Gerundivum (2) - das prädikative Gerundivum – online lernen

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nd-Formen — Gerundivum (2) - das prädikative Gerundivum

Das Gerundivum tritt in zwei verschiedenen Bedeutungen auf. Hier wird dir das prädikative Gerundivum erklärt. Wie wird es gebildet, verwendet und welche Übersetzungsmöglichkeiten gibt es?.

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Das Gerundivum

Das Gerundivum ist wie die Partizipien ein vom Verb abgeleitetes Adjektiv (Verbaladjektiv). Allerdings wird es als echtes Adjektiv (attribut) nur von Gefühlsverben (z.B. loben, lieben, hassen) verwendet. Dann entspricht es deutschen Adjektiven auf –bar, -lich oder –wert:

laudandus,-a,-um  lobenswert, löblich
amandus,-a,-um  liebenswert
contemnendus,-a,-um  verachtenswert, verächtlich

Das Gerundivum wird wie das Gerundium aus dem Präsensstamm, dem Kennzeichen –ndund den Endungen a-/o-Deklination gebildet; als Adjektiv hat es hierbei die Endungen aller drei Genera sowie einen regelmäßigen Plural. Bei der i-Konjugation, der konsonantischen Konjugation und der Mischkonjugation wird der Präsensstamm um den Bindevokal –e erweitert.

a-Konjugation

e-Konjugation

i-Konjugation

kons. Konj.

Mischkonj.

dandus,a,um

flendus,a,um

audiendus,a,um

mittendus,a,um

capiendus,a,um


Verwendung des Gerundivums

Der attributive Gebrauch ist nur bei transitiven Verben (Verben mit einem Akkusativobjekt) möglich. Das Gerundivum entspricht hier einem Partizip Präsens Passiv:

in pontibus faciendis  beim Bau von Brücken (wörtlich: „bei     den  Brücken, die gebaut werden“)

Der prädikativeGebrauch drückt zusätzlich eine Möglichkeit bzw. Notwendigkeit aus:

Liber legendus est.

Das Buch muss gelesen werden.

Pacta sunt servanda.

Verträge müssen eingehalten werden.

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nd-Formen (3) –

das prädikative Gerundivum (1)

 

Das Gerundivum als Prädikatsnomen bei esse

Das Gerundivum kann als Adjektiv auch Prädikatsnomen zu esse sein. In diesem Fall bezeichnet es die Notwendigkeit, eine Handlung auszuführen oder nicht auszuführen. Eine persönliche Konstruktion, bei der das Gerundivum sich in Kasus, Numerus und Genus an das Subjekt angleicht, ist nur bei transitiven Verben (sprich: Verben, die ein Akkusativobjekt regieren) möglich. Intransitive Verben stehen als Prädikatsnomen dagegen unpersönlich immer im Neutrum. Regiert ein intransitives Verb ein Objekt im Genitiv, Dativ oder Ablativ, bleibt der Objektskasus erhalten. In einer Erstübersetzung kannst du das Gerundivum hier mit einem zu-Infinitiv übersetzen:

Persönliche Konstruktion

Liber legendus est.  Das Buch ist zu lesen/muss gelesen werden.

Vis adhibenda non est.  Gewalt ist nicht anzuwenden/darf (soll) nicht     angewandt werden.

Animalia tuenda sunt.  Tiere sind zu beschützen/müssen geschützt     werden.

Unpersönliche Konstruktion

Pugnandum est.  Es ist zu kämpfen/muss gekämpft werden.

Properandum non est.  Es ist nicht zu eilen. Eile ist nicht nötig.

Victis parcendum est.  Die Besiegten sind zu schonen/müssen geschont   werden.

Dolo utendum non est.  Es ist keine List zu benutzen/darf keine List benutzt   werden.

Illius diei obliviscendum non est.  Jener Tag ist nicht zu vergessen/darf (soll) nicht   vergessen werden.

Der dativus auctoris

Die Person, die etwas tun muss (bzw. nicht tun darf), steht beim Gerundivum als Prädikatsnomen im Dativ. Dieser Dativ heißt dativus auctoris („Dativ des Urhebers“):

Libri mihi legendi sunt.  „Mir sind Bücher zu lesen.“ = Ich muss Bücher     lesen.

Militibus pugnandum erit.  „Den Soldaten wird zu kämpfen sein.“ = Die     Sodaten werden kämpfen müssen.

