Deutsch: Sonett
Wenn Du wissen willst, was ein Sonett ist, dann bist Du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.
Das Sonett
Ein Sonett ist eine Gedichtart. Wie du vielleicht weißt, hatte Lyrik früher eine andere Bedeutung als heute. Im Mittelalter und noch lange danach dienten Gedichte der Unterhaltung und Bildung und waren fester Bestandteil des kulturellen Lebens. Dem Sonett kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da es durch seine Form als sehr anspruchsvoll gilt und einiges an dichterischem Können erfordert. Durch seine äußere Form ist es leicht zu erkennen und mit ein paar Informationen zu Inhalt und Aufbau fällt eine Analyse auch nicht schwer.
Was ist ein Sonett? – Eine Einführung
Ein Sonett ist eine Gedichtform, die sich vor allem durch seine äußere Form auszeichnet und einem strengen Schema folgt, sowohl äußerlich als auch inhaltlich. Für die Dichter*innen stellte das Sonett somit eine Herausforderung dar, mit der sie ihr Können unter Beweis stellen und sich untereinander messen konnten.
Der Ursprung der Gedichtform liegt in Italien. Der Begriff Sonett geht auf das lateinische Verb sonare zurück, das klingen bedeutet und aus dem sich auch der italienische Begriff sonetto entwickelte. Deshalb wird das Sonett auch als Kling- oder Klanggedicht bezeichnet.
Im deutschsprachigen Raum gewann das Sonett im Barock an Beliebtheit. Die festgelegte Struktur bot sich an, die gegensätzlichen Themen der von Krieg und Kirche geprägten Zeit darzustellen. Die bekanntesten Vertreter sind Andreas Gryphius, Martin Opitz, Paul Fleming und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau.
Woran erkennt man ein Sonett?
Das Sonett folgt einer strengen Versform. Wenn du nicht sicher bist, ob du ein Sonett vor dir hast oder eine andere Gedichtart, schau dir die Anzahl der Strophen und deren Verse an. Auch das Versmaß ist von Bedeutung. Denn daran lässt sich gut erkennen, aus welcher Zeit das Gedicht stammt.
Aufbau
Ein Sonett hat 14 Verse, die sich auf vier Strophen verteilen. Die ersten beiden Strophen bestehen aus jeweils vier Versen und werden als Quartett bezeichnet. Die letzten beiden Strophen heißen Terzette und bestehen aus jeweils drei Versen. Das typischste Reimschema ist ein umarmender Reim (abba) in den beiden Quartett-Strophen gefolgt von cdc/dcd, cde/cde oder ccd/eed in den Terzett-Strophen.
Ein Vers ist nichts anderes als eine einzelne Zeile eines Gedichts. Wundere dich nicht, wenn du mal von „Vers“ und mal von „Zeile“ oder auch von „Verszeile“ liest. Einen einheitlichen Begriff gibt es in diesem Kontext nicht, sodass sie synonym verwendet werden können. Im Beispiel des Sonetts besteht dieses also aus 14 Zeilen (14 Versen oder auch 14 Verszeilen).
Rhythmus
Wie viele Gedichte folgt auch das Sonett einem bestimmten Sprechrhythmus, auch Versmaß oder Metrum genannt. Viele Sonett-Dichter*innen greifen auf den fünfhebigen Jambus zurück. Im Barock wird allerdings der Alexandriner beliebter, ein sechshebiger Jambus, da er sich durch die zusätzlichen Silben für die deutsche Sprache besser eignete.
Den verwendete auch Andreas Gryphius in seinem Werk „Es ist alles eitel“, das zu den bekanntesten Sonetten im deutschsprachigen Raum gehört und welches wir uns noch genauer anschauen.
Ein Jambus ist ein Versfuß, die kleinste Einheit des Verses, und bestimmt den Sprechrhythmus eines Gedichts, also die Abfolge von betonten und unbetonten Silben, was auch als Heben und Senken bezeichnet wird. Daneben gibt es im Deutschen den Trochäus, den Daktylus und den Anapäst.
Inhalt
Auch inhaltlich folgt das Sonett einer festen Struktur: In den beiden Quartett-Strophen wird ein Problem, Konflikt oder eine Frage erläutert. In den beiden Terzett-Strophen folgt die Lösung, Antwort oder das Resultat. Durch den thematischen Aufbau wird das Thema kontrastreich dargestellt und Gegensätze oder Widersprüche deutlich hervorgehoben.
