Deutsch: Emilia Galotti

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Emilia Galotti

Emilia Galotti ist ein Bürgerliches Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing und wurde 1772 uraufgeführt. Wie du vielleicht weißt, fällt das Jahr in die Zeit der Aufklärung, die sich etwa von 1720 bis 1800 ereignete und den Beginn der modernen Zeit markiert. Heute verstehen wir darunter eine bürgerliche Bewegung, die sich in ganz Europa ausbreitete und das Denken der Menschen grundlegend veränderte. Erstmals wurde das Gesellschaftssystem infrage gestellt. Die Literatur wurde zum Sprachrohr für Kritik am Adel und der Herrschaftsordnung sowie für die zentralen aufklärerischen Themen Vernunft und Moral. Lessing nutzte das Drama, um dem Bürgertum eine Bühne zu geben, und gilt seither als Begründer des Bürgerlichen Trauerspiels.

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Gut zu wissen

Das Bürgerliche Trauerspiel ist eine Untergattung des Dramas, das im 18. Jahrhundert aufkam, als die Interessen des Bürgertums mehr und mehr an Bedeutung gewannen. Bislang hatte in Bühnenstücken stets der Adel im Mittelpunkt gestanden. Emilia Galotti ist eines der bekanntesten Werke dieser Gattung.

Typisch für das Bürgerliche Trauerspiel ist der Ständekonflikt zwischen Adel und Bürgertum, der auch in Emilia Galotti vorherrscht. Lessing bricht mit den bisher geltenden Regeln für Tragödien, die auf Aristoteles zurückgehen, auf mehrere Weisen: Hauptfigur ist eine Bürgerliche und das Hauptaugenmerk nicht länger der soziale Stand. An dessen Stelle treten Tugend und Moral. Was er jedoch beibehält, ist der Aufbau in fünf Aufzügen. Außerdem vollzieht sich die gesamte Handlung an einem Tag.

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Merke

Dramen sind in der Regel in drei oder fünf Aufzüge oder Akte eingeteilt, die sich wiederum aus Szenen oder Auftritten zusammensetzen. Die Bezeichnungen variieren, sodass du in der Literatur mal die eine oder die andere findest. Lessing verwendet in Emilia Galotti Aufzug und Auftritt.

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Worum gehts? – Zusammenfassung

Die Handlung dreht sich um die titelgebende Figur Emilia Galotti und findet in Guastalla statt, eine Stadt im Norden Italiens. Der Prinz von Guastalla ist in das bürgerliche Mädchen verliebt. Als er erfährt, dass sie den Grafen Appiani heiraten soll, beauftragt er seinen Kammerherrn, die Hochzeit zu verhindern. Dieser lässt den Grafen töten und Emilia entführen. Ihr Vater, Odoardo Galotti, macht sie ausfindig und versucht, sie zu befreien. Als das aber aussichtslos erscheint, bittet Emilia ihn, sie zu töten, um ihre Tugend zu retten. Schweren Herzens ersticht ihr Vater sie

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Vertiefung

Ein Kammerherr ist ein Adeliger niedrigeren Rangs, der meist am Hof eines Fürsten oder Königs in dessen Dienst steht. Er hat dort eine gehobene Position und ist in der Regel für die Aufsicht über die Räumlichkeiten verantwortlich. 

Inhaltsangabe

Erster Aufzug

Der Prinz von Guastalla, Hettore Gonzaga, bearbeitet Bittschriften und stößt dabei auf den Namen Emilia. Sogleich wird er an Emilia Galotti erinnert, der er kürzlich mit ihrer Mutter begegnet war und in die er sich auf Anhieb verliebt hatte. Sein Kammerdiener bringt einen Brief der Mätresse des Prinzen, der Gräfin Orsina, den er ungelesen beiseitelegt. Kurz darauf erscheint der Maler Conti mit einem Porträt der Gräfin, das der Prinz in Auftrag gegeben hatte. Ihr Anblick trägt jedoch nicht dazu bei, seine einstigen Gefühle für sie neu zu entflammen. Conti präsentiert ihm ein weiteres Bild, das ein anderer Kunde bestellt hatte, nämlich Odoardo Galotti. Es zeigt seine Tochter Emilia. Der Prinz ist hin und weg und kauft kurzerhand beide Gemälde. Wenig später erfährt er von seinem Kammerherrn Marinelli, dass Emilia Galotti noch am selben Tag den Grafen Appiani heiraten soll, und gewährt ihm freie Hand, dies zu verhindern. In seinem aufgewühlten Zustand will er aber auch selbst tätig werden und eilt in die Kirche, wo er hofft, Emilia über den Weg zu laufen.

