Deutsch - Jambus
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Was ist ein Jambus? Wirkung, Merkmale & Betonung
In der Welt der Gedichte nimmt der Jambus, der auch als Versfuß bekannt ist, eine bedeutende Rolle ein. Ein Gedicht lebt nämlich nicht nur durch seine Worte, sondern es erhält auch durch den Klang und den Rhythmus seinen Ausdruck.
Der Jambus erfüllt diesbezüglich eine wichtige Funktion: In seiner Abfolge aus einer unbetonten und einer betonten Silbe gehört er zu den grundlegenden Bausteinen des metrischen Systems in der deutschen Lyrik. Durch den Wechsel von Hebung und Senkung gibt der Jambus einem Gedicht seinen Takt und eine melodische Struktur.
Wie kann der Jambus erkannt werden? Was ist in diesem Zusammenhang unter einer unbetonten und einer betonten Silbe, einer Hebung und einer Senkung zu verstehen?
Wir führen in dieser Übung leicht verständlich in das Thema Jambus ein und erklären die grundlegenden Begriffe, Konzepte und Sonderformen des jambischen Versmaßes.
Was ist ein Jambus?
Der Jambus kommt in vielen lyrischen Texten vor. Er bezeichnet den Versfuß in der Metrik und besteht aus zwei Verselementen: einer unbetonten und einer betonten Silbe (auch leichte und schwere Silbe genannt).
Das Metrum (Versmaß) ist für den Rhythmus und die Stimmung des Textes wichtig, denn es zeigt an, welche Silben im Text betont werden und welche unbetont bleiben.
Durch die Struktur des Jambus im Metrum wird ein rhythmischer und fließender Klang erzeugt. Neben dem Jambus gibt es noch drei weitere Metrum-Arten wie den Trochäus, Anapäst und der Daktylus.
In der schriftlichen Darstellung oder bei einer Gedichtanalyse wird der Jambus meist mit den Betonungszeichen (U oder – (unbetonte Silbe) und x oder X (betonte Silbe) gekennzeichnet. Es sind auch andere Kennzeichnungen erlaubt. Allgemein wird auch von Hebungen (betont) und Senkungen (unbetont) gesprochen.
Ein Beispiel für einen Jambus mit Betonung auf der zweiten Silbe ist:
Verstand
– x
Aufbau des Jambus
Gedichte, die den Jambus als metrische Struktur verwenden, werden auch als jambische Verse bezeichnet. Zudem wird in Gedichtinterpretationen oft von einem mehrhebigen Jambus gesprochen. Dieser liegt dann vor, wenn eine Zeile (oder Strophe) eines Gedichts über zwei Hebungen hinausgeht und mehr als zwei Silben aufweist.
Ein Gedicht, das eine jambische Silbenfolge aufweist, ist zum Beispiel „Die Stadt“ von Theodor Storm:
Am | grau|en| Strand,| am| grau|en |Meer
– x – x – x – x
Und | seit|ab | liegt | die | Stadt
– x – x – x
Der Ne|bel drückt die Dä|cher schwer
– x – x – x – x
Und durch die Stil|le braust das Meer
– x – x – x – x
Ein|tö|nig um die Stadt
– x – x – x
An den Versen kannst du erkennen, wie sich unbetonte und betonte Silben abwechseln. Zudem kann der Jambus noch exakter ermittelt werden: Das Metrum wechselt zwischen einem vierhebigen und dreihebigen Jambus, was du an der Anzahl der Hebungen (betonten Silben, „x“) in jedem Vers erkennen kannst.
Bedeutung des Reimschemas im Deutschunterricht
Gedichte verstecken viele sprachliche Besonderheiten. Ihr wesentliches Merkmal ist, dass sich die Verse in Gedichten reimen. Dies geschieht nicht zufällig, sondern Reime folgen einem bestimmten Schema. Das Reimschema hat einen großen Einfluss darauf, wie das Gedicht klingt und auf den/die Leser*innen wirkt. Durch die Analyse und Interpretation des Reimschemas kannst du vieles über die Entstehung, den Inhalt oder die Stimmung in einem Werk erfahren.
