Deutsch – rhetorische Frage
Du möchtest wissen, was es mit der rhetorischen Frage auf sich hat? Dann bist du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein!
Was ist eine rhetorische Frage: Definition, Bedeutung, Beispiel
Ein Stilmittel, das als Frage daherkommt – und in Wahrheit eine Behauptung ist? Genau… gemeint ist die „rhetorische Frage”. Wer sie stellt, kennt die Antwort schon – oder nutzt sie, um seinen Gesprächspartner zu beeinflussen. Die „rhetorische Frage” ist also oft nicht sonderlich höflich gemeint; sie ist mehr Bevormundung oder ein Ausdruck der eigenen Meinung. Du siehst, mit einer klassischen Fragestellung hat sie wenig gemein. Sie wird mehr als selbst beantwortende Frage oder als Frage ohne Antwort angesehen.
- Das siehst du doch auch so?
Hier wird dem Gegenüber die Antwort förmlich in den Mund gelegt. - Wer ist schon perfekt?
Hier wird eine Verteidigung gegen mögliche Fehler mitgeliefert.
Die tatsächliche Botschaft lautet: Ihr seid alle nicht perfekt.
Also verurteilt mich auch nicht für mögliche Fehler. - Bist du noch bei Verstand?
Eine klare Beleidigung, auch wenn sie mit einem Fragezeichen endet.
Die Botschaft lautet nämlich: Du hast den Verstand verloren.
- Das siehst du doch auch so?
Warum benutzt man „rhetorische Fragen”? Du siehst, sie können eine Diskussion beenden, unsachlich sein oder gar provozieren. Natürlich werden sie auch genutzt, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erhöhen. Diese Lektion erklärt dir, wie du „rhetorische Fragen” erkennst und wie oder wann du sie selbst einsetzen kannst/solltest.
Arten der rhetorischen Frage
Während die Einleitung die Erklärung zu „rhetorischen Fragen” etwas allgemeiner gehalten hat, geht dieses Kapitel in die Tiefe, damit du die Möglichkeiten dieses Stilmittels besser bewerten kannst. Es gibt zwei Arten der „rhetorischen Frage”:
1) Hypophora
Schweres Wort – aber die Bedeutung ist schnell erklärt: Hypophora (im englischen Sprachgebrauch auch Anthypophora) ist ein literarisches Mittel, bei dem eine (rhetorische) Frage am Anfang einer Aussage (entweder bei einer Rede oder in einem Text) gestellt und im Anschluss selbst beantwortet wird.
Beispiel:
- Wer braucht schon Geld? Wir alle wollen doch mehr verdienen.
- Wird unsere Arbeit geschätzt? Wir arbeiten so hart, und niemand scheint das zu sehen.
2) Epiplexis
Die zweite Form der „rhetorischen Frage” ist gar nicht nett gemeint – sie steht für wenig subtilen Tadel oder eine harsche Kritik. Statt also Informationen zu erfragen, stellt die Epiplexis eine negative Behauptung auf oder benennt einen unschönen Fakt. Dieses Stilmittel dient der unmittelbaren Konfrontation eines Gegenübers oder einer Gruppe.
Beispiel:
- Glauben Sie wirklich, dass ihre Arbeit erfolgreich sein wird?
- Was wollen Sie denn damit überhaupt erreichen?
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Was sind rhetorische Fragen? Funktion und Wirkung
Jetzt hast du schon einige Informationen über dieses spannende Stilmittel erhalten. Schau dir nun genau an, welche verschiedenen Funktionen „rhetorische Fragen” haben können und welche Wirkung sie erzielen. Wichtig ist hier, dass du auch erkennst, wie schmal der Grat zwischen einer Behauptung und einer Manipulation ist. Geschickte Redner oder Schreiber nutzen „rhetorische Fragen” also dazu, um anderen ihre Meinung „aufzudrücken”.
Offensichtliches benennen
Wer sein Gegenüber belehren will, der nutzt eine „rhetorische Frage”, die genau das auslöst. Sie stellt eine allgemeingültige Erkenntnis als Frageform dar:
Beispiele:
- Gibt es jemanden, der noch glaubt, die Erde sei nicht rund?
- Wer geht denn heute noch vom Erfolg der Benzin-Motoren aus?
Emotionen verstärken
Redner oder Schreiber nutzen das Stilmittel auch, um Neugier, Überraschung oder Freude oder auch Wut zu erregen.
Beispiele:
- Können wir unseren Politikern denn noch Glauben schenken?
- Gibt es etwas Schöneres, als Zeit mit Freunden zu verbringen?
Gedanken beeinflussen/Nachdenklichkeit erregen
Wer Reaktionen provozieren will, die auch zum Nachdenken anregen, der wird die „rhetorische Frage” ebenfalls anwenden. Vor allem bei Diskussionen bietet sich die Verwendung dieses Stilmittels an.
Beispiele:
- Wollen Sie wirklich, dass alle unsere Daten gespeichert werden?
- Muss der Umweltschutz nicht viele mehr Aufmerksamkeit bekommen?
Verwendung von rhetorischen Fragen
Die Verwendung von „rhetorischen Fragen” kommt in allen Lebensbereichen vor. Der Kontext entscheidet auch darüber, ob das Stilmittel als Hilfestellung, als Belehrung, als Beeinflussung oder gar als Angriff genutzt wird.
