Deutsch – Fabel

Du sollst eine Fabel schreiben und weißt noch gar nicht genau, was das ist? Keine Sorge, wir haben in diesem Artikel alles über die Fabel für dich aufbereitet. Wie ist eine Fabel aufgebaut? Welche Merkmale weist sie auf? Steig direkt ins Thema ein.

Die Fabel: Eine kurze Erzählung mit klugem Ende

Der Hase und die Schildkröte stritten sich, wer wohl der Schnellere sei. Sie verabredeten sich zu einem Wettrennen. Während des Rennens ließ sich der schnelle Hase ablenken und legte sich am Ende sogar kurz für ein Nickerchen ins Gras. Er wurde erst wach, als die Schildkröte unter tosendem Applaus über die Ziellinie ging.

Diese Erzählung gehört zu den bekanntesten Fabelgeschichten. Sie lehrt uns, dass es nicht die Schnelligkeit ist, die uns ans Ziel bringt – mit Beharrlichkeit und Ausdauer kommen wir auch an. Die Lehre am Ende ist ein Aspekt, der eine Fabel ausmacht. 

Was eine Fabel ist, wie sie aufgebaut ist und welche Merkmale sie aufweist, zeigen wir Dir jetzt.


Die Fabel: Eine Geschichte mit Moral

Fabelgeschichten sind Erzählungen, die menschliches Verhalten verdeutlichen und kritisieren. Liest Du eine Fabel aufmerksam durch, kannst Du am Ende immer eine Lehre daraus ziehen. Anhand der Schilderung einer einzelnen Handlung zeigt eine Fabel auf, wie wir Menschen uns klug und fair verhalten können.

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Fabel: Definition und Entstehung

Der Begriff Fabel hat seinen Ursprung im Lateinischen: Fabula bezeichnet eine Rede bzw. Erzählung. Diese Erzählung zeichnet sich durch ihre Kürze und ihre lehrende Absicht aus.

Wann ist die Fabel entstanden?

Die ersten Fabeln entstanden bereits im 3. Jahrtausend vor Christus. Sie dienten den Menschen zur Unterrichtung und Erziehung der Jugend. Der Dichter Äsop gilt heute als Begründer der Fabeldichtung in Europa. Er soll im 6. Jahrhundert v. Chr. in Griechenland gelebt haben. Allerdings ist dies nicht belegt, er ist eher eine Legende als eine historische Figur.

Fabeln hingegen gibt es ganz sicher und sie sind eng verknüpft mit dem Namen Äsop. Oft werden diese Erzählungen auch als äsopische Fabeln bezeichnet. Besonders beliebt waren Fabeln im europäischen Raum während der Aufklärung (1685 - 1815). Der Dichter Gotthold Ephraim Lessing gilt als bedeutendster Verfasser von Fabeln in Deutschland. 

Mit dem Ende seines Schaffens nahm auch die Bedeutung von Fabeln ab. Seit dem 19. Jahrhundert richten sich Fabeln nur noch an junge Leser. In der Moderne wurde die Fabel nicht mehr weiterentwickelt.

Aufbau einer Fabel: Die drei wesentlichen Teile

Eine Fabel besteht immer aus drei Teilen:

  • dem einleitenden Erzählteil
  • dem Haupt- bzw.  Dialogteil und
  • der Lösung, aus der Du eine Lehre ziehen kannst.

Schauen wir uns diese Teile am Beispiel der Fabel vom Fuchs und dem Raben genauer an!

Einleitung / Erzählteil: Einführung in die Situation

Im Erzählteil werden die handelnden Fabeltiere und die Ausgangssituation vorgestellt. 

In unserem Beispiel begegnet der Fuchs einem Raben, der ein Stück Käse gefunden hat und dieses auf einem Baum sitzend verspeisen möchte.

„Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute in Ruhe verzehren. Da es aber der Raben Art ist, beim Essen nicht schweigen zu können, hörte ein vorbeikommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen.“

Hauptteil / Dialogteil: Streit der Protagonisten

Im Dialogteil wird der Konflikt zwischen den handelnden Fabeltieren beschrieben. Dabei wird auch deutlich, welche menschlichen Eigenschaften die handelnden Tiere verkörpern. 

