Deutsch - Dialektische Erörterung
Wenn du wissen willst, wie man eine dialektische Erörterung richtig aufbaut und schreibt, dann bist du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.
Dialektische Erörterung
Früher oder später steht ihr im Deutschunterricht vor der Aufgabe, eine Erörterung zu schreiben. Das ist eine spezielle Art, ein Thema oder eine Frage schriftlich zu diskutieren, quasi eine überzeugende Stellungnahme. Da man sich einer solchen Argumentation auf unterschiedliche Weise nähern kann, gibt es verschiedene Arten von Erörterungen. Die dialektische Erörterung ist eine davon und bringt also ein paar Besonderheiten mit. Daneben gibt es beispielsweise die freie, die textgebundene oder die literarische Erörterung.
„Dialektisch“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich „zum Gespräch“ oder „zur Unterhaltung gehörig“. Der Begriff hat also nichts mit „Dialekt“ zu tun, auch wenn er ihm sehr ähnelt.
Wann eine dialektische Erörterung am besten geeignet ist, erkennst du meist schon an der Aufgabenstellung. „Dialektisch“ bedeutet nämlich, dass man im Gegensatz zu anderen Arten von Erörterungen sowohl die Vor- als auch die Nachteile listet und gegeneinander abwägt. Du erklärst also, was dafür und was dagegen spricht. Häufig findest du dann in der Aufgabenstellung einen Zusatz wie „Diskutiere die Vor- und Nachteile“.
Ziel der dialektischen Erörterung ist es, die Leser*innen von deiner Meinung zu überzeugen. Das machst du, indem du im Textverlauf die Contra-Argumente entkräftest und die Pro-Argumente bestärkst. Zum Schluss ziehst du ein also Fazit, in dem du dich für eine der beiden Seiten entscheidest. Darin erklärst du, warum du so entschieden hast, und beantwortest die eingangs gestellte Frage.
Testen Sie den Testsieger*
- Flexibler Einsatz der 10 gratis Nachhilfestunden, z. B. vor Klassenarbeiten
- Individuelle Profi-Nachhilfe vor Ort oder online
- Für alle Klassenstufen und Schulformen
- 94 % Kundenzufriedenheit*
Vor dem Schreiben
Bevor du mit dem Schreiben loslegst, brauchst du zunächst eine geeignete Fragestellung. Entweder bekommst du diese von deiner Lehrkraft gestellt oder du darfst dir selbst ein Thema aussuchen, das dich interessiert. Wenn du dir selbst eins überlegen darfst, recherchiere solche, die kontrovers sind und womit sich die Menschen zurzeit beschäftigen.
Beispiel 1
Du könntest beispielsweise diskutieren, ob eine Sprachreise in der Mittelstufe verpflichtend sein sollte. Ein Pro-Argument wäre, dass sie allen Schüler*innen ermöglicht, Auslandserfahrung zu sammeln und Sprachkenntnisse vermittelt. Ein Contra-Argument wäre, dass eine solche Reise Kosten mit sich bringt, die sich nicht alle Eltern leisten können. Hier wäre eine weiterführende Recherche notwendig, welche Förderungsmöglichkeiten es für Familien mit einem niedrigeren Einkommen gäbe.
Beispiel 2
Wenn du dich vom Schulkontext entfernen möchtest, könntest du dich mit der Frage beschäftigen, welche Zeitumstellung für uns sinnvoller wäre: Sommer- oder Winterzeit? Für die Sommerzeit spricht, dass es dann auch im Winter morgens länger hell ist. Dafür wird es jedoch abends schneller dunkel. Je nach Arbeitszeit haben manche Menschen dann nie etwas vom Tageslicht. Hier würde es sich anbieten, verschiedene Berufe unter die Lupe zu nehmen, die bestimmte Arbeitszeiten haben, aber auch die regulären Schulzeiten. Welche Zeit wäre dir selbst lieber und warum?
