Sprache – online lernen

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Sprache – Denken – Wirklichkeit

Das Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit ist sehr komplex. Kenntnisse zum Thema „Sprache und Denken“ sind zum Beispiel Voraussetzung für das Sprechen über das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit.

1)      Sprechen – Denken

Es herrschen drei Haupttheorien, die das Verhältnis von Sprache und Denken beschreiben.

Piaget konnte experimentell beweisen, dass es so etwas wie vorsprachliche, vorbegriffliche, anschauliche Formen des Denkens gibt. Er geht also davon aus, dass Denken der Sprache vorgängig ist.

Die Gegenposition zu Piagets Annahme nimmt Watson ein. Für ihn ist Denken nichts anderes als lautloses Sprechen. Für ihn reden Kinder zuerst laut und nehmen sich dann – aufgrund von Umweltvorschriften – nach und nach zurück, bis sie schließlich nur noch flüstern bzw. auf jedes erkennbare Sprechen verzichten. Das Sprechen wird so nach innen verlagert. Das so entstandene lautlose Sprechen wird dann „Denken“ genannt.

Wygotski nimmt mit seiner Theorie eine Mittelposition zwischen Piaget und Watson ein. Er geht davon aus, dass Sprechen und Denken weder identische noch völlig getrennte Prozesse sind. Seiner Ansicht nach drückt Sprechen das Denken nicht aus, das Denken vollzieht sich innerhalb des Sprechens. Dabei ist die Struktur des Sprechens keine identische Abbildung der Struktur des Denkens. Das Sprechen dient nicht als Ausdruck des fertigen Gedankens. Ein Gedanke gestaltet sich, wenn er ausgesprochen wird.

Bei aller Unterschiedlichkeit haben die drei Positionen die Gemeinsamkeit, dass sie im Sprechen selbst nicht nur eine kommunikative Funktion sehen, sondern dass Sprache für den Menschen, der sie verwendet, auch eine Bedeutunghat.

2)      Leistungen der Sprache für das Denken

Dieter Spanhel fasst die Leistungen der Sprache für das Denken (inwiefern ist Sprache für das Denken hilfreich?) unter drei Gesichtspunkten zusammen:

  • Sprache ermöglicht sowohl Präzisierung, Gliederung und Strukturierung als auch Objektivierung und Fixierung der Gedanken; Sprache ermöglicht insbesondere die Darstellung und Mitteilung der Ergebnisse des Denkens
  • Sprechen hat für das Denken eine Entlastungsfunktion: „Fertige Begriffe“ der Sprache ermöglichen es, bestimmte Erfahrungen zu speichern und zu ordnen, und machen möglich, dass das Denken in Gang gesetzt wird, ohne dass immer wieder Sachbezüge dazwischentreten
  • Sprache unterstützt das Denken, indem sie Denkinhalte fixiert und speichert (Sprache als „Gedächtnis“), auch über viele Generationen hinweg; Sprache stellt die Erfahrungen von vielen Generationen zur Verfügung; Sprache unterstützt das Denken aber auch dadurch, dass logische und syntaktische Beziehungen zur Verfügung stehen (erleichtert also das logische Denken, darüber hinaus stellt Sprache Systeme zur Verfügung, die es erlauben die Wirklichkeit in einzelnen Kategorien zu erfassen)

Denken und Sprache liegen zwar nahe beieinander, aber unterscheiden sich stark bezüglich ihrer Intention. Sprache zielt eher auf die symbolische Repräsentation der Wirklichkeit und Kommunikation über diese Wirklichkeit ab. Beim Denken geht es eher um das kategoriale Erfassen der Wirklichkeit und um das Erkennen von Beziehungen. Wobei hierbei anzumerken ist, dass nur die Sprache die verschiedenen Kategorien zur Verfügung stellen kann und somit die enge Verflechtung von Sprache und Denken noch einmal deutlich wird.

3)      Die sprachliche Erschließung der Welt

Kleinkinder machen zwei entscheidende Erfahrungen, die dabei helfen, sich die Welt anzueignen. Zum einen lernen sie, dass Dinge einen Namen haben, sodass diese besonders hervorgehoben werden können. Zum anderen werden Aussagen über einen Gegenstand gemacht, ihm werden also Eigenschaften zugesprochen. Dies ist unter dem Namen „Prozess der Prädiktion“bekannt. Durch das Erlernen von Namen wird dem Kind auch das Wiedererkennen von benannten Dingen erleichtert. Durch das Zuschreiben von Eigenschaften erlernt das Kind, vergleichbare Dinge mit dem gleichen Namen zu benennen und somit zu kategorisieren. Bei dem Aneignungsprozess der Umwelt wird das Kind von Erwachsenen unterstützt, die bereits im Besitz vieler Kategorien sind. Sie übertragen nach und nach ihr Weltbild und ihre Weltsicht auf das Kind. Je nach Lebensgewohnheiten und Lebensbedingungen finden andere Kategorisierungen statt, die das Zurechtfinden in der Welt erleichtern. So zum Beispiel verwenden Eskimos vielfältige Bezeichnungen für Schnee in ganz verschiedenen Zuständen, wobei es im Deutschen nur drei Betitelungen gibt, nämlich Schnee, Firn und Matsch. 

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