Der Konflikt in unserer Beispiel-Fabel besteht darin, dass der Fuchs dem Raben den Käse wegnehmen und selbst verspeisen möchte. Er kommt aber nicht heran, weil der Rabe sich in einem Baum niedergelassen hat. Also überlegt er sich eine Strategie und beginnt, dem Raben Komplimente zu machen.

„Er lief eilig hinzu und begann den Raben zu loben: »O Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen!“

Schluss / Lösung: Die Wende in der Geschichte und die Moral

Der dritte Teil der Fabel dient dazu, dem Leser eine bestimmte Lehre näherzubringen. Dazu schildert der Autor, wie der Konflikt der Tiere endet. 

Hier tritt die Wende ein, indem der Rabe sich von den Worten des Fuchses so geschmeichelt fühlt, dass er beginnt, ihm etwas vorzusingen. Als er dabei seinen Schnabel öffnet, fällt der Käse runter, sodass er Fuchs ihn sich schnappen kann. Er greift sich den Käse und lacht über den Raben, der auf seinen Trick hereingefallen ist.

„Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, daß er seinen Schnabel weit aufsperrte, um dem Fuchs etwas vorzusingen. Dabei entfiel ihm der Käse. Den nahm der Fuchs behend, fraß ihn und lachte über den törichten Raben.“

Aus dieser Fabelgeschichte lässt sich diese Moral ziehen: Sei nicht zu eitel und hüte Dich vor Schmeicheleien, am Ende geht es den Menschen, die Dir Komplimente machen, gar nicht um Dich, sondern darum, ihre eigenen Ziele zu erreichen. 

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Merke

Wenn Du selbst eine Fabel schreibst, überlege Dir im ersten Schritt, welche Lehre der*die Leser*in daraus ziehen soll. Denn die Moral legt den Grundstein für die gesamte Fabelgeschichte. Du kannst dir auch unseren Artikel "Gedichte, Dialoge, Märchen und Fabeln selbst schreiben" durchlesen.


Merkmale einer Fabel: Das zeichnet die Erzählungen aus

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die wesentlichen Merkmale einer Fabel. Diese Eigenschaften zeichnen die Fabelgeschichten aus und helfen Dir dabei, eine Fabel zu erkennen. 

Beachte aber: Nicht jede Fabel weist jedes einzelne dieser Merkmale auf. Eine Erzählung kann auch eine Fabel sein, wenn eines oder mehrere dieser Merkmale fehlen.

Kurze Erzählung: Auf den Punkt gebracht

Bei Fabelgeschichten handelt es sich um kurze Erzählungen. Hier werden nur wenige Ereignisse geschildert und die Autoren beschränken sich auf das Wesentliche. Es gibt keine komplizierten Handlungsstränge, sondern der Fokus liegt auf einem Konflikt und seiner Lösung, aus der Du eine Lehre für Dich ziehen kannst.

Einfache Sprache und Handlung: Leicht zu verstehen

Fabeln sind meist in einer einfachen Sprache verfasst. So können die Erzählungen ein breites Publikum erreichen. Sie sind oft humorvoll und unterhaltsam formuliert, sodass sie ihre Lehre mit einer gewissen Leichtigkeit transportieren.

Ähnlich wie bei Märchen steht bei Fabeln eine Handlung im Mittelpunkt. Es gibt keine detaillierten Beschreibungen von Kulissen und Charakteren. Die wenigen handelnden Figuren (Tiere, Fabelwesen oder Pflanzen) müssen nicht beschrieben werden, weil sofort klar wird, welche Rolle sie spielen. 

Sie erfahren auch keine charakterliche Wandlung, sondern verkörpern eine bestimmte menschliche Eigenschaft. Dies dient dazu, dem Menschen einen Spiegel vorzuhalten und ihm sein (fehlerhaftes) Handeln zu verdeutlichen.