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Gut zu wissen

Eine Bittschrift ist wortwörtlich eine Schrift, in der um etwas gebeten wird. Zur Zeit von Emilia Galotti konnten Bürgerliche die herrschenden Adeligen mit einer solchen um Hilfe oder Unterstützung bitten, indem sie die Sachlage schilderten und erklärten, was sie benötigten. Auch heute noch können Bürger*innen mithilfe von Bittschriften ihre Anliegen der Gemeinde- oder Stadtverwaltung vorbringen.

Zweiter Aufzug  

Odoardo Galotti besucht sein Anwesen in der Stadt, um bei den Hochzeitsvorbereitungen nach dem Rechten zu sehen. Seine Tochter ist zur Kirche gegangen, was ihm missfällt, weil sie ohne Begleitung ist. Als er im Gespräch mit seiner Frau, Claudia Galotti, von der Begegnung des Prinzen mit Emilia erfährt, reist er wütend ab. Indes erscheint ein Gehilfe Marinellis, Angelo, und entlockt einem Bediensteten der Galottis, Pirro, Informationen zum Ablauf der Hochzeit. Kurz darauf kehrt Emilia abgehetzt und aufgewühlt von ihrem Kirchgang zurück und berichtet der Mutter, wie der Prinz sie während ihrer Andacht bedrängt habe und sie daraufhin geflohen sei. Marinelli überbringt dem Grafen Appiani die vermeintliche Aufforderung des Prinzen, sogleich nach Massa abzureisen, um dem Herzog eine Nachricht zu überbringen. Appiani lehnt ab und es kommt zu einer Auseinandersetzung, aus der sich Marinelli schließlich zurückzieht.

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Wissens-Check

Massa ist eine Stadt in der Toskana, Italien. In Emilia Galotti lebt dort die Verlobte des Prinzen, die Prinzessin von Massa, die in dem Stück aber nur erwähnt wird und nicht selbst auftritt.

Dritter Aufzug  

Marinelli berichtet dem Prinzen von seinem Gespräch mit Appiani, als plötzlich Schüsse fallen. Der Prinz erfährt, was Marinelli ausgeheckt hat, um die Hochzeit zu verhindern. Seine Handlanger haben die Kutsche überfallen, die den Grafen, Emilia und ihre Mutter zur Trauung bringen sollte, um den Grafen außer Gefecht zu setzen und Emilia zu entführen. Angelo gibt vor, Emilia zur Flucht zu verhelfen, und bringt sie zum Schloss des Prinzen, Dosalo. Erst vor Ort erfährt sie, wo genau sie sich befindet, und will sogleich zurück, um nach ihrer Mutter und ihrem Verlobten zu sehen. Marinelli erfährt, dass der Plan aufgegangen und Appiani tot ist, behält diese Information aber vorerst für sich. Er sorgt dafür, dass der Prinz und Emilia ungestört sind. Bald darauf aber erscheint auch Claudia Galotti auf Dosalo und lässt sich nicht davon abbringen, ihre Tochter zu sehen.  