Steht das Thema, verschaffe dir zunächst einen Überblick über die Argumente. Sammle Informationen zu allen Standpunkten, indem du relevante Artikel oder sonstige Texte analysierst und Argumente herausarbeitest. Vielleicht hast du dir schon eine Meinung gebildet, dennoch ist es wichtig, dich auch mit der Gegenseite zu beschäftigen, um begründen zu können, warum deine Argumente überwiegen. Versuche dich dazu in die anderen hineinzuversetzen, um zu verstehen, warum sie so argumentieren und ob es eventuell Lösungsmöglichkeiten gibt, mit denen du deine Position noch stärken kannst. Das bedeutet also erstmal etwas Recherchearbeit. Stütze die Informationen mit Daten, Fakten und Beispielen und achte dabei unbedingt darauf, dass deine Quellen verlässlich sind.
Lege dir am besten eine Tabelle an, in der du die Pro- und Contra-Argumente sammelst und einander gegenüberstellst. Überlege dabei auch schon, welche davon starke und schwache Argumente sind. Dann kannst du dich im Schreibprozess leicht daran orientieren und sie nacheinander abarbeiten. Mach dich anschließend an die Gliederung und notiere dir stichpunktartig, was du in welchem Abschnitt anbringen möchtest.
Die Gliederung
Wie praktisch jede Textart folgt die dialektische Erörterung der gängigen Gliederung: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Mit der Einleitung führst du in das Thema ein und erklärst die Fragestellung. Wie kommt es zu der Frage? Warum ist sie von Bedeutung?
Der Hauptteil beinhaltet deine Argumente. Hier nennst und diskutierst du die Pro- und Contra-Argumente. Es reicht aber nicht, sie einfach nacheinander aufzuzählen. Um deine Leser*innen zu überzeugen, ist eine Strategie vonnöten. Hier haben sich zwei Prinzipien etabliert, welche die argumentative Struktur unterstützen: das Sanduhrprinzip und das Reißverschlussprinzip. Du kannst dir also aussuchen, was dir für dich und deine Fragestellung als besser erscheint.
Das Sanduhrprinzip
Das Sanduhrprinzip kannst du dir bildlich wie eine Sanduhr vorstellen. Nach der Einleitung beginnst du mit dem oberen Glas, aus dem der Sand langsam in das untere hinabrieselt. Ganz egal, für welche Seite du dich entscheidest, beginne stets mit den Gegenargumenten, der Antithese. Diskutiere zuerst die starken und anschließend die Schwachen – je dünner das Sanduhrglas wird, desto schwächer werden auch die Argumente. Der dünnste Teil in der Mitte, nach dem sich der Sand im unteren Glas sammelt, ist der Wendepunkt. Hier drehst du die Argumentation um und nennst die Argumente, mit denen du deine Leser*innen überzeugen möchtest. Du wechselst also von der Antithese zur These. Hier dreht sich also nicht nur die Richtung des Glases, sondern auch deine Argumentation. Beginne mit den schwachen Argumenten und steigere dich Schritt für Schritt zu den starken.
Generell gilt: Unterstütze deine Argumente mit Erläuterungen und Beispielen. Dadurch werden deine Argumente verständlicher und sind einfacher nachzuvollziehen.
Dein Hauptteil endet mit deinem stärksten Argument. Wenn du bis hierhin alles gut und verständlich dargestellt hast, werden deine Leser*innen deiner Argumentation folgen können und idealerweise deine Meinung teilen. Im Schlussteil oder Fazit fasst du deine Hauptargumente noch einmal kurz zusammen und ziehst deine Schlussfolgerung, auch Synthese genannt. Hier beantwortest du quasi die eingangs gestellte Frage und rundest deine Erörterung damit ab.
Das Reißverschlussprinzip
Das Reißverschluss- oder auch Pingpongprinzip funktioniert wie ein Dialog. Im Gegensatz zum Sanduhrprinzip, bei dem du zuerst die gesammelten Argumente der Antithese erläuterst und erst danach die für dich ausschlaggebenden der These, werden sie hier abwechselnd aufgeführt. Wie die kleinen Zähne eines Reißverschlusses werden sie aneinandergereiht oder wie ein Tischtennisball hin und her gespielt.