Keine Ortsangabe oder Zeitangabe

Zwar sind Fabeln meistens im Präteritum verfasst, allerdings kommen sie ohne konkrete Angaben zu Ort und Zeit aus. Da sie immer allgemeingültige Themen ansprechen, spielen der genaue Ort und die Zeit überhaupt keine Rolle. Sitzt etwa der Rabe in unserer Beispiel-Fabel auf einem Baum, spielt es für die Erzählung keine Rolle, in welchem Wald dieser Baum steht oder in welchem Jahr die Handlung spielt. 

Protagonisten: Tiere und Pflanzen

In einer Fabel kommen keine Menschen vor. Die handelnden Figuren sind immer Fabeltiere oder Fabelwesen, manchmal sogar Pflanzen. Allerdings wird schnell deutlich, dass diese Tiere an Stelle von Menschen auftreten: Sie sind eindeutig als Personifikationen menschlicher Eigenschaften erkennbar.

Dabei sind die Fabeltiere längst nicht so vielseitig wie Menschen. Sie verkörpern in der Regel nur wenige Eigenschaften, diese aber umso deutlicher. Das erkennst Du etwa am listig-schlauen Fuchs, dem faulen und störrischen Esel oder dem bösen Wolf.

Da diese Eigenschaften als typisch für diese Tiere angesehen werden, diese also immer auf dieselbe Art charakterisiert werden, weißt Du häufig schon am Anfang einer Fabel, worauf sie hinausläuft.  Gibt es etwa einen Konflikt zwischen einem starken Löwen und einer flinken und gewitzten  Maus, kannst Du Dir denken, dass die Maus dem Löwen am Ende „überraschend“ überlegen ist.

Typisch für die Fabeltiere sind aber nicht nur ihre Eigenschaften, sondern auch ihre Namen. Einige davon hast Du bestimmt schon einmal gehört.

TierFabelnameEigenschaften
AffeMartineitel, hinterhältig
BärBraun, (Meister) Petzfreundlich, gemütlich, ein bisschen naiv
DachsGrimbartausgeglichen, nachdenklich
EselLangohr Boldegynfaul, störrisch
FuchsReinecke, Reinhartdurchtrieben, listig
HahnHenningeitel, hochnäsig
Hase(Meister) Lampeängstlich, vorsichtig
KaterHinze, Murner, Murreigensinnig, stur
Löwe
König der Tiere, Leomajestätisch, stark
RabePflückebeuteldiebisch, eitel
SchafLambschwach, unschuldig
Storch(Meister) Adebargelehrt, hochmütig
WolfIsegrimböse, gierig
ZiegeMetkeleichtgläubig, unzufrieden
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Gut zu wissen

Meistens stehen die beiden Tiere, um die es geht, schon im Titel einer Fabel. Beispiele dafür sind etwa „Der Fuchs und der Rabe“, „Der Löwe und die Maus“ oder „Der Hase und die Schildkröte.“

Typische Themen von Fabeln: Freundschaft, Neid und Gier

In den meisten Fabeln geht es um bestimmte Konflikte, die in der Gesellschaft immer wieder auftauchen. Das sind einerseits Konflikte zwischen starken und schwachen Figuren, die das Verhältnis mächtiger Personen zum einfachen Volk widerspiegeln. 

Andererseits spielen Themen wie Neid, Gier, Ehrlichkeit und Freundschaft oft eine Rolle. Fabeln sind oft sozialkritisch und zeigen dem*der Leser*in menschliche Schwächen und Fehlverhalten auf.

Die Moral: Keine Fabel ohne lehrreiches Ende

Das Ziel einer Fabel ist nicht allein die Unterhaltung. Der Autor möchte Dir vor allem etwas beibringen. Der Verlauf des geschilderten Konflikts und die Lösung am Ende transportieren immer eine Lehre, die der*die Leser*in auf das eigene Leben anwenden kann.

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Gut zu wissen

Fabeln kritisieren häufig gesellschaftliche Verhältnisse. Um nicht bestraft zu werden, wählten die Verfasser Tiere als Protagonisten. So konnten sie ihre Kritik an den Mächtigen indirekt äußern, ohne konkrete Namen zu nennen.