Wenn du dir die einzelnen Verse genauer anschaust, siehst du, dass sich ein solcher Gegensatz häufig auch innerhalb einer einzelnen Zeile findet. Der sechshebige Jambus erlaubt beispielsweise eine Sprechpause nach etwa der Hälfte der Zeile, auch Zäsur genannt. Diese erlaubt es den Dichter*innen, beide Seiten einer Medaille vorzustellen oder ein Thema zu diskutieren. Bis zur dritten Hebung wird dann eine Aussage getroffen, die in den letzten drei Hebungen widerlegt, entkräftet oder ihr etwas entgegengesetzt wird.
Wusstest du schon?
Die Epoche des Barocks umfasst den Zeitraum von 1600 bis 1720 und war durch den Dreißigjährigen Krieg von Themen wie Tod und Vergänglichkeit geprägt sowie der Frage nach dem Sinn des Lebens. Barockliteratur setzt sich häufig mit Gegensätzen wie der Todesangst der Armen und dem verschwenderischen Leben der Reichen auseinander. Das Sonett war die ideale Form, sich dieser gesellschaftlichen Spaltung zu widmen.
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Beispiele bekannter Sonette
Das Sonett entstand im 13. Jahrhundert und erlebte über die Zeit verschiedene Höhepunkte. Schauen wir uns nun ein paar bekannte Beispiele in der Praxis an, an denen sich die Merkmale der Gedichtart gut erkennen lassen, und wie an eine inhaltliche Analyse herangegangen werden kann.
Andreas Gryphius, Es ist alles eitel (1636/37)
Andreas Gryphius lebte im 17. Jahrhundert und gilt hierzulande als der bedeutendste Dichter und Dramatiker des Barock. Seiner Feder entstammen überwiegend Sonette, Oden, Epigramme sowie Trauer- und Lustspiele, die allesamt vom Dreißigjährigen Krieg geprägt sind und sich mit Themen wie Tod, Verlust und Leid auseinandersetzen.
Werfen wir nun einen Blick auf eines seiner Gedichte und schauen uns an, wie Gryphius die Regeln des Sonetts äußerlich wie inhaltlich umgesetzt hat.
Es ist alles eitel
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein,
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.
Was itzund prächtig blüht, soll bald zutreten werden.
Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t.
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
Ist dir beim Lesen die kurze Sprechpause in der Mitte der Verse aufgefallen? Das ist die Zäsur und typisch für den Alexandriner. An der Stelle steht häufig ein Komma, um die Pause auch optisch deutlich zu machen. Aber wie du in der letzten Zeile des ersten Quartetts siehst, ist das kein Muss.
Wie du weißt, wird die Zäsur auch zu inhaltlichen Zwecken genutzt, nämlich um Gegensätze, Widersprüchliches oder These und Antithese einander gegenüberzustellen. In der ersten Strophe ist das in den Versen 2 und 3 besonders gut zu erkennen. Darin stellt Gryphius Leben und Vergänglichkeit bzw. Zerstörung gegenüber. Das siehst du an Gegensatzpaaren „heute“ – „morgen“, „aufbauen“ – „einreißen“ sowie „Städte“ – „Wiese“.
Findest du in den folgenden Strophen noch weitere Gegensätze?
In dem Sonett beschäftigt sich Gryphius also mit der Nichtigkeit des Menschen und der Natur. Nichts ist von Dauer, nichts hat Bestand. Was heute ist, muss morgen nicht mehr sein. Und so bleibt dem Menschen nur die Hoffnung, nach dem Tod die gewünschte Ewigkeit zu finden – ein Thema, das für den Barock sehr typisch ist.
Schauen wir uns nun die äußere Form an: Die Abfolge von unbetonter und betonter Silbe wiederholt sich hier sechsmal, sodass ein Vers aus insgesamt zwölf Silben besteht. In Ausnahmefällen (wie hier in Zeile 1) erscheint am Ende eines Verses auch mal eine 13. (unbetonte) Silbe, was typisch für die Sonette der Barockzeit ist. Endet eine Verszeile betont, ist von einer männlichen Kadenz die Rede und von einer weiblichen Kadenz, wenn sie nicht betont wird. Der letzte Vers der Strophe ist durch die fehlende 13. Silbe „unvollständig“, auch katalektisch genannt. Hier haben wir es also mit einer weiblichen Kadenz zu tun (Zeile 1) und einem katalektischen Vers in Zeile 4. Zeile 2 und 3 haben hingegen eine männliche Kadenz.
