Deutsch - Anagramm
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Anagramm verstehen: Erklärungen & Übungen
Wenn du gern Rätsel löst oder das Buchstaben-Spiel „Scrabble“ magst, dann hast du dich vermutlich schon einmal mit dem Begriff Anagramm auseinandergesetzt. Anagramme sind eine interessante Wortspielerei, bei dem durch das Vertauschen von einzelnen Buchstaben eines Wortes neue Wörter oder Wortfolgen mit einer völlig neuen Bedeutung entstehen.
Anagramme kommen aber nicht nur in Wortspielen oder Rätseln vor, sondern sie sind sehr vielseitige rhetorische Stilmittel, deren Begriffsgeschichte bis in die Antike reicht. Auch als Verschlüsselungstechnik haben Anagramme im Verlauf der Geschichte spannende Einsatzbereiche gefunden.
Ebenso abwechslungsreich wie die Verwendungsmöglichkeiten von Anagrammen sind die Gründe, warum du dich im Deutschunterricht mit Anagrammen beschäftigen solltest. Die Auseinandersetzung mit Anagrammen erweitert das Vokabular, trainiert kreatives Denken, Schreiben, Rechtschreibung und Grammatik. Zudem sind Anagramme nützliche Helfer, wenn es um das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit geht.
In dieser Übungseinheit stellen wir dir das Anagramm genauer vor. Wir zeigen dir anhand von unterschiedlichen Anwendungsbeispielen, wie Anagramme als unterhaltsame und interaktive Form des Lernens in Literatur, Film und anderen Bereichen der Unterhaltung und des Alltags eingesetzt werden können.
Was ist ein Anagramm – Definition
Bei einem Anagramm handelt es sich um ein Wort oder einen Satz, bei dem die einzelnen Buchstaben in einer anderen Reihenfolge angeordnet werden können. Dadurch bilden sich neue Wörter oder Wortfolgen mit einer anderen Bedeutung.
Beispiele:
Leben – Nebel
Palme – Lampe
Mehl – Helm
Die Buchstaben werden bei dieser Art von Wortspiel nicht neu hinzugefügt oder entfernt. Alle Buchstaben müssen wiederverwendet werden. Diesen Vorgang nennst du auch „anagrammieren“.
Allgemein wird ein Anagramm auch „Schüttelwort“, „Letterkehr“ oder „Letterwechsel“ genannt. Die Begriffe kommen aus der Umgangssprache und beziehen sich auf die Bedeutung des Anagramms, bei dem die Wörter „durchgeschüttelt“ oder die Lettern (lateinisch: Buchstabe) umgekehrt oder gewechselt werden.
Beispiele für Anagramme
Für Anagramme gibt es in der deutschen Sprache unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten. Anagramme findest du etwa in Form von Wortreihen, Sätzen und Namen wieder (etwa Leon – Noel oder Carla – Clara). Wir zeigen dir anhand einiger Beispiele, wie sie eingesetzt werden können.
