Deutsch - Schweifreim
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Schweifreim: Aufbau & Wirkung
Gedichte weisen spezielle Merkmale auf, die bei einer Analyse und Interpretation wichtig sind. Dazu gehören Kriterien wie die Versform, das Metrum oder auch das Reimschema.
Das Reimschema beschreibt nicht nur das Muster, nach dem sich einzelne Verse innerhalb eines Gedichtes reimen, sondern das Reimschema trägt auch zum Rhythmus und zur Wirkung bei, die auf die Leser*innen erzielt werden soll.
Zu den bekannteren Reimschemata gehört der Schweifreim. Wir erklären die Besonderheiten des Schweifreims mithilfe von Beispielen. Außerdem erläutern wir, wie du den Schweifreim bestimmen kannst und für welche Wirkung das Reimschema eingesetzt wird.
Reimschema des Schweifreims
Beim Schweifreim, der aus sechs Versen gebildet wird, handelt es sich um ein besonderes Reimschema. Er setzt sich aus zwei eigenständigen Reimschemata zusammen: dem Paarreim (aa) und dem umarmenden Reim (b cc b).
Im Schweifreim werden die ersten beiden Verse durch einen Paarreim gebildet, dem ein umarmender Reim aus vier Verszeilen folgt. Das Reimschema des Schweifreims folgt dann dem Muster aa b cc b.
Beispiel: Theodor Fontane „Ausgang“
Immer enger, leise, leise (a)
Ziehen sich die Lebenskreise, (a)
Schwindet hin, was prahlt und prunkt, (b)
Schwindet Hoffen, Hassen, Lieben, (c)
Und ist nichts in Sicht geblieben, (c)
Als der letzte dunkle Punkt. (b)
Wie du in diesem Beispiel siehst, reimen sich leise und -kreise, deshalb bekommen sie den Buchstaben a. Sie bilden den Paarreim. Der umarmende Reim wird aus dem Reimpaar mit dem Buchstaben b, prunkt und Punkt sowie dem Reimpaar mit dem Buchstaben c, Lieben und geblieben, gebildet.
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Bestimmung des Reimschemas
- Beginne am Anfang des Gedichts und markiere die Reime am Ende jeder Verszeile. Überprüfe, welche Worte sich reimen. Jeden sich aufeinander reimenden Vers kennzeichnest du mit demselben Buchstaben.
- Das erste Versende, das sich reimt, wird mit einem a beschriftet. Direkt nachfolgende Versenden, die sich auf das erste Versende reimen, erhalten ebenfalls ein a.
- Wenn der nächste Vers einen neuen Reim aufweist, wird der Buchstabe b verwendet. Dieses Vorgehen führst du für jede Verszeile in der Strophe durch. Für jeden neuen Reim wird ein neuer Buchstabe verwendet.
- Das Reimschema in einem Gedicht kann von Strophe zu Strophe wechseln. Je nach Länge des Gedichtes können so verschiedene Kürzel entstehen. Für jeden neuen Reim in einer neuen Strophe im Gedicht verwendest du den nächsten Buchstaben im Alphabet (c, d, e, f usw.).
- Durch die Abfolge kannst du ermitteln, welches Reimschema vorliegt. Der Schweifreim wird nach dem Reimschema aa b cc b gebildet. Dabei reimen sich die ersten beiden Verse (aa) (Paarreim), die dritte und die sechste Zeile (b) sowie die vierte und die fünfte Zeile (c/c) (umarmender Reim).
Beispiel: Matthias Claudius „Abendlied“
Der Mond ist aufgegangen (a),
die goldnen Sternlein prangen (a)
am Himmel hell und klar (b);
der Wald steht schwarz und schweiget (c),
und aus den Wiesen steiget (c)
der weiße Nebel wunderbar (b).
Wie ist die Welt so stille (d),
Und in der Dämmrung Hülle (d)
So traulich und so hold!(e)
Als eine stille Kammer (f),
Wo ihr des Tages Jammer (f)
Verschlafen und vergessen sollt (e).
Wirkung des Schweifreims
Durch die Struktur des Schweifreims aus zwei verschiedenen Reimschemata kann der/die Autor*innen auf spezielle Effekte zurückgreifen: Durch den Paarreim wirkt die Strophe zunächst wie eine abgeschlossene Einheit, die durch den umarmenden Reim aufgebrochen wird.
Durch die Veränderung des Reimschemas geht ein Perspektivwechsel einher, der genutzt wird, um überraschende Wendungen einzubauen und die Aufmerksamkeit der Leser*innen zu erhöhen.
Durch den Wechsel wird der Rhythmus beeinflusst, weshalb der Schweifreim sehr melodisch wirkt und in Volksliedern und Kinderliedern beliebt ist.
Beispiel: Annette von Droste-Hülshoff „Im Moose“
Dann, gleich dem Bronnen, der verrinnt im Schlund (a)
Und drüben wieder sprudelt aus dem Grund (a),
So stand ich plötzlich in der Zukunft Lande (b);
Ich sah mich selber, gar gebückt und klein (c),
Geschwächten Auges, am ererbten Schrein (c)
Sorgfältig ordnen staub’ge Liebespfande (b).
Die ersten beiden Zeilen bilden einen Paarreim (aa). Der zunächst gleichmäßige Rhythmus wird durch den umarmenden Reim (bccb) unterbrochen. Der überraschende Wechsel baut einen Spannungsbogen auf und verlagert den Fokus auf die zentralen Verse der Strophe – auf das lyrische Ich und seine Zukunftsvisionen. (c/c)
Zusammenfassung
Bildung und Reimschema
- Der Schweifreim wird aus sechs Versen gebildet.
- Er setzt sich aus zwei eigenständigen Reimschemata zusammen: dem Paarreim (aa) und dem umarmenden Reim (b cc b).
- Das vollständige Reimschema folgt dann dem Muster aa b cc b.
- Der Schweifreim ist in Volksliedern und Kinderliedern (Kinderreimen) sehr beliebt.
Wirkung
- Perspektivwechsel und überraschende Wendungen
- Erhöhung der Aufmerksamkeit
- Melodischer Rhythmus
- Aufmerksamkeit wird auf zentrale Verse gelenkt
Was ist das richtige Reimschema für den Schweifreim?