Sieh dir nun die Enden der Verse genauer an. Sie verraten dir, welches Reimschema die Strophe aufweist. Hier reimen sich Vers 1 und 4 („Erden“ – „Herden“) und Vers 2 und 3 („ein“ – „sein“), also handelt es sich um einen umarmenden Reim (abba). Der erste und letzte Vers umarmen die beiden mittleren. In den Terzetten gibt es mehrere Möglichkeiten, nämlich cdc/dcd, cde/cde oder ccd/eed. Letztere findest du in unserem Beispiel von Gryphius. Dabei handelt es sich um einen Schweifreim: Die ersten beiden Verse des Terzetts bilden einen Paarreim (hier: cc), gefolgt von einem umarmenden Reim (hier: d/eed), der in der letzten Zeile des ersten Terzetts beginnt und sich über beide Strophen erstreckt.
Johann Wolfgang von Goethe, Natur und Kunst (1800)
Johann Wolfgang von Goethe gilt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren schlechthin. Nicht wenige seiner Werke gehören zur Weltliteratur. Sein Leben und Schaffen umfassen die Epochen Sturm und Drang (1765 bis 1785) und Weimarer Klassik (1786 bis 1832); in Letzterer entstand unser Beispiel, sein Sonett Natur und Kunst. Zu seinem Gesamtwerk gehören Romane, Dramen und Gedichte. Das Sonett ist nur eine von vielen Gedichtarten, die Goethe im Laufe seines langen Lebens zu Papier brachte.
Natur und Kunst
Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
Und haben sich, eh’ man es denkt, gefunden;
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.
Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst, in abgemessnen Stunden,
Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.
So ist’s mit aller Bildung auch beschaffen.
Vergebens werden ungebundne Geister
Nach der Vollendung reiner Höhe streben.
Wer Großes will, muss sich zusammenraffen.
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.
Ist dir im Vergleich zu dem Gedicht von Gryphius etwas aufgefallen? Goethe folgt nicht nur in Bezug auf das Versmaß der ursprünglichen, italienischen, Form des Sonetts. In seinen Versen gibt es keine Zäsur und These und Antithese stehen sich nicht innerhalb einer Zeile gegenüber. Auch das machten bereits die Italiener so. In der Weimarer Klassik besannen sich die Autor*innen auf die Formen der Antike zurück. Goethe brach also bewusst mit den Regeln des Barock.
Auf den ersten Blick lässt sich erkennen, dass auch Goethe der strengen Form von zwei Quartetten und zwei Terzetten folgte. Das Versmaß ist allerdings ein anderes, als es im Barock beliebt war, und zwar der fünfhebige Jambus. Der wurde zuvor bereits in Italien genutzt. Die einzelnen Verse bestehen aus elf Silben und nicht mehr aus zwölf bis dreizehn. Dadurch enden alle Verse des Gedichts mit einer weiblichen Kadenz.
Wenn du dir nun das Reimschema anschaust, findest du auch hier in den beiden Quartetten einen umarmenden Reim. Goethe nimmt das Schema aber nicht ganz so streng, denn die beiden Paare „bemühen – glühen“ und „fliehen – anzuziehen“ sind genau genommen kein Reim. Die Terzette aber folgen regulär dem Schema cde/cde, was verschränkter Reim genannt wird.
In dem Sonett widmet sich Goethe (wie der Titel schon verrät) den Themen Natur und Kunst. Diese werden gleich zu Beginn personifiziert, was durch das Verb „fliehen“ verbildlicht wird. Dadurch wird der Anschein erweckt, dass die beiden nicht zusammengehören, sondern einander gegenüberstehen. Im zweiten Vers aber folgt die Widerlegung (sie „haben sich gefunden“). Das lyrische Ich verrät, dass der anfänglich verspürte „Widerwille“ nun „verschwunden“ ist (Vers 3) und es sich zu beiden hingezogen fühlt (Vers 4).
Mit dem lyrischen Ich ist der Sprecher eines Gedichts gemeint, der nicht mit dem Verfasser gleichzusetzen ist. Wenn Goethe hier also von „mir“ und „mich“ spricht, ist das eine fiktive Perspektive und nicht seine persönliche. Das gilt auch für andere Literaturgattungen. In Romanen spricht man beispielsweise vom erzählenden Ich oder Ich-Erzähler.
