Inhalt
Lerntypen: Das Wichtigste im Überblick
- Feste Lerntypen sind wissenschaftlich nicht belegt.
- Frederic Vester hat vier Wahrnehmungs- und Verarbeitungswege populär gemacht. Daraus wurden die sogenannten „Lerntypen“ abgeleitet: auditiv, optisch-visuell, kommunikativ-kognitiv und motorisch-haptisch.
- Kinder haben unterschiedliche Lernvorlieben – daraus folgt jedoch kein fester Lerntyp.
- Je nach Fach und Lernstoff sind unterschiedliche Lernmethoden sinnvoll.
- Aktives Erklären, Üben, Wiederholen und Anwenden unterstützen das Lernen.
- Studien zeigen: Lerntypen-Zuschreibungen können beeinflussen, was Kindern zugetraut wird.
Die 4 Lerntypen nach Vester: Was steckt dahinter?
Es gibt verschiedene Modelle, die Lerntypen unterschiedlich einordnen. Eines der bekanntesten Lerntypen-Modelle stammt vom Systemforscher Frederic Vester.
Die vier Lerntypen nach Vester:
- Auditiver Lerntyp
- Optisch-visueller Lerntyp
- Kommunikativer, kognitiv-intellektueller Lerntyp
- Motorischer/ haptischer Lerntyp
Andere Modelle, etwa nach Werner Schrader, unterscheiden sogar in fünf Lerntypen.
Wissenschaftlich belegt ist jedoch keines dieser Modelle.
Kinder einem bestimmten Lerntyp zuzuordnen, ist daher nicht sinnvoll. Besser ist es, verschiedene Lernmethoden auszuprobieren und sie passend zum Lernstoff einzusetzen.
Welche Lernmethoden passen zu unterschiedlichen Lernwegen?
Wenn Kinder auditiv lernen
Manchen Kindern hilft es, wenn sie Lerninhalte laut vorlesen oder sich Texte anhören.
Lerninhalte laut zu erklären, sich gegenseitig abzufragen oder Vokabeln laut auszusprechen und zu wiederholen, kann das Lernen unterstützen. Gespräche und Diskussionen über Schulthemen eignen sich ebenfalls zur Aufbereitung von Lerninhalten.
Beim Lernen von Fremdsprachen helfen Hörbücher, Filme und andere Audioangebote dabei, sich an Aussprache und Sprachmelodie zu gewöhnen.
Lernunterstützer: Hörbücher, Filme, Audio-Lernangebote und Vokabel-Apps
Wenn Kinder optisch-visuell lernen
Manchen Kindern hilft es, wenn sie Lerninhalte sehen.
- Bildliche Darstellungen helfen, komplexe Zusammenhänge übersichtlich darzustellen und Lerninhalte zu strukturieren.
- Grafische Aufbereitungen von Lerninhalten z. B. in Mindmaps und Schaubildern und eine farbliche Hervorhebung von Textstellen unterstützen Schülerinnen und Schüler, die optisch-visuell am besten lernen.
Lernunterstützer: Erklärvideos z.B. aus dem Schülerhilfe Online-LernCenter, Sachfilme, Textmarker und Post-its in verschiedenen Farben.
Wenn Kinder kommunikativ, kognitiv-intellektuell lernen
Manchen Kindern hilft es, wenn sie sich mit anderen über Lerninhalte austauschen und diese in einer Lerngruppe gemeinsam besprechen.
- Kinder mit einer kommunikativen, kognitiv-intellektuellen Lernpräferenz profitieren von der ausführlichen Auseinandersetzung mit Lerninhalten.
- Um Gelesenes oder Gehörtes besser zu verstehen und zu verinnerlichen, hilft der Austausch mit anderen. Durch das Erklären, Nachfragen und Besprechen werden Inhalte aktiv verarbeitet.
Lernunterstützer: Gespräche zu schulischen Themen und Lernen in Lerngruppen, in denen das Thema aus unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet wird.
Wenn Kinder motorisch/haptisch lernen
Manchen Kindern hilft es, wenn sie etwas anfassen, experimentieren oder sich bewegen können.
- Dem motorischen Lerntyp fällt das Lernen leichter, wenn er etwas anfassen oder ausprobieren kann. So versteht er das Gelernte besser und verarbeitet es auf seine Art.
- Bewegungspausen oder auswendig lernen in Bewegung helfen die Konzentration und Motivation zu halten
- Rollenspiele oder Gruppenarbeit sorgen ebenfalls dafür, dass der motorische Lerner in seinem Lernverhalten unterstützt wird. Dabei stärkt die Gruppenarbeit das soziale Miteinander.
Lernunterstützer: Spiele wie Scrabble oder Kniffel, Experimentierkästen, Naturerlebnisse, Rollenspiele, sowie Lernen oder Nachhilfe in einer kleinen Gruppe
Wichtig: Je nach Unterrichtsfach bieten sich unterschiedliche Materialien oder Vorgehensweisen zum Lernen an. Beim Lernen von Fremdsprachen ist es wichtig, die korrekte Aussprache zu hören und selbst zu üben. Naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie, Physik oder Biologie profitieren von praktischen Experimenten.
Lerntypen Mythos: Gibt es visuelle, haptische oder auditive Lerner?
Die Einteilung in feste Lerntypen wie visuell, auditiv oder haptisch ist wissenschaftlich nicht belegt. Trotzdem sind Aussagen wie „Mein Kind ist ein visueller Lerntyp“ immer noch weit verbreitet.
Eine Studie* aus dem Jahr 2023 zeigt, dass derartige Zuschreibungen beeinflussen, wie Kinder wahrgenommen werden: Als „visuelle Lerner“ beschriebene Kinder wurden häufiger als intelligenter und leistungsstärker eingeschätzt. Eltern, Lehrkräfte und Kinder verbanden den vermeintlichen Lerntyp mit bestimmten Fähigkeiten und Schulfächern.
Was hilft stattdessen? Je nach Lernstoff unterschiedliche Lernmethoden nutzen – zum Beispiel Skizzen, lautes Sprechen, Schreiben oder praktische Übungen. Nicht ein fester Lerntyp sollte die Auswahl der Lernmethode bestimmen, sondern Lernstoff, Lernziel und die individuellen Voraussetzungen.
Sun, X., Norton, O. & Nancekivell, S.E., Beware the myth: learning styles affect parents’, children’s, and teachers’ thinking about children’s academic potential. npj Sci. Learn. 8, 46 (2023).
FAQs: Multisensorisches Lernen
Was ist multisensorisches Lernen?
Multisensorisches Lernen ist eine Lernmethode, bei der Inhalte über mehrere Sinne gleichzeitig aufgenommen und verarbeitet werden – etwa durch Sehen, Hören, Sprechen und Bewegen.
Beispiele aus dem Lernalltag:
Sprachen
- Vokabeln aussprechen und gleichzeitig eine passende Geste machen
- Vokabeln mit Bildern verbinden
Mathematik
- Rechenaufgaben mit Gegenständen veranschaulichen
- Geometrische Formen anfassen, legen oder nachbauen
- Rechenwege aufschreiben und gleichzeitig erklären
Was sind die Vorteile des multisensorischen Lernens?
Je mehr Sinne stimuliert werden, desto mehr neuronale Verbindungen entstehen im Gehirn. Das Behalten und schnellere Abrufen von Wissen werden dadurch verbessert.
Wichtig ist, dass die gewählte Lernmethode zum Lernstoff und zum Lernziel passt, die Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Inhalte lenkt und das Kind dabei nicht überfordert oder überreizt.