Anagramme können aus einzelnen Wörtern bestehen:
| Wort | Anagramm(e) |
| Ort | Tor |
| Atlas | Salat |
| Karte | Kreta, Kater |
| Brei | Bier |
| Regen | gerne |
Anagramme können auch aus Wortkombinationen gebildet werden. Als Wortkombinationen werden eine Gruppe von zwei oder mehr Wörtern verstanden, die zusammen ein gleichbedeutendes neues Wort ergeben:
| Wortkombination | Anagramm |
| Feuerwehr | Heuwerfer |
| Bauschutt | Staubtuch |
| Baldriantee | Nadelarbeit |
| Aktiendepot | Datenpoetik |
| Zitronensaft | Fronteinsatz |
Gelegentlich ergibt sich aus den Buchstaben eines Wortes kein neues Wort, aber dafür eine Wortreihe. Diese lassen sich vor allem bei Namen gut herleiten:
| Name | Anagramm |
| Albert Einstein | Etablierte Sinn |
| Angela Merkel | Karamelengel, lange Makrele... |
| Edmund Stoiber | Morbide Stunde |
| Pamela Anderson | Das Paar Melonen |
| Martin Luther | Lehrt in Armut |
Anagramm-Sätze können ebenfalls aus einem Wort oder einer Wortkombination gebildet werden. Die folgenden Anagramm-Sätze wurden ebenfalls aus Namen abgeleitet:
| Wort | Anagramm |
| Tom Cruise | So I'm cuter (Also ich bin süßer) |
| Justin Timberlake | I’m a jerk, but listen! (Ich bin ein Idiot, aber hör zu!) |
| Tom Marvolo Riddle | I am Lord Voldemort (Ich bin Lord Voldemort) |
| Jennifer Aniston | Fine in torn jeans (schön in zerrissenen Jeans) |
| William Shakespeare | I’ll make a wise phrase (Ich werde eine kluge Bemerkung machen) |
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Die Begriffsgeschichte des Anagramms
Die exakte Entstehungsgeschichte des Anagramms ist nicht eindeutig geklärt, jedoch tauchen Anagramme bereits seit Jahrhunderten in der Literatur auf. In fast jeder Epoche lässt sich die Verwendung von Anagrammen ausmachen, sei es als Wortspiel, Rätsel oder Pseudonym.
Allgemein wird davon ausgegangen, dass Anagramme schon in der Antike verwendet wurden. Die Bedeutung des Wortes stammt aus dem Griechischen (altgriechisch: ἀναγράφειν „anagráphein“) und kann im Deutschen mit „umschreiben“ übersetzt werden.
Als „Erfinder“ des Anagramms gilt der griechische Dichter und Grammatiker Lykophron aus Chalkis (etwa 320-280 v. Chr.). Er soll den damaligen Pharao von Ägypten, Ptolemaios II., mit einem Vers aus einem Gedicht umworben haben, indem er die Buchstabenfolge aus dessen Namen umwandelte.
Ursprünglich wurden Anagramme auch in der Wissenschaft eingesetzt. Sie dienten zur Verschlüsselung von wichtigen Informationen. Wissenschaftler haben mithilfe von Anagrammen ihre Erkenntnisse „verschlüsselt“ in ihre Texte eingebaut. Damit wollten sie gewährleisten, dass Informationen gesichert und die eigene Urheberschaft auch zu einem späteren Zeitpunkt noch belegt werden konnten.
Eine populäre historische Anwendung von Anagrammen als Verwendung eines Beweises, ohne das Geheimnis preiszugeben, stammt von dem berühmten Wissenschaftler Galileo Galilei (1564-1642).
Er veröffentlichte seine Beobachtungen über die Saturnringe durch die Verwendung eines Anagramms:
SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS
Die Lösung auf Latein ergibt den Satz: Altissimvm planetam tergeminvm observavi
(„Ich beobachtete den höchsten Planeten in dreigestaltiger Form.“)
Bis heute werden Anagramme als Verschlüsselungstechnik oder als rhetorische Stilmittel verwendet. Die Bedeutung von Anagrammen ist jedoch nicht auf bestimmte Bereiche beschränkt, sondern sie sind auch wertvolle Instrumente in der Bildung und im täglichen Leben, wo sie auch oft in Rätseln und Spielen vorkommen.
Anwendungsfälle von Anagrammen – Beispiele
Verwendung von Anagrammen in der Literatur
Mit dem Ziel, bestimmte Effekte durch die Buchstabenumstellung zu erzielen, werden Anagramme besonders gern in Gedichten verwendet. Insbesondere während der künstlerischen und literarischen Bewegungen von Surrealismus (zwischen 1920 und 1940) und Dadaismus (1916-1922) haben sich viele Dichter*innen an der Verwendung von Anagrammen versucht.
Die Dichterin Unica Zürn ist für ihre Anagramm-Gedichte berühmt. „Hexentexte“ (1954) ist ein von ihr publiziertes Buch, das ausschließlich aus Anagrammgedichten und Zeichnungen besteht.