Es gibt verschiedene Reimarten, wie beispielsweise den Paarreim oder den Kreuzreim. Der Jambus als Versfuß ist ebenfalls eng mit dem Reimschema von Gedichten verknüpft. In vielen Gedichten ergibt sich das Reimschema aus der Versstruktur des Jambus.
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Welche Arten des jambischen Versmaßes gibt es?
Für einige jambische Versmaße gibt es bestimmte Fachbegriffe:
Jambus – Alexandriner
Der Alexandriner gehört zu den bekanntesten Sonderformen für jambische Versmaße und war vor allem im Barock und in der französischen Klassik eine beliebte Versform. Der Alexandriner besteht aus sechs Jamben (Hebungen). Das heißt, dass die Abfolge von unbetonten Silben und betonten Silben sechsmal nacheinander vorkommt. Je nach Versschluss (Kadenz) besteht der Alexandriner aus zwölf oder dreizehn Silben sowie einer Zäsur in der Mitte (nach der sechsten Silbe beziehungsweise der dritten Hebung). Die „Pause“ kann an einem Komma in der Mitte des Verses erkannt werden.
Beispiel (Andreas Gryphius, Sonett, „Abend“)
Der schnel/le Tag ist hin; | die Nacht schwingt ih/re Fahn
– x – x – x | – x – x – x
Die Kadenz bezeichnet das Muster von betonten (männliche Kadenz) und unbetonten (weibliche Kadenz) Silben am Ende einer Verszeile innerhalb eines Gedichts. Sie gibt Aufschluss darüber, wie die letzten beiden Silben betont werden.
Jambus – Blankvers
Der Blankvers war vor allem im Drama des 18. Jahrhunderts populär. Als ein Blankvers wird eine Verszeile bezeichnet, die einen fünfhebigen Jambus aufweist. Der Blankvers besteht aus zehn oder elf Silben. Anders als beim Alexandriner hat der Blankvers eine bewegliche Zäsur. Eine weitere Besonderheit ist, dass der Blankvers ohne Reim auskommt.
Beispiel (Goethe „Iphigenie auf Tauris“)
Denn ach! | mich trennt das Meer von den Ge/lieb/ten,
– x | – x – x – x – x –
Jambus – Stanze
Die Stanze ist eine weitere Sonderform des Jambus. Damit wird eine italienische Strophenform bezeichnet, die aus acht jambischen Verszeilen besteht. Jede Verszeile weist elf Silben auf und besteht aus fünf jambischen Hebungen. Die Verszeile endet mit einer unbetonten Silbe (weibliche Kadenz).
Beispiel (Rainer Maria Rilke, „Winterliche Stanzen“)
Nun | sol/len | wir | ver/sag/te | Ta/ge | lan/ge
– | x – | x | – x – | x – | x –
er/tra/gen | in | des | Wi/der/stan/des | Rin/de;
– x – | x | – | x – x – | x –
Jambus – Terzine
Unter Terzine wird eine italienische Gedichtform verstanden. Jambische Verse finden sich darin ebenfalls als ein Bestandteil. Die Terzine besteht aus beliebig vielen Strophen mit jeweils drei Verszeilen und elf Silben. Das Metrum der Terzine ist der fünfhebige Jambus. Die Versausgänge (Kadenz) können weiblich-unbetont und männlich-betont sein.
Beispiel (Hugo von Hofmannsthal „Vier Gedichte in Terzinen“
Die | Stun/den! | wo | wir | auf | das hel/le | Blau/en
– | x – | x | – | x | – x – | x –
des | Mee/res | star/ren | und | den | Tod | ver/stehn
– | x – | x – | x | – | x | – x
Welche Wirkung & Funktion hat er?
Bei Gedichtinterpretationen wird auch die Wirkung des Versmaßes untersucht. Daher ist es wichtig zu wissen, welche Wirkung und Funktion der Jambus in einem Text erzeugen kann, um Aufschluss über die Stimmung und den Rhythmus eines Gedichts zu bekommen.
