Deutsch - Relativpronomen
Wenn du wissen willst, was Relativpronomen sind, dann bist du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.
Relativpronomen
Relativpronomen sind eine Art von Pronomen. Aber was sind Pronomen überhaupt? Pronomen sind sogenannte „Fürwörter“, das heißt, sie stehen für etwas.
Sie ersetzen eine Person oder ein Nomen – immerhin ist das Wort „Nomen“ ja auch Bestandteil des Wortes „Pronomen“. Je nach Sinn und Zweck gibt es verschiedene Arten von Pronomen, wie beispielsweise Personalpronomen, die sich auf eine Person beziehen (z. B. „ich“, „du“, „er“ oder „wir“), Relativpronomen („der“, „die“ oder auch „welches“) oder Demonstrativpronomen („dieser“, „jene“).
Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn etwas genauer beschrieben werden soll. Wie sieht das nun im Fall von Relativpronomen aus?
Relativpronomen und Relativsätze
Relativpronomen sind der, die, das, welcher, welche, welches und all ihre deklinierten Formen. „Der“, „die“ und „das“ lassen sich leicht mit den bestimmten Artikeln verwechseln, unterscheiden sich aber in ihrer Funktion. Relativpronomen verwenden wir nämlich, um Relativsätze einzuleiten. Das ist eine Form von Nebensatz, die dazu dient, etwas aus dem Hauptsatz genauer zu beschreiben.
Nebensätze erkennst du daran, dass das Verb am Ende steht, und zwar die gebeugte Form. Ein Beispiel: Das ist der Mann, der den Schulbus fährt. Das Verb des Nebensatzes ist hier „fährt“ und dessen Infinitiv, also die Grundform, fahren.
Wann genau brauchen wir einen Relativsatz? Relativsätze erläutern einen konkreten Teil des Hauptsatzes. Wir greifen also immer dann auf sie zurück, wenn wir etwas genauer beschreiben müssen.
Beispiel: Das ist die Tasche, die ich haben will.
In Blau siehst du den Hauptsatz, „Das ist die Tasche“. Um nun zu erklären, welche Tasche du genau meinst, hängst du einen Relativsatz (grün) an den Hauptsatz dran: „… die ich haben will.“
Wie du siehst, beginnt der Relativsatz mit „die“. Während im Hauptsatz der bestimmte Artikel „die“ die Tasche begleitet, stellt das gleiche Wort im Relativsatz das Relativpronomen dar und ist gleichermaßen das Bezugswort zu „Tasche“. Es ist also genau die Tasche, die du haben willst, und keine andere.
Deklination von Relativpronomen
An dem Beispiel siehst du auf einen Blick, worauf sich das Relativpronomen bezieht. Das liegt daran, dass Relativpronomen immer an ihr Bezugswort im Hauptsatz angepasst werden. Das heißt, sie werden nach Kasus, Numerus und Genus dekliniert, also nach Fall, Anzahl und Geschlecht.
Um zu wissen, welche Form des Relativpronomens du brauchst, musst du zunächst das Bezugswort genauer unter die Lupe nehmen. Um welche Person handelt es sich? Ich, du, er, sie oder es oder wir, ihr oder sie? Dazu musst du auch das Geschlecht bestimmen. Ist das Wort maskulin, feminin oder neutral, also männlich, weiblich oder sächlich? Im Falle unseres Beispiels mit der Tasche ist „die Tasche“ weiblich. Und um wie viele Taschen geht es in dem Satz (Einzahl, Mehrzahl, also Singular oder Plural?)? Um eine. Sie steht also im Singular.
Das Schwierigste ist die Bestimmung des Falls. Schau dir dazu die nachfolgende Liste an. Im Deutschen gibt es vier Fälle, die du auf unterschiedliche Weise erfragen kannst:
- Nominativ – wer/was?
- Genitiv – wessen?
- Dativ – wem?
- Akkusativ – wen/was?
Bei unserem Beispiel mit der Tasche fragst du wie folgt nach dem Fall:
- Satz: Das ist die Tasche.
Frage: Was ist das?
Antwort: die Tasche
Da die Tasche ein Gegenstand und keine Person ist, fragen wir „was“. Das kann also Nominativ oder Akkusativ sein. In unserem Satz liegt eine Gleichwertigkeit vor („Das ist …), da sich das einleitende „Das“ auf „die Tasche“ bezieht. Beides befindet sich somit im selben Fall – und steht hier im Nominativ, denn die Tasche ist unser Subjekt (eine andere Möglichkeit gibt es hier nicht).
