Erzählperspektive
Wenn du schon immer wissen wolltest, welche Erzählpespektiven es gibt und wann du welche verwenden kannst, dann bist du hier genau richtig. Steig direkt ins Thema ein!
Erzählperspektiven: Erklärungen & Beispiele
Jeder epische Text hat eine/n Erzähler*in, der/die aus einer bestimmten Erzählperspektive die Geschichte erzählt und dadurch unterschiedliche Einblicke in die Geschehnisse und Charaktere der Handlung gibt. Erzähler*in und Autor*in sind nicht identisch, denn der/die Erzähler*in bleibt ebenso wie andere Figuren ein fiktiver Teil der Geschichte, die von einer realen Person erfunden wurde.
In dieser Übung geben wir eine Übersicht über die verschiedenen Erzählperspektiven und erläutern ihre Erkennungsmerkmale, ihre Wirkung und zeigen, wie du erkennen kannst, wenn es innerhalb eines Werkes zu einer Veränderung des Erzählverhaltens kommt.
Welche Erzählperspektiven gibt es?
Es gibt vier verschiedene Erzählperspektiven: die auktoriale, personale, neutrale und die Sonderform der Ich-Erzählung.
Auktoriale Erzählperspektive
Mit der auktorialen Erzählperspektive wird die Sicht eines allwissenden Erzählers oder einer allwissenden Erzählerin beschrieben, der/die über alle Fakten in der fiktiven Welt informiert ist und den Überblick über die Gefühle und Gedanken aller Personen im Werk hat.
Der/die auktorial/e Erzähler*in ist nicht Teil der fiktiven Welt ist, sondern betrachtet diese von außen. Daher ist es möglich, dass Aussagen über Zukunft und Vergangenheit getroffen, die Erzählung kommentiert oder bewertet oder sich sogar direkt an die Leser*innen gewendet werden kann.
Beispiel E.T.A. Hoffmann: „Der Sandmann“
„Mir hat, wie ich es dir, geneigter Leser! gestehen muss, eigentlich niemand nach der Geschichte des jungen Nathanaels gefragt; du weißt ja aber wohl, dass ich zu dem wunderlichen Geschlechte der Autoren gehöre (...)."
- Der/die Erzähler*in spricht den Leser oder die Leserin direkt an uns tritt als Stimme hervor, die alle Details über die Geschichte kennt und außerhalb der eigentlichen Handlung steht.
Überblick
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Personale Erzählperspektive
Mithilfe der personalen Erzählperspektive wird die Geschichte aus der Wahrnehmung eines bestimmten Charakters beschrieben. Der/die personale/r Erzähler*in ist Teil der fiktiven Welt, wobei das Wissen darüber und auf die Sicht einzelner Figuren beschränkt ist.
Der Fokus des/der personalen Erzähler*in kann innerhalb der Geschichte wechseln, bleibt aber auf einen jeweiligen Charakter begrenzt und ist nicht aus der Sicht von mehreren Personen gleichzeitig möglich.
Überblick
| Merkmale |
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| Form |
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| Vorteile |
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Beispiel Franz Kafka: „Die Verwandlung“
„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“
- Der/die Erzählerin nimmt die Perspektive der Figur Gregor ein und beschreibt dessen Situation. Der Leser oder die Leserin erfährt nur, was Gregor selbst in diesem Moment fühlt und denkt.
Neutrale Erzählperspektive
Der/die neutrale Erzähler*in ist kein Teil der fiktiven Welt und nicht in das Geschehen involviert. Der/die Erzählerin nimmt eine unauffällige Rolle ein und beobachtet. Er/Sie wertet oder kommentiert die Ereignisse nicht. Auch das Innenleben der Figuren wird nicht geschildert.
Am häufigsten wird die neutrale Erzählperspektive in Sachtexten, aber auch in szenischen, also dramatischen Texten verwendet. Die Erzählform eignet sich ebenfalls für Dialoge.
Überblick
| Merkmale |
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| Form |
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Beispiele Theodor Fontane: „Effie Briest“
„Hochmut kommt vor dem Fall.“
„Immer Gouvernante; du bist doch die geborene alte Jungfer.“
„Und hoffe mich doch noch zu verheiraten. Und vielleicht eher als du.“
- Diese Beispiele stammen aus einem Dialog zwischen Effi und ihren Freundinnen. Es gibt keine/n Erzähler*in, der/die das Geschehen kommentiert oder Einblicke in die Gefühle der Figuren gibt. Es werden lediglich die direkten Redebeiträge wiedergegeben.