Hier findest du kurze Erklärungen dazu:
1) Literatur
Die „rhetorische Frage” ist ein sehr beliebtes Stilmittel in Kommentaren und argumentativen Texten – aber auch in Gedichten:
Beispiel:
- „Weh! steck’ ich in dem Kerker noch?“
(Johann Wolfgang von Goethe, „Faust”, 1808)
Bedeutung: Faust möchte nicht mehr im Kerker eingesperrt sein. Er stellt diese Frage aber an sich selbst; er erwartet daher auch keine Antwort.
- „Weh! steck’ ich in dem Kerker noch?“
2) Alltag
Stell dir einfach deinen Alltag mit Eltern oder Lehrerinnen und Lehrern vor. Wie oft wirst du dort „rhetorische Fragen” hören – denn die Antwort ist so offensichtlich, dass sie nicht mehr ausgesprochen werden muss:
Beispiel:
- Hab ich’s dir nicht gleich gesagt?
- Musstest du wieder deinen Kopf durchsetzen?
- Ist das nicht sofort klar gewesen?
Bedeutung: Hier sind Vorwürfe als Frage dargestellt. Würdest du das Fragezeichen weglassen, ist die Botschaft noch deutlicher.
3) Medien (z.B. Werbung)
Die Werbung möchte zum Kauf verleiten. Sie will einen Sogfaktor erreichen, der dein Kaufverhalten beeinflusst. Dafür werden Botschaften vermittelt, die zwar als Frage gestellt werden – aber dennoch eine werbliche Behauptung sind.
Beispiel:
- Wohnst du noch oder lebst du schon?
(IKEA-Claim seit 2002)
Bedeutung: Das Einrichtungshaus will damit ausdrücken, dass du deine Lebensumstände mit neuen Möbeln verbesserst.
- Wohnst du noch oder lebst du schon?
4) Politik
In der Politik geht es oft darum, bekannte Tatsachen zu „verklausulieren” oder unangenehme Wahrheiten anders zu verkaufen. Dafür nutzen versierte Redenschreiber häufig das Stilmittel der „rhetorischen Frage”.
Beispiel:
- „Wie viele von denen, die nach der neunten oder zehnten Klasse die Schule verlassen, haben unmittelbar im Anschluss oder in zeitlicher Nähe einen Vertrag für eine Berufsausbildung, den sie unterschreiben können?“
(Kanzler Olaf Scholz, 2024)
Bedeutung: Der Kanzler drückt hiermit aus, dass es für Schulabgängerinnen und -abgänger schwer ist, nach der Schule einen Ausbildungsplatz zu finden.
- „Wie viele von denen, die nach der neunten oder zehnten Klasse die Schule verlassen, haben unmittelbar im Anschluss oder in zeitlicher Nähe einen Vertrag für eine Berufsausbildung, den sie unterschreiben können?“
Die Abgrenzung / ähnliche Stilmittel wie die rhetorische Frage
Die „rhetorische Frage” hat zwei Geschwister, die ihr sehr ähnlichsehen, aber dennoch eine leicht andere Bedeutung haben. Zum einen gibt es die sogenannte Suggestivfrage, zum anderen das Stilmittel der Ironie. Hier wirst du jetzt erfahren, wie und wann sie angewendet werden – und welche Bedeutung sie haben.
1) Suggestivfrage vs. rhetorische Frage
Während die „rhetorische Frage” auch ohne Entgegnung auskommt und nicht zwangsläufig ein „Ja” als Antwort verlangt, ist die Suggestivfrage hier nur auf die reine Beeinflussung ausgelegt. Das ist der große Unterschied.
Beispiel:
- Du willst doch sicher auch ein Stück Kuchen?
- Ihr wollt doch auch morgen mit dabei sein und helfen?
- Die Leistung kann dir doch auch nicht genug sein?
In allen drei Fällen ist die Intention der angeblichen Frage klar. Sie will dem Gegenüber eine Bestätigung abnötigen; sie lässt sogar keinen Raum mehr für Argumentation. Worte wie „auch” und „sicher” zeigen, dass hier Zustimmung vorausgesetzt ist.
2) Ironie vs. rhetorische Frage
Ironie ist selten angenehm gemeint. Kombiniert mit einer rhetorischen Frage ist sie tatsächlich oft sehr angreifend, gar mutwillig unfreundlich.
Beispiel:
- Ist ja wieder super gelaufen?
- Ist das nicht toll?
- Wollen wir das wohl nochmal versuchen?
Bedeutung: Etwas ist so richtig falsch abgelaufen. Der Ärger wird aber in einem ironischen Kommentar in Zusammenhang mit einer rhetorischen Frage geäußert.
Zusammenfassung:
Die „rhetorische Frage” ist ein wichtiges Stilmittel in der Kommunikation. Allerdings ist es wichtig zu wissen, wie und wann sie angewendet werden kann. Ihre Bedeutung ändert sich auch – je nach Kontext.
- Mal kann sie als freundlicher Hinweis gelten, mal als ärgerliche Hinführung.
- „Rhetorische Fragen” werden aber auch zur Beeinflussung genutzt oder zur Bevormundung.
- Es gibt sogar zwei verschiedene Arten: die Hypophora, bei der die Antwort in der Folge selbst gegeben wird – und die Epiplexis für eine sehr negative Aussage in Form einer Frage.
- Wichtig ist auch die Abgrenzung zu den beiden anderen Stilmitteln, der Suggestivfrage und der Ironie. Es gibt hier natürlich Überschneidungen, aber mehrheitlich verfolgen diese Stilmittel noch andere Ziele als die „rhetorische Frage”.
Zwei Fragen sind klassisch rhetorische Fragen. Welche ist es nicht?