Das Subjekt des Satzes steht immer im Nominativ.
Wie sieht es in dem folgenden Satz aus? Lina hat einen Hund, der sehr groß ist.
Um das Subjekt zu bestimmen, fragen wir: Wer hat einen Hund? Lina. Und weiter: Was hat Lina? Einen Hund. Der Hund steht also im Akkusativ. Da es sich hier nur um einen Hund handelt, ist der Numerus Singular. Und – der unbestimmte Artikel „einen“ verrät es – „Hund“ ist männlich. Wer ist sehr groß? Der Hund. Das Relativpronomen „der“ bezieht sich also auf den Hund; „Hund“ ist somit das Bezugswort.
Du fragst dich, warum das Relativpronomen nicht im Akkusativ steht? Das liegt an der Stellung seines Bezugsworts im Relativsatz. Der Satz ließe sich leicht umstellen und zum Hauptsatz machen: Der (Hund) ist sehr groß. Da das Relativpronomen für sein Bezugswort steht, nimmt es den Fall ein, den das Bezugswort einnehmen würde.
Nachfolgend findest du Beispiele für Relativpronomen im Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ:
- Das Theater sucht einen Schauspieler, der den Romeo spielen kann. (Relativpronomen im Nominativ)
- Das ist der Mann, dessen Hund weggelaufen ist. (Relativpronomen im Genitiv)
- Ist das der Hund, dem du einen Knochen mitgebracht hast? (Relativpronomen im Dativ)
- Der Lehrer, den wir jetzt in Mathe haben, ist mein Nachbar. (Relativpronomen im Akkusativ)
Neben den gängigeren Pronomen „der“, „die“ und „das“ gibt es noch „welcher“, „welche“ und „welches“. Letztere werden vor allem dann genutzt, um eine Doppelung zu vermeiden.
Beispiele:
- „die Lehrerin, die die Kreide sucht“ wird zu „die Lehrerin, welche die Kreide sucht“
- „die Menschen, die die Bahn verpasst haben“ wird zu „die Menschen, welche die Bahn verpasst haben“
- „das Kind, das das Chaos angerichtet hat“ wird zu „das Kind, welches das Chaos angerichtet hat“
Achte darauf, dass du das Pronomen „das“ nicht mit der Konjunktion „dass“ verwechselst. Diese leitet zwar auch einen Nebensatz ein, aber in einer anderen Funktion. „Dass“ wird zur Wiedergabe von indirekter Rede genutzt oder um auszudrücken, dass man etwas weiß, denkt oder fühlt. Anders als ein Relativpronomen stehen Konjunktionen nicht für etwas, sondern verbinden einzelne Satzteile miteinander.
In der folgenden Liste findest du sämtliche Formen der Relativpronomen.
Tabelle: Relativpronomen auf einen Blick
Nominativ
Maskulin: der / welcher
Feminin: die / welche
Neutral: das / welches
Plural: die / welche
Genitiv
Maskulin: dessen
Feminin: deren
Nominativ: dessen
Plural: deren
Dativ
Maskulin: dem / welchem
Feminin: der / welcher
Neutral: dem / welchem
Plural: denen / welchen
Akkusativ
Maskulin: den / welchen
Feminin: die / welche
Neutral: das / welches
Plural: die / welche
Für „welcher“, „welche“ und „welches“ gibt es, wie du siehst, keine Genitivform. Nutze stattdessen die deklinierte Form von „der“, „die“ oder „das“.
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Relativpronomen nach einer Präposition
Pronomen stehen nicht immer allein da, sondern werden gelegentlich von Präpositionen begleitet. Wie du vielleicht weißt, erfordern Präpositionen je nach Bedeutung einen bestimmten Kasus. Das heißt, steht ein Relativpronomen nach einer Präposition, bestimmt diese den Fall.
Im Relativsatz steht die Präposition stets vor dem Relativpronomen.
Schauen wir uns ein paar Beispiele an:
- Da ist ja der Zug! Wir warten schon fast eine Stunde auf ihn.
- Da ist ja der Zug, auf den wir schon fast eine Stunde warten.
Das Bezugswort ist hier „der Zug“. Das Wort ist maskulin und hier im Singular.
„Wir warten auf den Zug“: Das Bezugswort steht im Akkusativ.