Nobis legibus parendum est.  „Uns ist den Gesetzen zu gehorchen“ = Wir müssen   den Gesetzen gehorchen.

Suntne tibi pensa facienda ?  „Sind dir Hausaufgaben zu machen ?“ = Musst du   Hausaufgaben machen ?

Tum tibi abeundum non erat.  Damals durftest du nicht weggehen.

Wenn ein Verb ein Dativobjekt regiert, kann der dativus auctoris, um Missver-ständnisse zu vermeiden, durch a(b) + Ablativ ersetzt werden. Betrachte folgendes doppeldeutiges Beispiel: Wer muss geschont werden ?

Illis nobis parcendum est.  Wir müssen jene schonen.

  Jene müssen uns schonen.

eindeutig:

Illis a nobis parcendum est.  Wir müssen jene schonen.

Ab illis nobis parcendum est.  Jene müssen uns schonen.

Witzig (und grammatikalisch aufschlussreich) ist folgende Anekdote:

Als ein junger römischer Mann heiraten wollte, brachte er über seine Haustür ein Schild mit der Aufschrift „Uxori parendum est.“ an. Denn für ihn stand fest, dass der Mann das Sagen hat und die Frau gehorchen muss.

Einige Monate nach seiner Hochzeit zeigte sich jedoch, dass der junge Mann voll unter dem Pantoffel seiner Frau stand. Ein Freund sprach ihn daraufhin auf das Schild an. Darauf der junge Mann kleinlaut: „At verum est: Uxori parendum est - a me.“

Das Gerundivum als Prädikatsnomen im AcI

Steht ein Gerundivum als Prädikatsnomen im AcI, fällt die Kopula esse oft aus:

Sibi diutius exspectandum non putavit. = Sibi diutius expspectandum non esse putavit.

Er glaubte, er dürfe nicht länger warten.

Caesar concedendum non putabat. = Caesar (sibi) concedendum non esse putabat.

Caesar glaubte, keine Zugeständnisse machen zu dürfen/machen zu können.

Rei frumentariae prospiciendum existimat. = Rei fr. prospiciendum esse existimat.

Er glaubt, man müsse sich um die Getreideversorgung kümmern.

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nd-Formen (4) –

das prädikative Gerundivum (2)

 

Das prädikative Gerundivum mit finaler Bedeutung

 

Bei Verben des Übergebens, Überlassens und Übernehmens hat das Gerundivum im Akkusativ finale Bedeutung. Es bezeichnet einen Zweck bzw. eine Absicht, genauer gesagt: die Handlung, die an einem Gegenstand bzw. einer Person durchgeführt werden soll. Dieser Gegenstand bzw. diese Person ist das Akkusativobjekt im Satz und gleichzeitig Bezugswort des Gerundivums:

·         Populus imperatori bellum gerendum dedit.

Das Volk hat dem Feldherrn den Krieg zur Führung anvertraut./Das Volk beauftragte den Feldherrn mit der Kriegsführung.

·         Filios magistro Graeco educandos tradam.

Ich werde meine Söhne einem griechischen Lehrer zur Erziehung übergeben.

·         Quosdam epistulas nobis legendas reliquit.

Sie hat für uns einige Briefe zum Lesen zurückgelassen.

·         Tota urbs hostibus se spoliandam praebuit.

Die ganze Stadt stellte sich den Feinden zur Plünderung zur Verfügung./ Die ganze Stadt ließ sich von den Feinden plündern.

·         Egregia vobis vina bibenda concessi.

Ich habe euch ausgezeichnete Weine zum Trinken überlassen.

·         Visne, ut tibi servos inspiciendos mittam ?

Willst du, dass ich dir die Sklaven zur Ansicht schicke ?

Häufig findest du ein solches finales Gerundivum auch beim Verb curare („sich kümmern“). Hierbei übersetzt du curare mit „lassen“ und das Gerundivum mit einem Infinitiv:

·         Caesar pontem faciendum curavit.

Caesar ließ eine Brücke bauen.

·         Obsides hostibus dandos curemus, ut bellum intermittant.

Lasst uns den Feinden Geiseln stellen, damit sie den Krieg einstellen.

·         Nonne cenam hospitibus parandam curavisti ?

Hast du etwa nicht das Mahl für die Gäste zubereiten lassen ?

·         Quis captivos in patriam reducendos curabit ?

Wer wird die Gefangenen in die Heimat zurückbringen lassen ?

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