In der zweiten Strophe wird die Auseinandersetzung mit der Kunst thematisiert, durch welche die Natur wieder „glühen“ kann. Das lyrische Ich vertritt also die Meinung, der Mensch könne die Kunst durch Disziplin wieder in Einklang mit der Natur bringen. Die Natur ist hier Symbol für Harmonie – ein zentraler Aspekt der Literatur der Weimarer Klassik. Durch Disziplin und Fleiß finde der Mensch also Ausgeglichenheit und Frieden mit sich selbst.
Die Weimarer Klassik umfasst die Zeit nach Goethes erster Italienreise 1786 bis zu seinem Tod im Jahr 1832. Die zentralen Aspekte sind Harmonie, das Schöne, Wahre und Gute und das Streben nach einem idealen Menschenbild, das in Einklang lebt mit der Natur. Bildung und Vernunft erhielten in der Zeit große Bedeutung. Der Mensch sollte sich frei und seinen Fähigkeiten entsprechend entfalten und entwickeln können. Die Autor*innen der Klassik fanden sich in den Werken der Antike wieder, die von klaren Formen, harmonischem Ausdruck und herausragender Ästhetik bestimmt waren.
Rainer Maria Rilke, Frühling ist wiedergekommen (1922)
Rainer Maria Rilke lebte von 1875 bis 1926 und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Moderne. Am bekanntesten sind seine Gedichte, aber auch Erzählungen und Romane zieren sein Gesamtwerk. Werfen wir einen Blick auf sein Sonett Frühling ist wiedergekommen und schauen, wie sich die Gedichtart im Laufe der Zeit verändert hat.
Frühling ist wiedergekommen
Frühling ist wiedergekommen. Die Erde
ist wie ein Kind, das Gedichte weiß;
viele, o viele.… Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.
Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne, das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kanns, sie kanns!
Erde, die frei hat, du glückliche, spiele
nun mit den Kindern. Wir wollen dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.
O, was der Lehrer sie lehrte, das Viele,
und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stammen: sie singts, sie singts!
Äußerlich hält sich Rilke an die Einteilung der Strophen in zwei Quartette und zwei Terzette. Die einzelnen Verse aber sind von unterschiedlicher Länge, also von uneinheitlicher Silbenzahl – Rilke weicht somit deutlich von den bislang geltenden strengen Sonettregeln ab. Statt dem üblichen umarmenden Reim wählt er in den Quartetten einen Kreuzreim (abab), für die Terzette aber den verschränkten Reim (cde, cde), der für Sonette typisch ist.
Wie sieht es inhaltlich aus? Gleich zu Beginn der ersten Strophe vergleicht er die Erde im Frühling mit einem Kind, „das Gedichte weiß“. Im zweiten Teil aber ist von einem Vergleich keine Rede mehr. Da ist die Erde das Kind, das für seinen Fleiß belohnt wird. In der zweiten Strophe erscheint der Winter als der „strenge“ Lehrer mit seinem weißen Bart. Der Preis des Kindes, das das Gelernte verinnerlicht hat, zeigt sich in der Erde, die die Frühlingsfarben hervorbringen kann.
Im ersten Terzett ist die Erde das Kind, das „frei hat“. Nach dem Lernen darf es sich zu den anderen Kindern gesellen und spielen. Im zweiten wird der trockene Schulstoff thematisiert, die „Wurzeln“ und „Stämme“, durch die es gelingt, den trockenen Böden und kahlen Bäumen des Winters neues Leben einzuhauchen.
Wie du siehst, behält Rilke die grundlegende Struktur bei, Gegensätze darzustellen. Aber wie schon Goethe nutzt er dazu nicht mehr einen einzelnen Vers, sondern mehrere. Der alte Lehrer steht dem jungen Kind gegenüber wie der Winter dem Frühling, der trockene Stoff der bunten Farbenpracht.
Sonettzyklen
Zu den Zeiten der hier genannten Dichter gab es viel weniger Unterhaltungsmedien als heute und verhältnismäßig wenige Dichter*innen. Dadurch kannte man die Werke untereinander und konnte auf sie reagieren. So kam es gelegentlich auch zu Streitgesprächen und Diskussionen in den einzelnen Werken.
Das heißt, war ein Dichter mit der Aussage eines Gedichts eines Dichterkollegen nicht einverstanden oder wollte etwas hinzufügen, reagierte er mit einem eigenen Werk, in dem er darauf Bezug nahm und seine Meinung darin verarbeitete. Die Form des Gedichts wurde dabei stets beibehalten, meist auch der Reim, weshalb das Sonett für diese künstlerische Art der Auseinandersetzung ideal war. Ein solches Streitgespräch wird als Tenzone bezeichnet und konnte mehrere Gedichte umfassen. Verbreitet war diese Form überwiegend in Italien. Bekannte Vertreter sind Francesco Petrarca und Dante Alighieri.