Ein weiterer bekannter Dichter, der Anagramme verwendet hat, ist William Shakespeare. In seinen Sonetten (Gedichtform) kommen häufig Anagramme vor, um unterschiedliche Variationen eines Namens auszudrücken.
Ein bekannter Anagramm-Dichter aus der heutigen Zeit ist Walter Moers, der Erfinder der Figur „Käpt’n Blaubär“. In seinen Romanen über den Kontinent Zamonien „Die Stadt der träumenden Bücher“ und „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ sind die Namen seiner Figuren Anagramme echter Schriftsteller (z.B. Heidler von Clirrfisch – Friedrich von Schiller oder Ohjann Golgo van Fontheweg für Johann Wolfgang von Goethe).
Gelegentlich werden Anagramme auch als Spitznamen oder Pseudonyme verwendet, um die eigene Identität zu schützen oder um kreative Namen zu erschaffen. Wusstest Du, dass „I am a weakish speller“ ein Anagramm für William Shakespeare ist?
Verwendung von Anagrammen in der Unterhaltung
Auch Filmemacher nutzen Anagramme, um Spannung oder lustige Situationen zu erzeugen:
- In dem Horrorfilm „Shining“ (Stanley Kubrick, 1980) schreibt der kleine Danny mit einem Lippenstift das Wort „REDRUM“ an einen Spiegel. Wenn du das Wort rückwärts liest, heißt es „Murder“ (deutsch: Mord). Es gilt als Anspielung auf seinen Vater, der verrückt geworden zu sein scheint.
- Im Film „Shutter Island“ (Martin Scorsese, 2010) bildet sich die Figur Edward Daniels einen Mann mit dem Namen Andrew Laeddis ein. Dieser ist ein Anagramm seines eigenen Namens.
- Auch die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling verwendet ein Anagramm für den Zauberer Lord Voldemort. Tom Marvolo Riddle ist ein Anagramm für „I am Lord Voldemort“.
Aber nicht nur im Film, sondern auch in Liedtexten oder sogar im Ballett finden sich Beispiele für Anagramme. Hier werden oft szenisch getanzte Anagramme gezeigt. Dabei erhalten die Tänzer Buchstaben auf das Kostüm oder Trikot. Die Wörter werden dann durch verschiedene Platzwechsel der Tänzer gewendet.
Auch in Zeitschriften und Zeitungen finden sich häufig Anagramme in Form von Rätseln. Meistens muss anhand des Namens sowie des Wohnortes einer fiktiven Person ihr Beruf erraten werden.
Beispielsweise: Fr. Inge C. Sonst, Rheine (Schornsteinfegerin)
Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie Anagramme in verschiedenen Bereichen ihre Verwendung finden. Das Spiel mit den Wörtern ist sehr vielseitig und bietet die Möglichkeit, stets neue Bedeutungen zu entdecken.
Exkurs: Anagramm vs. Palindrom
Das Palindrom (von griechisch palindromos = rückwärtslaufend) ist eine spezielle Sonderform, die du kennen solltest, wenn du dich mit Anagrammen beschäftigst. Bei Palindromen handelt es sich um ein Wort oder eine Wortfolge, die vorwärts und rückwärts gelesen identisch ist. Anders als beim Anagramm können die Buchstaben nicht durcheinandergeworfen werden. Zudem ergeben bei Palindromen Wort oder Satz immer dieselbe Bedeutung und ein sinnvolles Wort (bzw. eine sinnvolle Wendung).
Beispiele für Wort-Palindrome und Wendungen sind:
- Kajak
- Drehherd
- Ebbe
- Otto
- die – Eid
- Nebel – Leben
- Gras – Sarg
Beispiele für Satz-Palindrome sind:
- Sei lieb – nebenbei lies!
- Ein Esel lese nie.