- Das ist der neue Musiklehrer. Von seinem Talent sind alle völlig begeistert.
- Das ist der neue Musiklehrer, von dessen Talent alle völlig begeistert sind.
Das Bezugswort ist „der (neue) Musiklehrer“, maskulin und im Singular.
An dem Pronomen „sein“ („seinem Talent“) erkennst du, dass hier ein Besitz angezeigt wird. Dabei handelt es sich also um ein Possessivpronomen. Da es hier den Besitz des Musiklehrers angibt, steht es im Genitiv. Die Präposition „von“ erfordert zwar den Dativ (von dem Talent begeistert sein), da sich das Relativpronomen aber auf den Musiklehrer bezieht, steht es im Genitiv.
Relativsätze mit „wo“ und „wohin“
Relativpronomen ersetzen, wie du weißt, ihr Bezugswort. Drückt dieses aber einen Ort oder eine Zeit aus, kannst du stattdessen auch das Relativadverb „wo“ verwenden oder, bei einem Ortswechsel, „wohin“.
- Anton fährt gern an die Nordsee. Dort kann man gut surfen.
- Anton fährt gern an die Nordsee, wo man gut surfen kann.
- Martina fährt jedes Jahr in die Alpen. Ihre Eltern haben sie schon als Kind dorthin mitgenommen.
- Martina fährt jedes Jahr in die Alpen, wohin ihre Eltern sie schon als Kind mitgenommen haben.
Unterschied: Demonstrativpronomen und Relativpronomen
Demonstrativpronomen haben wie Relativpronomen die Aufgabe, etwas näher zu bestimmen. Sie gehen aber noch einen Schritt weiter und weisen stärker auf das hin, für das sie stehen. Darum werden sie auch hinweisende Fürwörter genannt. Demonstrativpronomen sind:
- der, die, das
- dieser, diese, dieses
- jener, jene, jenes
- derjenige, diejenige, dasjenige
- derselbe, dieselbe, dasselbe
Der, die und das können sowohl Relativ- als auch Demonstrativpronomen sein sowie bestimmte Artikel. Die kleinen, aber feinen Wörter sind also multifunktional. Welche Funktion sie in einem Satz haben, erkennt man an ihrer Funktion.
Beispiel: Diese Tasche gefällt mir besser als jene.
Die Aussage ließe sich zwar auch mit Relativpronomen lösen – Die Tasche gefällt mir besser als die, – wenn man dabei auf die jeweilige Tasche zeigt. Greift man aber auf Demonstrativpronomen zurück, ist eindeutiger, welche Tasche gemeint ist
Ein Pronomen als Bezugswort
Das eine schließt das andere aber nicht aus. Ein (sächliches) Demonstrativpronomen kann außerdem auch als Bezugswort herhalten.
Beispiel: Das, was du gesagt hast, habe ich nicht verstanden.
Pronomen können also gleichermaßen Bezugswort sein. In dem Fall steht das Pronomen im Hauptsatz für einen gesamten Inhalt des Satzes. „Das“ steht hier also zusammenfassend für das Gesagte. Die Aussage muss also nicht vollständig wiedergegeben werden, um den Zusammenhang herzustellen. Dies funktioniert allerdings nur mit den sächlichen Demonstrativpronomen. Meist wird dann als Stellvertreter „was“ eingesetzt.
Weitere Beispiele:
- Mein Bruder hilft nie im Haushalt mit, was unsere Eltern sehr ärgert.
- Ich habe in Deutsch immer gute Noten, was meine Eltern sehr stolz macht.
Relativpronomen – das Wichtigste in Kürze
- Pronomen sind Fürwörter, das heißt, sie stehen für etwas.
- Relativpronomen sind der, die, das und welcher, welche, welches.
- Relativpronomen werden an ihr Bezugswort und ihre Stellung im Satz angepasst und nach Kasus, Numerus und Genus dekliniert, also nach Fall, Anzahl und Geschlecht.
- Relativpronomen leiten Relativsätze ein, das ist eine Form von Nebensätzen.
- Bei Ort- und Zeitangaben können auch „wo“ und „wohin“ verwendet werden.
- Pronomen können selbst Bezugswort sein. Dann wird meist auf das Pronomen „was“ zurückgegriffen.
Um welche Art Pronomen handelt es sich in dem Satz „Dieses Auto fährt schneller als jenes“?