Einige Dichter*innen haben nicht nur einzelne Sonette, sondern ganze Sonettzyklen geschrieben. Das heißt, sie haben mehrere Sonette zu einem Thema verfasst. Eine solche Zyklusart ist der Sonettenkranz. Wie das Gedicht folgt auch er einer strengen Form. Der Sonettenkranz umfasst insgesamt 15 Sonette: 14 Einzelsonette gefolgt von einem Meistersonett. Jedes Einzelsonett beginnt mit der Wiederholung des letzten Verses des vorherigen Gedichts, knüpft also daran an. Das Meistersonett besteht aus den jeweils letzten Versen der Einzelsonette. Einen solchen Kranz zu verfassen, ist also gar nicht so leicht. Im Gegensatz zur Tenzone hat sich der Sonettenkranz auch in Deutschland durchgesetzt. Die bekanntesten Vertreter sind Goethe, Schiller und Rilke.
Woher kommt das Sonett?
Die ersten Sonette entstanden im 13. Jahrhundert in Italien. Sie waren teils umfangreicher und folgten einer weniger strengen Form, als sich später etablierte. Auch gab es sprachlich bedingte Unterschiede, denn die meisten italienischen Wörter enden unbetont. Dadurch ergeben sich in den italienischen Sonetten meist elf Silben pro Vers – mit Betonung auf der zehnten Silbe – und eine weibliche Kadenz. Zu den bekanntesten Vertretern Italiens gehören Francesco Petrarca, Dante Alighieri und Guido Cavalcanti.
Es gab diverse Versuche, den Aufbau des Sonetts ins Deutsche zu übertragen, was sich aber durch die unterschiedlichen Sprachstrukturen als sehr schwer herausstellte. Im Barock gelang es Martin Opitz, indem er das Versmaß änderte und auf den Alexandriner zurückgriff. Weitere Dichter*innen taten es ihm gleich, und so wurde das Sonett im 16. Jahrhundert auch in Deutschland bekannt und erfreute sich großer Beliebtheit.
In England entdeckten die Dichter*innen das Sonett ebenfalls als geeignete Form, insbesondere William Shakespeare, John Donne und Edmund Spenser. Auch sie änderten die italienische Form ab, sodass sich dort drei Terzette als Einstieg etablierten, auf die ein heroic couplet folgte, ein Zweizeiler. Dort wurde wiederum der fünfhebige Jambus genutzt.
Ende des 18. Jahrhunderts gewann das Sonett im deutschsprachigen Raum neuen Aufwind. Die neue Dichtergeneration verabschiedete sich vom Alexandriner (der schon seit dem Sturm und Drang nicht mehr sonderlich beliebt war) und nutzte wie die Engländer den fünfhebigen Jambus. Anzahl und Art der Strophen behielten sie jedoch bei. Zu den Hauptvertretern gehörten Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Wilhelm Schlegel und Friedrich Hölderlin und später Rainer Maria Rilke und Georg Trakl.
Sonett – das Wichtigste in Kürze
- Das Sonett stammt aus Italien (13. Jahrhundert) und gelangte im Barock (16. Jahrhundert) nach Deutschland. Die Form variiert je nach Epoche, ist in den Grundzügen jedoch gleichgeblieben.
- Sonette haben 14 Verse, die sich auf zwei Quartette und zwei Terzette aufteilen.
- Sie folgen einem bestimmten Reimschema, das aber je Epoche variiert: Meistens befindet sich in den Quartetten ein umarmender Reim und in den Terzetten ein Schweifreim, ein verschränkter Reim oder ein Kreuzreim.
- Der Versmaß ist in der Regel alternierend. Das heißt, die Silben werden abwechselnd unbetont und betont. Meistens wird ein Jambus verwendet.
- Inhaltlich werden Gegensätze oder Widersprüche hervorgehoben oder These und Antithese einander gegenübergestellt.
- Sonette wurden häufig auch in Zyklen geschrieben. In Italien wurden sie zu Tenzonen (Streitgesprächen) genutzt und in Deutschland ganze Sonettenkränze verfasst.
- Wichtige Vertreter in Deutschland sind Martin Opitz und Andres Gryphius (Barock), Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller (Klassik) und Rainer Maria Rilke (Moderne).
In welcher Epoche gelangte das Sonett nach Deutschland?