Wichtig: Die Argumente der Antithese werden absteigend vom stärksten zum schwächsten angeordnet und die der These aufsteigend vom schwächsten zum stärksten. Beginne nach der Einleitung also mit dem stärksten Contra-Argument und folge danach mit dem schwächsten Pro-Argument. So entsteht ein lebendiger Dialog, der die Gegenargumente schrittweise entkräftet und mit deinem stärksten Pro-Argument endet – im besten Fall hast du im Verlauf auch noch den letzten Zweifelnden überzeugt. Im Fazit ziehst du wie gehabt deinen Schluss und beantwortest die Frage.
Formulierungshilfen
Die nachfolgenden Formulierungshilfen sollen dir helfen, deine Satzstruktur abwechslungsreich zu gestalten und deine Argumente gut zu strukturieren. So kannst du eine Erörterung schreiben, die deine Leser*innen nicht nur inhaltlich überzeugt, sondern auch das Lesen Freude bereitet. Generell gilt, und das nicht nur bei dialektischen Erörterungen, sachlich zu bleiben. Auch wenn du eine starke Meinung zu dem Thema hast, solltest du nicht werten, sondern rein auf deine Argumentation setzen.
Einleitung
- Die Frage nach/das Thema ist von großer Bedeutung/Relevanz, seit/weil …
- Das Thema hat sich durch seine wachsende Bedeutung zu … entwickelt, wodurch sich die Frage stellt …
- Angesichts der wachsenden Bedeutung des Themas stellt sich mehr und mehr die Frage/ist die Diskussion um … immer größer geworden.
Wie du siehst, steht in der Einleitung die Relevanz deines Themas beziehungsweise deiner Frage im Vordergrund. Hier geht es darum, den Leser*innen sämtliche Informationen zu liefern, die sie benötigen, um die Ausgangssituation zu verstehen und deine Argumente nachvollziehen zu können.
Hauptteil
Im Hauptteil stehen die Argumente im Vordergrund. Je nachdem, ob du dich für das Sanduhr- oder das Reißverschlussprinzip entscheidest, gibt es verschiedene Formulierungen, die hilfreich sein können. Die meisten aber funktionieren in beiden Varianten.
- Betrachten wir zunächst folgendes [Argument] …
- Meiner Meinung nach …
- Ich finde, dass …
- Viel wichtiger aber ist in diesem Zusammenhang, dass …
- Außerdem/Des Weiteren/Ferner spricht dafür/dagegen …
- Infolgedessen/daher/deswegen …
- Ähnlich wie/Anders als …
Möchtest du Argumente einander gegenüberstellen, bieten sich die folgenden Formulierungshilfen an:
- Einerseits …, andererseits
- Zum einen …, zum anderen
- Zwar …, aber
- Im Gegensatz dazu …
- Während bisher …
Zur Steigerung von Argumenten kannst du auf folgende Formulierungen zurückgreifen:
- Zunächst einmal … außerdem …, aber am wichtigsten ist …
- Von noch größerer Bedeutung ist allerdings …
- Noch überzeugender wirkt jedoch auf mich/erscheint mir …
- Es ist zwar nachvollziehbar, dass … aber dennoch finde ich, dass …
Schluss
- Zusammenfassend lässt sich festhalten …
- Nach genauerer Analyse hat sich gezeigt, dass …
- Diese Erörterung zeigt, wie vielschichtig [das Thema] ist …
- In der Gesamtbetrachtung wird deutlich, dass …
- Abschließend weise ich darauf hin, dass …/vertrete ich die Meinung/Ansicht, dass …
- Schlussendlich möchte ich dazu ermutigen/zu denken geben, …
Tipps zur Vermeidung häufiger Fehler
Achte beim Schreiben darauf, keine unsicheren Formulierungen zu verwenden, wie zum Beispiel: ich denke; ich glaube; vielleicht; vermutlich. Damit nimmst du deinen Argumenten die Glaubwürdigkeit. Wenn du gut recherchiert hast und du die Daten und Fakten kennst, darfst du das auch sprachlich ausdrücken, indem du selbstsicher auftrittst.
