Deutsch – Konjunktiv 1
Wenn Du wissen willst, wie man den Konjunktiv I richtig anwendet, dann bist Du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein.
Konjunktiv I für Schüler einfach erklärt
Der Konjunktiv I ist ein Modus – also eine Verbform. Mit den Modi bringst Du Verben also in die gewünschte Form. Beim Konjunktiv I ist diese Form meistens – aber nicht ausschließlich – die indirekte Rede. Wofür Du den Konjunktiv I noch brauchen kannst und wie Du ihn bildest, erfährst Du hier.
Wann wird der Konjunktiv I verwendet?
Die häufigste Verwendung für den Konjunktiv I ist die indirekte Rede. Im Alltag verwendest Du sie zwar nur selten, weil sie in der Umgangssprache eher ungebräuchlich ist – aber Du brauchst die indirekte Rede definitiv beim Schreiben. Außerdem kennst Du sie von Nachrichtensprecherinnen und Nachrichtensprechern, wenn sie so etwas sagen wie:
Der Präsident hat verkündet, er trete zur Wiederwahl an.
Der Angeklagte sagt, er sei unschuldig.
Unser Finanzexperte rät, man solle sich vor einer Investition gründlich informieren.
Statt etwas, das jemand gesagt hat, Wort für Wort wiederzugeben, veränderst du das Verb. Der Sinn der ursprünglichen Aussage bleibt dabei erhalten.
Beispiel:
Dein Freund sagt zu dir: „Wenn du möchtest, kannst du heute Abend mit mir und meiner Familie essen.“
Wenn du dann nach Hause kommst und deine Eltern mal wieder etwas gekocht haben, das dir gar nicht schmeckt, kannst du sagen: „Nein danke, mein Freund hat gesagt, ich sei heute bei ihm zum Essen eingeladen.“
Auch in Zeitungsberichten werden Aussagen anderer Personen so wiedergegeben. Der Sinn dahinter: Auf diese Art kannst du sinngemäß etwas wiederholen, was eine andere Person gesagt hat, ohne dich an jedes Wort erinnern zu müssen. Deshalb ist die indirekte Rede für Berichterstattungen so wichtig – denn wird eine wörtliche Aussage falsch wiedergegeben, kann das zu Problemen führen.
Außerdem brauchst Du die Konjunktiv I-Anwendung für feststehende Redewendungen wie zum Beispiel:
Gott sei Dank.
Hoch lebe das Geburtstagskind.
Man nehme: 3 Eier, 300 g Mehl und 200 g Zucker.
Diese letzten Konjunktiv I-Beispiele finden in der heutigen Zeit höchstens noch in mittelalterlichen Filmen oder Büchern Anwendung:
Man reiche mir mein Schwert.
Er bringe das Essen hinein.
Möge Gott euch gnädig sein.
Du siehst schon: Allzu oft wirst du die Konjunktiv I-Anwendung im Alltag nicht einsetzen. Aber für korrektes Deutsch, gute Schulnoten und Deine Karriere als Berichterstatter*in oder Nachrichtensprecher*in solltest du trotzdem alles über den Konjunktiv I lernen.
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Konjunktiv I bilden
Um den Konjunktiv I zu bilden, brauchst du zunächst den Verbstamm im Indikativ (Wirklichkeitsform) Präsens (Gegenwart) – also das Verb in seiner normalen Form in der Gegenwartsform. An den Verbstamm hängst du dann je nach Personalpronomen folgende Endungen an:
ich
Endung: -e
Beispiele: habe, mache, stehe
du
Endung: -(e)st
Beispiele: habest, machest, stehest
er/sie/es
Endung: -e
Beispiele: habe, mache, stehe
wir
Endung: -en
Beispiele: haben, machen, stehen
ihr
Endung: -et
Beispiele: habet, machet, stehet
sie
Endung: -en
Beispiele: haben, machen, stehen
Am häufigsten verwendest du den Konjunktiv I der 3. Person Singular (er/sie/es). Dieser ist auch am leichtesten zu bilden: Du nimmst einfach den Infinitiv (Grundform) des Verbs und entfernst das -n. Wie in der Tabelle oben wird so aus haben, machen und stehen habe, mache, und stehe:
Meine Mutter sagt, sie habe noch nie einen so tollen Film gesehen.
Er flüsterte mir zu, er mache das zum ersten Mal.
Die Dame meinte, sie stehe lieber als zu sitzen.