Palindrome finden sich auch in Alltagstexten oder als bekannte Produkt- oder Firmennamen:
- Ata (Putzmittel)
- Uhu (Kleber)
- Maoam (Kaubonbon)
Wichtig ist, dass bei Palindromen beim Rückwärtslesen eine bestimmte Reihenfolge der Buchstaben eingehalten wird. Bei Anagrammen dagegen können die Buchstaben eines Wortes oder Satzes umgestellt werden.
Zum Beispiel:
Sahne 🡺 Hasen
Durch die Umstellung der Buchstaben hat sich ein neues Wort mit einer neuen Bedeutung gebildet. Manchmal können Anagramme auch rückwärts gelesen werden. Jedoch hat das neu gebildete Wort bei Anagrammen stets einen anderen Sinn.
Zum Beispiel:
Regal 🡺 Lager
Als Palindrome werden Wörter, Wortreihen oder Sätze bezeichnet, die rückwärts gelesen denselben Text und einen Sinn ergeben. Wesentlich ist, dass die Reihenfolge der Buchstaben eingehalten wird. Bei Anagrammen handelt es sich um ein Wort oder Satz, bei dem die Buchstaben beliebig neu angeordnet werden können, um ein neues Wort oder einen neuen Satz mit einer anderen Bedeutung zu bilden.
Anagramme – Zusammenfassung
- Bei einem Anagramm (auch Schüttelwort, Letterkehr oder Letterwechsel) handelt es sich um ein Wort oder einen Satz, bei dem die einzelnen Buchstaben in einer anderen Reihenfolge angeordnet werden können. Dadurch bilden sich durch das Ursprungswort neue Wörter oder Wortfolgen mit einer anderen Bedeutung. Zum Beispiel: Leben – Nebel
- Anagramme findest du etwa in Form von Wortreihen, Sätzen und Namen.
- Die exakte Entstehungsgeschichte des Anagramms ist nicht eindeutig geklärt. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Anagramme schon in der Antike verwendet wurden. (altgriechisch: ἀναγράφειν „anagráphein“ („umschreiben“)
- Als „Erfinder“ des Anagramms gilt der griechische Dichter und Grammatiker Lykophron aus Chalkis (etwa 320-280 v. Chr.).
- Ursprünglich wurden Anagramme auch in der Wissenschaft eingesetzt. Sie dienten zur Verschlüsselung von wichtigen Informationen.
- Mit dem Ziel, bestimmte Effekte durch die Buchstabenumstellung zu erzielen, werden Anagramme besonders gern in Gedichten verwendet.
- Gelegentlich werden Anagramme auch als Spitznamen oder Pseudonyme verwendet, um die eigene Identität zu schützen oder um kreative Namen zu erschaffen.
- Auch Filmemacher nutzen Anagramme, um Spannung oder lustige Situationen zu erzeugen. Beispiel: „Harry Potter“)
- Aber nicht nur im Film, sondern auch in Liedtexten oder im Ballett finden sich Beispiele für Anagramme. Auch in Zeitschriften und Zeitungen finden sich häufig Anagramme in Form von Rätseln.
- Das Palindrom (von griechisch palindromos = rückwärtslaufend) ist eine spezielle Sonderform des Anagramms. Bei Palindromen handelt es sich um ein Wort oder eine Wortfolge, die vorwärts und rückwärts gelesen identisch ist. (Beispiel: Kajak)
- Der wichtigste Unterschied: Bei Palindromen wird beim Rückwärtslesen eine bestimmte Reihenfolge der Buchstaben eingehalten. Bei Anagrammen dagegen können die Buchstaben eines Wortes oder Satzes umgestellt werden.
Wenn du dich an die Wortspielerei herantraust, wirst du sehen, wie viele Möglichkeiten es gibt, neue Wörter zu kreieren. Vielleicht löst du bald das ein oder andere Geheimnis oder entschlüsselt andere verdeckte Botschaften?
Wie wird ein Anagramm noch bezeichnet?