Füge nach jedem Themenblock einen neuen Absatz ein, insbesondere, wenn du von der Einleitung zum Hauptteil übergehst und von dort zum Schluss. Aber auch innerhalb der einzelnen Textblöcke können Absätze helfen, deinen Text zu strukturieren. Das kann nach einem Argument sein, aber je nach Länge bietet es sich beispielsweise auch mal an, ein Beispiel oder eine Sachlage in einem eigenen Absatz zu erläutern. So wissen deine Leser*innen, dass etwas Neues beginnt. Das erleichtert nicht nur das Lesen, sondern hilft auch dir, den Überblick zu behalten und deine Argumente zu strukturieren. Willkürliche oder Absätze nach einzelnen Sätzen hingegen irritieren und erschweren das Lesen, da nicht immer klar ist, was wozu gehört.
Lies dir deinen Text anschließend noch einmal gründlich durch und prüfe ihn auf Rechtschreib- und Kommafehler. Auch bei professionellen Texter*innen schleichen sich Tippfehler ein, darum ist korrekturlesen von enormer Bedeutung – aber erst dann, wenn du mit dem Schreiben fertig bist, damit du dir keine unnötige Arbeit machst.
Exkurs: Welche Argumentationstypen gibt es?
Beim Thema Erörterungen spielen Argumente die zentrale Rolle, aber auch in anderen Bereichen ist es wichtig zu wissen, wie man überzeugend argumentiert. Darum schauen wir uns nun ein paar gängige Argumentationstypen an. Generell gilt: Stütze deine Argumente stets mit einer Begründung und einem Beispiel.
- Ein Faktenargument stützt sich, wie der Name schon sagt, auf einen nachweislichen Fakt. Beispiel: Einer Studie zufolge sind immer mehr Kinder und Jugendliche abhängig von sozialen Medien. Oder: Seit 1990 hat sich der Verlust des Polareises verfünffacht.
- Beim Autoritätsargument bilden anerkannte Expert*innen oder Organisationen die Grundlage der Begründung. Beispiel: Der Weltklimarat geht davon aus, dass die 1,5-Grad-Grenze bereits 2030 erreicht sein wird.
- Ein normatives Argument setzt auf gesellschaftliche Werte, auch Normen genannt. Beispiel: Es sollte selbstverständlich sein, den eigenen Müll vor Verlassen des Grillplatzes in einem Mülleimer zu entsorgen.
- Bei einem analogisierenden Argument wird ein bildhafter Vergleich gezogen, um das Argument zu verdeutlichen. Ein Beispiel dazu ist Greta Thunbergs Vergleich der Erde mit einem brennenden Haus. Die aktuellen Maßnahmen der Politik zum Schutz der Umwelt füttern den Brand eher, als dass sie ihn löschen.
- Ein indirektes Argument bietet sich an, wenn man die Aussage eines anderen widerlegen möchte. Beispiel: Klimawandelleugner begründen die globale Erwärmung mit einer steigenden Energie der Sonne. Dabei hat die seit 1960 deutlich abgenommen, während sich die Erde trotzdem weiter erwärmt hat.
- Achte auch auf Scheinargumente. Die erkennst du daran, dass sie sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellen.
Dialektische Erörterung – das Wichtigste in Kürze
- Bei einer dialektischen Erörterung steht die Abwägung der Pro- und Contra-Argumente im Vordergrund. Ziel ist es, die Gegenargumente zu entkräften und eigene Position zu stärken.
- Dialektische Erörterungen werden wie die meisten Textarten in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert.
- Zur Anbringung der verschiedenen Argumente bieten sich das Sanduhrprinzip oder das Reißverschlussprinzip an.
- Um gut zu argumentieren, gibt es verschiedene Argumentationstypen wie das Faktenargument, das Autoritätsargument oder das analogisierende Argument.
- Jedes Argument erfordert eine Begründung und ein Beispiel.
Teste dein Wissen
Was genau ist eine dialektische Erörterung?