Der Jambus bietet verschiedene Möglichkeiten, Betonungen zu setzen und kann auf diese Weise unterschiedliche Stimmung erzeugen. Durch die Wiederholung des Musters gibt der Jambus der Sprache eine regelmäßige und harmonische Klangstruktur. Durch die Betonung, die auf der zweiten Silbe liegt, entsteht eine „Auf- und Ab-Bewegung“, die dem Text eine gewisse Melodie verleiht. Daher wird der Jambus häufig für eine fließende und rhythmische Leseart verwendet. Er eignet sich sowohl für Gedichte, die ruhig vorgetragen werden sollen als auch für ernstere und spannungsgeladene Inhalte.
Um die Metrik eines Gedichtes und somit auch den Jambus zu erkennen, kannst du wie folgt vorgehen:
1. Lese dir den Text laut und deutlich vor. Die betonten Silben werden beim Sprechen lauter ausgesprochen und die Stimme wird sich leicht heben (Hebung). Bei unbetonten Silben wird die Stimme gesenkt (Senkung).
2. Markiere betonte und unbetonte Silben: Nun kannst du die Silben in jeder Zeile trennen, etwa mit einem Trennstrich. Danach markierst du die betonten (x) und unbetonten Silben (–) in den Versen.
3. Nachdem du die betonten und unbetonten Silben markiert hast, kannst du nach wiederkehrenden Mustern von betonten und unbetonten Silben suchen und die Anzahl der Hebungen und Senkungen zählen.
4. Überprüfe, ob sich das Muster von unbetonten und betonten Silben mehrmals wiederholt oder sich durch das gesamte Gedicht zieht. In diesem Fall handelt es sich um ein jambisches Metrum.
5. Vergleiche die Betonung mit den anderen üblichen Metrum Arten: Trochäus (betont, unbetont) und der Anapäst (unbetont, unbetont, betont) und Daktylus (betont/unbetont/unbetont).
Zusammenfassung
Aufbau Jambus
- Der Jambus bezeichnet den Versfuß in der Metrik und besteht aus zwei Verselementen: einer unbetonten und einer betonten Silbe. (oder: Senkung – Hebung).
- In der schriftlichen Darstellung oder bei einer Gedichtanalyse wird der Jambus meist mit den Betonungszeichen (U oder – (unbetonte Silbe) und x oder X (betonte Silbe) gekennzeichnet. Es sind auch andere Kennzeichnungen erlaubt.
- Gedichte, die den Jambus als metrische Struktur verwenden, werden auch als jambische Verse bezeichnet. Ein mehrhebiger Jambus liegt vor, wenn eine Zeile (oder Strophe) eines Gedichts über zwei Hebungen hinausgeht und mehr als zwei Silben aufweist.
Arten des jambischen Versmaßes
- Alexandriner: Besteht aus sechs Jamben (Hebungen) und aus zwölf oder dreizehn Silben sowie einer Zäsur in der Mitte (nach der sechsten Silbe beziehungsweise der dritten Hebung).
- Blankvers: Eine Verszeile, die einen fünfhebigen Jambus aufweist. Der Blankvers besteht aus zehn oder elf Silben. Anders als beim Alexandriner hat der Blankvers eine bewegliche Zäsur.
- Stanze: Besteht aus acht jambischen Verszeilen. Jede Verszeile weist elf Silben auf und besteht aus fünf jambischen Hebungen. Die Verszeile endet mit einer unbetonten Silbe (weibliche Kadenz)
- Terzine: Besteht aus beliebig vielen Strophen mit jeweils drei Verszeilen und elf Silben. Das Metrum der Terzine ist der fünfhebige Jambus. Die Versausgänge (Kadenz) können weiblich-unbetont und männlich-betont sein.
Wirkung und Funktion
- Der Jambus bietet verschiedene Möglichkeiten, Betonungen zu setzen und kann auf diese Weise unterschiedliche Stimmung erzeugen. Der Jambus eignet sich sowohl für Gedichte, die ruhig vorgetragen werden sollen als auch für ernstere und spannungsgeladene Inhalte.
Was ist ein Jambus?