Das funktioniert in vier verschiedenen Zeitformen: Du kannst den Konjunktiv I im Präsens (Gegenwart), Perfekt (Vergangenheit), Futur I (Zukunft) und Futur II (Vollendete Zukunft) bilden.
Der Lehrer sagt, er habe heute keine Hausaufgaben für uns. (Präsens)
Sie denkt, sie habe heute einfach kein Glück gehabt. (Perfekt)
Er hat gesagt, er werde am Bahnhof auf uns warten. (Futur I)
Sie hat doch gesagt, morgen um die Zeit werde ihr Flieger bereits gelandet sein. (Futur II)
Bei der 1. Person, der 2. Person und der 3. Person Plural (sie) ist der Konjunktiv I häufig identisch mit dem Indikativ Präsens des Verbs – also der Wirklichkeitsform des Verbs in der Gegenwartsform. Deshalb kannst Du in diesen Fällen den Konjunktiv I nicht verwenden.
Ein gutes Beispiel ist das Wort gehen. Der Indikativ Präsens lautet gehe. Wirfst du nun einen Blick auf die Tabelle oben, siehst Du, dass sowohl die 1. Person Singular (ich) als auch die 3. Person Singular (er/sie/es) ein -e als Endung für den Konjunktiv I verlangen. In beiden Fällen ist der Konjunktiv I daher ebenfalls gehe:
Mein Lehrer sagt, ich gehe ihm auf die Nerven.
Da in diesem Fall die indirekte Rede nicht mehr klar erkennbar ist, weichst Du stattdessen auf den Konjunktiv II aus:
Mein Lehrer sagt, ich ginge ihm auf die Nerven.
So ist wieder klar erkennbar, dass Du Deinen Lehrer nicht wörtlich zitierst, sondern nur sinnhaft wiedergibst, was er gesagt hat.
Ausblick auf die nahe Zukunft: Konjunktiv II
Apropos Konjunktiv II: Diesen brauchst Du nicht nur, wenn der Konjunktiv I in der indirekten Rede nicht funktioniert. Du brauchst den Konjunktiv II unter anderem, um Deine Wünsche auszudrücken:
Ich hätte gerne eine neue Spielekonsole.
Auch höfliche Bitten kannst du mit dem Konjunktiv II formulieren:
Würdest du mir bitte dabei helfen?
Es gibt noch viele andere Anwendungsmöglichkeiten für den Konjunktiv II. Welche das sind, wie Du ihn richtig bildest und worauf du dabei achten musst, erfährst Du in unserem Beitrag zum Konjunktiv II.
Konjunktiv I-Bildung für sein
Es gibt eine Ausnahme von der Tabelle oben. Möchtest du das Verb sein in den Konjunktiv I versetzen, funktioniert das ein bisschen anders als bei anderen Verben. Die 1. und 3. Person Singular (ich, er/sie/es) brauchen hier nur den Verbstamm, du musst kein -e anhängen.
ich
Endung: -
Beispiele: sei
du
Endung: -(e)st
Beispiele: sei(e)st
er/sie/es
Endung: -
Beispiele: sei
wir
Endung: -en
Beispiel: seien
ihr
Endung: -et
Beispiele: seiet
sie
Endung: -en
Beispiele: seien
Außerdem kannst Du den Konjunktiv I von sein auch ohne indirekte Rede verwenden, um einen Eindruck wiederzugeben.
Zum Beispiel:
Sie denkt, sie sei das klügste Kind in der Klasse.
Die Gegner glauben, sie seien die stärkere Mannschaft.
Konjunktiv I in der indirekten Rede: Zusammenfassung
- Du brauchst den Konjunktiv I hauptsächlich in der indirekten Rede.
- Mit der indirekten Rede gibst du etwas wieder, das jemand gesagt hat, ohne die Aussage Wort für Wort zu wiederholen.
- Auch die Berichterstattung in Radio, Fernsehen und Zeitschriften verwendet die indirekte Rede.
- Manche feststehende Redewendungen und mittelalterliche Sprache sind weitere Möglichkeiten für die Anwendung des Konjunktiv I.
- Für die Bildung des Konjunktiv I nimmst Du den Verbstamm im Indikativ Präsens und hängst je nach Personalpronomen die Endung -e, -(e)st, -en oder -et an.
- Ausnahme ist das Verb sein: Hier verwendest Du bei der 1. und 3. Person Singular jeweils nur den Verbstamm ohne Endung.
- Du kannst den Konjunktiv I von sein auch ohne indirekte Rede verwenden, um einen Eindruck wiederzugeben.
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