt ihn die ganze Zeit, wenn du darüber erzählst, was tatsächlich passiert:
- Ich habe einen Regenbogen gesehen.
- Meine Schwester hat mir zwei Bücher geklaut.
- Morgen schreiben wir in der zweiten Stunde die Deutscharbeit.
2. Konjunktiv
Im Deutschen gibt es zwei Konjunktive: den Konjunktiv I und den Konjunktiv II.
- Den Konjunktiv I nutzen wir fast nur noch in der indirekten Rede, zum Beispiel, wenn wir wiedergeben, was jemand gesagt hat. Du findest diese Form in Deutsch daher sehr oft in Zeitungen oder Nachrichten:
„Der Interviewgast sagte, er habe seine Frau 1998 kennengelernt.“
- Den Konjunktiv II nutzen wir, um Wünsche, Vorstellungen oder etwas Irreales (= etwas nicht Wahres) auszudrücken:
„Ach, wenn er doch endlich nach Hause käme!“ (Wunsch)
„Ich würde mir als Erstes ein eigenes Haus kaufen.“ (Vorstellung)
„Er tut so, als hätten wir unendlich viel Geld.“ (Irreales)
Bestimmt kennst du den Konjunktiv auch aus besonders höflichen Formulierungen wie zum Beispiel: „Könntest du mal bitte …“
Tipp: Da es im Deutschen regelmäßige und unregelmäßige Verben gibt, können die Konjunktivformen sehr unterschiedlich ausfallen. Die meisten Menschen kennen nicht alle. Schlage im Zweifel im Duden nach – dort findest du Beispiele zur Konjugation.
3. Imperativ
Der Imperativ ist die Befehlsform im Deutschen (nicht zu verwechseln mit der Grundform, dem Infinitiv). Der Imperativ ermöglicht es uns, Sätze zu bilden, die nur aus einem einzigen (finiten) Verb bestehen:
- Schweig!
- Lauf!
- Lies!
Die Besonderheit ist hier, dass beim Imperativ das finite Verb am Satzanfang steht, auch wenn der Satz länger ist.
Beispiel:
- Schreib mir doch mal bitte auf, wann du kommst.
Super! Nun kennst du alle Merkmale der Grammatik, nach denen finite Verben gebeugt werden.
Zusammenfassung: Grammatische Merkmale von finiten Verben
- Ein finites Verb wird nach Person, Numerus, Tempus, Genus Verbi und Modus konjugiert. Dabei ändert sich die Endung, bisweilen auch der Stammvokal des Verbs.
- Ein infinites Verb bleibt hingegen unabhängig von diesen Merkmalen gleich. Infinite Verbformen sind zum Beispiel der Infinitiv und das Partizip II.
- Die finite Verbform steht im Hauptsatz an zweiter Stelle, im Nebensatz an letzter Stelle.
- Die Konjugation in Deutsch ist sehr komplex. Im Zweifel sind die korrekten Verbformen im Duden zu finden.
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