Vierter Aufzug  

Der Prinz erfährt, was Marinelli ohne sein Wissen unternommen hat, und muss feststellen, dass er sich durch sein eigenes Handeln selbst verraten hat. Hätte er Emilia nicht am Morgen in der Kirche aufgesucht, wären die Ereignisse nicht auf ihn zurückzuführen gewesen. Nun aber deutet alles darauf hin, dass er hinter dem Überfall steckt. Plötzlich erscheint die Gräfin Orsina überraschend auf dem Schloss. Ihren Besuch hatte sie in dem Brief angekündigt, den der Prinz am Morgen nicht gelesen hatte. Marinelli soll sie loswerden. Orsina aber lässt sich nicht so leicht abspeisen und erfährt schließlich von dem Überfall. Als sie herausfindet, dass es Emilia Galotti ist, die Appiani hätte heiraten sollen, und Appiani selbst ums Leben gekommen ist, zählt sie eins und eins zusammen. Odoardo Galotti erreicht das Schloss und sucht seine Frau und Tochter. Während Marinelli ihn ankündigt, weiht ihn Orsina in die Geschehnisse ein und gibt ihm einen Dolch, mit dem er sich am Prinzen rächen soll.


Fünfter Aufzug  

Der Prinz befürchtet, dass Odoardo Galotti Emilia fortbringt. Dieser hegt tatsächlich den Gedanken, sie in einem Kloster unterzubringen. Marinelli versucht, Odoardo davon zu überzeugen, dass sie in der Stadt besser aufgehoben sei, wovon dieser aber nichts wissen will. Also überzeugt er den Vater und den Prinzen, Emilia zunächst der Familie des Kanzlers anzuvertrauen, bis die Ereignisse des Überfalls geklärt seien. Odoardo ist skeptisch, zeigt sich jedoch einverstanden und bittet darum, Emilia noch einmal sehen zu können, bevor sie zum Haus des Kanzlers gebracht wird. Als er mit ihr allein ist, erfährt auch Emilia, dass Appiani nicht mehr am Leben ist. Aus Sorge um ihre Tugend bittet sie ihren Vater, sie zu töten, woraufhin sie dieser mit dem Dolch ersticht. Als der Prinz ihren Leichnam sieht, ist er außer sich vor Verzweiflung. Dennoch lässt er Odoardo am Leben. Die Schuld gibt er seinem Kammerherrn Marinelli und verbannt ihn aus seinem Land

Gotthold Ephraim Lessing

Kaum ein Schriftsteller steht für den Beginn einer neuen Epoche wie Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) für das Zeitalter der Aufklärung. Er gilt als Wegbereiter des Bürgerlichen Trauerspiels und verfasste neben Dramen auch Gedichte, Fabeln und philosophische sowie kritische Schriften. Miss Sara Sampson gilt als das erste Bürgerliche Trauerspiel im deutschsprachigen Raum, gefolgt von Minna von Barnhelm und Emilia Galotti. Daneben gehören das Lustspiel Nathan der Weise sowie seine kunsthistorische Schrift Laokoon zu seinen wichtigsten Werken.

Emilia Galotti – das Wichtigste in Kürze

  • Emilia Galotti ist ein Bürgerliches Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahr 1772

  • Das Trauerspiel besteht aus fünf Aufzügen.

  • Zentrales Thema ist der Gegensatz der herrschenden Willkür des Adels und der aufklärerischen Moral des Bürgertums.

  • Der Prinz verliebt sich in die bürgerliche Emilia und will ihre bevorstehende Hochzeit mit dem Grafen Appiani verhindern.

  • Die Kutsche mit der Hochzeitsgesellschaft wird überfallen und der Graf ermordet.

  • Emilia wird auf das Schloss des Prinzen gebracht, wo ihr Vater sie zu retten versucht

  • Als Emilia bewusst wird, dass sie in der Obhut des Prinzen ihre Tugend nicht wird retten können, wählt sie den Tod.

  • Das Drama endet mit einer Tragödie: Emilia bittet ihren Vater sie zu töten, der sie schweren Herzens ersticht.

  • Gotthold Ephraim Lessing gilt als Begründer des Bürgerlichen Trauerspiels und zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellern des 18. Jahrhunderts. Zu seinen wichtigsten Werken gehören neben Emilia Galotti die Dramen Minna von Barnhelm und Nathan der Weise sowie seine kunsthistorische Schrift Laokoon

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