Merkmale einer Fabel: Das Beispiel „Der Löwe und die Maus“

Lass’ uns gemeinsam einen Blick auf die Fabel vom Löwen und der Maus (Äsop, etwa 550 v. Chr.) werfen. Hier erkennst Du sicher einige Merkmale wieder.

Als der Löwe schlief, lief ihm eine Maus über den Körper. Aufwachend packte er sie und war drauf und dran, sie aufzufressen. Da bat sie ihn, er solle sie doch freilassen: „Wenn du mir das Leben schenkst, werde ich mich dankbar erweisen.“ Lachend ließ er sie laufen. Es geschah aber, dass bald darauf die dankbare Maus dem Löwen das Leben rettete. Denn als er von Jägern gefangen und mit einem Seil an einen Baum gebunden wurde, hörte ihn die Maus stöhnen. Sie lief zu ihm und indem sie das Seil rundherum benagte, befreite sie ihn. „Damals“, sagte sie, „hast du gelacht über mich und nicht erwartet, dass ich es dir vergelten könne, jetzt weißt du, dass auch Mäuse dankbar sein können!“

  • Inhalt und Aufbau: Die Erzählung ist recht kurz und Du erkennst deutlich die drei typischen Teile einer Fabel: Erzählteil, Dialogteil und Lösung. Die Sprache ist ebenso wie die geschilderte Handlung eher einfach.
  • Keine Angabe des Ortes oder der Zeit: Der Inhalt der Fabel ist allgemeingültig.
  • Protagonisten: Löwe und Maus sind die einzigen handelnden Figuren, während die Jäger nur am Rande erwähnt werden. Beide weisen typische Eigenschaften auf: Der Löwe ist stark und königlich, die Maus ist flink und ein wenig kess.
  • Thema: Typisch für Fabeln geht es um das Verhältnis zwischen den Mächtigen und (vermeintlich) schwächeren Mitgliedern des Gesellschaft.
  • Moral: Die Fabelgeschichte zeigt, dass der starke Löwe die kleine Maus zunächst unterschätzt. Diese zeigt ihm am Ende aber, dass auch die Kleinen zu großen Taten fähig sind.

Berühmte Fabelgeschichten im Überblick

Es gibt eine ganze Reihe von Fabelgeschichten. Besonders beliebt sind die Fabeln von Äsop, Gotthold Ephraim Lessing und Jean de La Fontaine. Wir können hier nur eine Auswahl auflisten.

Fabeln von Äsop:

  • Die Ameise und die Heuschrecke
  • Der Fuchs und die Trauben
  • Der Löwe und das Mäuschen
  • Die Schildkröte und der Hase
  • Vom Fuchs und Raben

Fabeln von Lessing:

  • Der Adler und die Eule
  • Der Bär und der Elefant
  • Die Eiche und das Schwein
  • Der Esel und das Jagdpferd
  • Die Grille und die Nachtigall

Fabeln von de La Fontaine:

  • Der Fuchs und der Hahn
  • Der Hase und die Frösche
  • Der Kater und die alte Ratte
  • Der Löwe und die Maus
  • Der Rabe und der Fuchs

Zusammenfassung: Das Wichtigste zum Thema Fabeln

  • Eine Fabelgeschichte ist eine kurze Erzählung mit einer lehrenden Absicht.
  • Entstanden sind Fabeln schon im 3. Jahrtausend v. Chr.
  • Ihr Blütezeit hatten sie in Europa im 18. Jahrhundert.
  • Der griechische Dichter Äsop gilt als Begründer der Fabeldichtung.
  • Gotthold Ephraim Lessing war ein bedeutender Verfasser deutschsprachiger Fabeln.
  • Die Protagonisten in Fabeln sind immer Tiere oder Pflanzen, die menschliche Eigenschaften haben und typisches menschliches Verhalten zeigen.
  • Fabelgeschichten behandeln gesellschaftliche Konflikte.
  • Die Sprache von Fabeln ist sehr einfach, um ein breites Publikum zu erreichen.
  • Der Aufbau einer Fabel ist immer gleich: Erzählteil, Dialogteil und Lösung.
  • Jede Fabel transportiert eine Moral, die am Ende formuliert werden kann oder sich aus dem Inhalt ergibt.
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