Sonderform: Ich-Erzählung
Die Ich-Erzählung ist eine Sonderform des personalen Erzählens. Vom dem/der personale/n Erzähler*in unterscheidet diese Form sich dadurch, dass die Ich-Form verwendet wird. Der/die Ich-Erzähler*in erzählt die Handlung aus der eigenen Perspektive.
Die Ich-Form kann Merkmale anderer Erzähltypen enthalten und personale und auktoriale Eigenschaften annehmen. Die Ich-Erzählung wird etwa in Briefromanen oder autobiografischen Erzählungen verwendet.
Die Merkmale im Überblick
| Merkmale |
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| Form |
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Beispiel aus Günter Grass: „Die Blechtrommel“
„Zugegeben: Ich bin Insasse einer hiesigen Heil- und Pflegeanstalt.“
„Wann immer es mir möglich war, habe ich meine Zeugenschaft mit der Blechtrommel unterstrichen.“
- Durch die „Ich“-Verwendung wird deutlich, dass Günter Grass die subjektive Sicht- und Wahrnehmungsweise seiner Figur einsetzt, um die Ereignisse aus dessen Perspektive zu schildern.
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Wirkung der Erzählperspektive
Die Wahl der Erzählperspektive sagt viel über die beabsichtigte Wirkung eines literarischen Textes auf die Leser*innen aus. Die Erzählperspektive wirkt maßgeblich auf die Stimmung oder Atmosphäre ein, die eine Geschichte erzeugen soll.
Erzählperspektiven ermöglichen es, sich in die Gedanken und Gefühle der Charaktere hineinzuversetzen oder eine Distanz aufzubauen, um die Ereignisse neutraler zu betrachten. Sie entscheiden darüber, wie die Innenwelt oder die Entwicklung von Figuren wahrgenommen wird und ob sich der/die Leser*in mit einer Figur identifiziert oder emotional von ihr abwendet.
Wechselnde Erzählperspektiven
Innerhalb einer Geschichte kann es zu einem Wechsel der Erzählperspektiven kommen. Damit können unterschiedliche Figuren aus ihrer Perspektive berichten oder den Leser*innen neue Einblicke in die Geschichte oder Charaktere ermöglicht werden. Der Wechsel kann zwischen Charakteren bei personalem und Ich-Erzähler*in oder zwischen den vier Erzählperspektiven vorkommen.
Achte auf den Wechsel von Pronomen, auf die Einführung neuer Figuren oder auf Perspektivwechsel zu Beginn eines neuen Kapitels. Sie können Anzeichen dafür sein, dass die Erzählperspektive innerhalb eines Werkes gewechselt wurde.
Zusammenfassung
Die vier Erzählperspektiven
- Auktoriale Erzählperspektive
- Sicht eines/r allwissenden Erzähler*in, der/die alles weiß und alles sieht.
- Die fiktive Welt wird von außen betrachtet.
- Aussagen über Zukunft und Vergangenheit können getroffen werden.
- Die Erzählung kann kommentiert oder bewertet und sich direkt an die Leser*innen gewendet werden.
- Sicht eines/r allwissenden Erzähler*in, der/die alles weiß und alles sieht.
- Personale Erzählperspektive
- Die Geschichte wird aus der Wahrnehmung eines bestimmten Charakters beschrieben.
- Der/die personale/r Erzähler*in ist Teil der fiktiven Welt.
- Das Wissen über die fiktive Welt und auf die Sicht einzelner Figuren ist beschränkt.
- Neutrale Erzählperspektive
- Die/der Erzähler*in ist kein Teil der fiktiven Welt und nicht in das Geschehen involviert.
- Die Geschichte wird so erzählt, wie sie von außen zu sehen ist.
- Der/die Erzählerin nimmt eine unauffällige Rolle ein.
- Das Innenleben der Figuren wird nicht geschildert.
- Sonderform: Ich-Erzählung
- Der/die Ich-Erzähler*in erzählt die Handlung aus der eigenen Perspektive.
- Die Ich-Form kann auch Merkmale anderer Erzähltypen enthalten und personale und auktoriale Eigenschaften annehmen.
- Wechsel der Erzählperspektiven
- Es kann zu einem Wechsel der Erzählperspektiven kommen.
- Der Wechsel kann zwischen Charakteren bei personalem und Ich-Erzähler*in oder zwischen den vier Erzählperspektiven geschehen.
- Achte auf den Wechsel von:
- Pronomen
- Einführung neuer Figuren
- Perspektivwechsel zu Beginn eines neuen Kapitels
- Achte auf den Wechsel von:
Was wird unter Erzählperspektive verstanden?